Kontinentalblockade des Festlandes und Great Panic in England (1806-1811)

Dort leitete der geflohene König tiefgreifende wirtschaftliche und politische Reformen ein und öffnete den Weg für die Entstehung staatlicher Ausbildungsangebote. So wurde beispielsweise 1809 die erste Fabrikschule in Brasilien gegründet, die die Schüler anhand praktischer Arbeit und theoretischen Unterrichts ausbildete und sich über den Verkauf der während des Unterrichts entstandenen Produkte finanzierte. Durch diese Reformen blühte die Wirtschaft des bislang eher unbedeutenden südamerikanischen Landes schnell auf. Die englischen Kaufleute, die ihrer Absatzgebiete in Europa weitgehend beraubt worden waren, witterten ihre Chance und exportierten nun Waren vestärkt nach Brasilien. Dadurch konnte die Wirtschaft auf den britischen Inseln Napoelons Boykott zunächst entgehen, da die neuen Absatzgebiete in Südamerika die Ausfälle in Europa weitgehend kompensierten.

Die Situation verschärft sich abermals
Im Jahr 1810 verschärfte sich die Situation in Europa allerdings abermals. Napoleon hatte mit dem Dekret von Trianon (5. August 1810) sämtliche Kolonialwaren - natürlich mit Ausnahme der französischen - mit einem Zoll von bis zu 50% ihres Wertes belastet. Zusätzlich schrieb das Dekret von Fontainebleau (19. Oktober 1810) die öffentliche Verbrennung britischer Waren vor. Auch gegen Schmuggel wurde nun verstärkt durch Sondergerichte vorgegangen. Da viele Unternehmen aber auf englische Rohstoffe und Halbfertigwaren angewiesen waren und ohne diese Produkte nicht existieren konnten, verstärkte das stark verringerte Importaufkommen die Massenarbeitslosigkeit auf dem Kontinent und führte zum Ruin unzähliger Handelshäuser.

Die Verschärfung der Kontinentalblockade traf nun auch die englischen Kaufleute. Waren bislang viele Produkte über Umwege doch noch aufs Festland gelangt, so kam nun durch das rigorose Vorgehen der französischen Beamten der Handel mit dem Kontinent fast vollkommen zum Erliegen. Die Wirksamkeit der Blockade läßt sich gut am Beispiel des Amsterdamer Hafens darlegen. Brachten 1807 noch 192 Schiffe Güter im Gegenwert von 11 Millionen Gulden in die holländische Hauptstadt, so sank die Anzahl der Schiffe im Jahr 1808 auf 44 und 1809 auf 21. Im Jahr 1810 erreichten schließlich nur noch 5 Schiffe den Hafen und 1811 lief offiziell kein einziges Handelsschiff in den Amsterdamer Hafen ein. Erst 1814 kam der internationale Handel mit 3 amerikanischen Schiffen langsam wieder in Fahrt.

Übersättigung der Märkte in Südamerika
Gleichzeitig machte sich in Südamerika eine Übersättigung bemerkbar. In Folge der Umschichtung der Exporte von Europa nach Brasilien war der noch junge Markt mit englischen Produkten überschwemmt worden. Kurz vor dem Höhepunkt flossen innerhalb weniger Wochen mehr Waren aus England nach Brasilien, als in 20 Jahren (!) verbraucht werden konnten, darunter auch Produkte wie Schlittschuhe, die im sonnenverwöhnten Südamerika nur schwer abgesetzt werden konnten. Diese extrem übertriebenen Exporte nach Brasilien sorgten zunächst noch für volle Auftragsbücher in England. Dennoch spitze sich die Lage in England langsam zu.



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