„2019 wird ein gutes Börsenjahr!“

Samstag, 12.01.19 09:00

Interview mit Thomas Müller, Herausgeber boerse.de-Aktienbrief

boerse.de: Wie lautet Ihr Fazit für das Börsenjahr 2018?

Thomas Müller: Nach dem Gerumpel der vergangenen Wochen werden Anleger dem Börsenjahr 2018 keine Träne nachweinen. Dabei dürfte die negative Q4-Entwicklung schon wieder den Nährboden für ein erfolgreiches 2019 bereiten.

boerse.de: Können Sie die kräftigen Kursverluste vor allem gegen Ende des zurückliegenden Börsenjahres im historischen Vergleich einordnen?

Thomas Müller: Der Dax verlor im vierten Quartal 13,8% und durchlief damit das schlechteste Schlussquartal seit der Finanzkrise 2008 (damals -17,5%) sowie das drittschlechteste Q4 der bis 1960 zurückgerechneten Dax-Historie (im Crash von 1987 war der Dax sogar um 33,3% weggebrochen). Durch den größten Dezember-Rückgang (-8,7%) nach 1931 (damals -17%) gab der Dow Jones im vierten Quartal 11,8% ab, was immerhin den drittgrößten Q4-Rückgang seit 1973 bedeutete. Im Abschlussquartal 2017 hatte der US-Leitindex noch 10,3% zugelegt, und sich damit das neunte Kalenderquartal in Folge nach oben geschoben, worauf ein 2,5%-Rückgang im ersten Quartal 2018 folgte.

boerse.de: Bleiben Sie vor diesem Hintergrund immer noch bei Ihrer langfristigen Dax-Prognose?

Thomas Müller: Werfen wir dazu einen Blick zurück: Nach dem Minus von 14,7% im Jahr 2011 hatte der Dax sechs Jahre in Folge positiv abgeschlossen und sich damit in der Spitze um 130% verbessert. Dabei reichte das 2018er-Jahreshoch von 13.560 bis auf 1,7% an meine seit 2013 avisierten Zielzone von 13.800 Punkten heran. Denn damals hatte der Dax die Mega-Hürde von 8000 Punkten durchbrochen, was – nach 13 Jahren Seitwärtsbewegung – den Beginn einer neuen Aktien-Ära bedeutete, die uns noch bis 2026/2030 erhalten bleiben dürfte. Mit dem 2018er-Minus von 18,3% ist der Dax zwar Schlusslicht in Europa (SMI -10,2% bester europäischer Länder-Index, BCDI® -7,7% bester Europa-Index), doch bislang ist der Rücksetzer als Pullback auf die 10.000er-Grenze zu interpretieren.

boerse.de: Was stimmt Sie für 2019 so positiv?

Thomas Müller: 2019 ist in den USA ein Vorwahljahr, und das sind die erfolgreichsten Börsenjahre im US-Präsidenschaftszyklus, wobei die Kurse für gewöhnlich auf Jahrestief eröffnen und bis zum Jahreshoch Anfang September steigen. Hierzulande befinden wir uns in einem Zwischenwahljahr, das (typischerweise mit Beginn auf Jahrestief und Ende auf Jahreshoch) ebenfalls für das erfolgreichste Jahr im Regierungszyklus steht.





boerse.de: Unabhängig von Wahlzyklen – was ist statistisch gesehen generell für die letzten zwölf Monate des Jahrzehnts zu erwarten?

Thomas Müller: Das Ende des Jahrzehnts vor Augen entwickeln sich in 9er-Jahren oftmals ungewöhnlich starke Aufwärtsbewegungen. So beendeten beide Leitindizes die vergangenen drei 9er-Jahre mit kräftigen Kursgewinnen, die von 20% (Dow Jones 2009) bis 39% (Dax 1999) reichten. Dabei wird in den USA typischerweise das Jahrestief im Februar markiert, worauf im März eine Rallye startet, die bis zum Jahreshoch Mitte September führt. Im Dax folgt für gewöhnlich einem festeren Jahresauftakt eine Korrektur bis zum Jahrestief im März. Danach beginnt eine kräftige Aufwärtsbewegung, die bis zum Jahresende anhält.





boerse.de: Welchen Kursverlauf erwarten Sie demnach konkret für 2019?

Thomas Müller: Meine konkrete Prognose für 2019 kennen die Besucher vom 11. Rosenheimer Börsentag: Im Dow Jones dürfte das Jahrestief im Januar oder Februar entstehen und das Jahreshoch im September, wobei 30.000 Punkte eingestellt werden sollten. Im Dax zeigen die Zyklen das Jahrestief für den 2. Januar oder für die erste März-Woche an, das Jahreshoch (oberhalb von 14.000) am 30. Dezember 2019, was dann – wie in „Das Börsenbuch“ beschrieben – zugleich das Jahrzehnthoch darstellen sollte. Also freuen Sie sich auf 2019!

boerse.de: Herr Müller, vielen Dank für das Gespräch!

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