Von der T-Aktie zur UMTS-Versteigerung (1996-2000)

Betroffen war dabei vor allem der Telekommunikationssektor. Anfang August versteigerte die Bundesrepublik Deutschland sechs UMTS-Linzenzen. Nach 173 Bieterrunden ersteigerten alle sechs noch vorhandenen Teilnehmer je eine UMTS-Lizenz bzw. zwei Frequenzblöcke für über 16 Mrd. Mark. Die Hoffnung den einen oder anderen Bieter aus dem Rennen zu werfen zerschlug sich damit und lediglich Finanzminister Hans Eichel freute sich über den unerhoffteten Geldsegen von über 98 Mrd. Mark. Da neben den Lizenzkosten der Ersteigerung auch noch immense Investitionen für den Aufbau der nötigen Infrastruktur einbezogen werden mussten, gerieten insbesondere die kleineren Unternehmen MobilCom und Viag Interkom in Schwierigkeiten. Experten warnten zudem davor, dass für viele internationale Konzerne in anderen Ländern noch einmal hohe Kosten für die Ersteigerung der dortigen UMTS-Lizenzen entstehen würden. Der gesamte Telekommunikationssektor war damit plötzlich in einer Schieflage und die Kurse brachen ein, wie die Tabelle der betroffenen Unternehmen mit deutscher Lizenz zeigt:

Bieter in DE Aktie Kurs 11.08.00 Kurs 18.10.00+ / -
E-Plus HutchisonHutchison16,25 EUR13,30 EUR-18,15%
Group 3GTelefonica24,06 EUR19,66 EUR-18,29%
Sonera33,45 EUR17,70 EUR-47,09%
Mannesmann MobilfunkVodafone252,00 EUR126,00 EUR-50,00%
MobilCom MultimediaMobilCom132,50 EUR52,60 EUR-60,30%
France Telecom135,60 EUR98,00 EUR-27,73%
T-MobilDt. Telekom48,30 EUR37,22 EUR-22,94%
Viag InterkomBritish Telecom12,54 EUR10,32 EUR-17,70%


Die Deutsche Telekom geriet Anfang August auch noch wegen einer anderen Meldung in Bedrängnis. Kurz nachdem das Unternehmen die Übernahme des amerikanischen Mobilfunkunternehmens VoiceStream bekanntgegeben hatte, gab es Stimmen, die die geplante Kaufsumme von 50,7 Milliarden US-Dollar auf Basis des damaligen Kurses der T-Aktie als viel zu hoch ansahen und einen Verkauf der Aktie empfohlen. Den VoiceStream-Aktionären wurden 3,2 Telekom-Aktien plus 30 US-Dollar pro VoiceStream-Aktie geboten.

Die Stimmung an der Börse wurde zunehmend schlechter, insbesondere als mit Gigabell das erste Nemax-Unternehmen Insolvenz anmelden musste. Wie es dazu kam und welche Skandale noch die Anleger erschütterten, ist Gegenstand des zweiten Teils.

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