„Altersvorsorge? Aktien!“

Samstag, 15.06.19 08:00

Interview mit Thomas Müller, Herausgeber boerse.de-Aktienbrief

boerse.de: Der boerse.de-Aktienbrief und damit Ihr Aktienbrief-Editorial ist bereits zum 450. Mal erschienen. Gibt es ein Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Thomas Müller: Mein Aktienbrief-Editorial Nummer 450 ist ein schöner Anlass, einmal ganz grundsätzlich über Altersvorsorge nachzudenken. So spielt der Kapitalmarkt laut einer Untersuchung des Deutschen Aktieninstituts (DAI) hierzulande für die Altersvorsorge so gut wie keine Rolle. Denn 75% der „Standardrente“ macht die umlagenfinanzierte gesetzliche Rente aus, und nur 25% stammen aus der betrieblichen oder der privaten Vorsorge. Damit liegt Deutschland deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 39%, wobei in Australien und den Niederlanden sogar 70% der Renten aus angelegtem Kapital finanziert werden. Dementsprechend entfällt auf Investments zur Altersvorsorge in Deutschland gerade einmal 26% des BIP, was nicht einmal einem Drittel des OECD-Durchschnitts entspricht.

boerse.de: Hinkt der Aktienanteil bei der betrieblichen und privaten Altersvorsorge hierzulande im internationalen Vergleich ähnlich hinterher?

Thomas Müller: Das ist besonders verheerend. Die Altersvorsorgebeiträge werden nur zu einem Bruchteil in Aktien investiert. So kommen Pensionskassen bzw. -fonds (betriebliche Altersvorsorge) auf einen Aktienanteil von nur vier Prozent, und bei Lebensversicherungen/Riester-Renten sind es fünf Prozent. Von monatlich angesparten 100 Euro fließen also gerade mal 5 Euro an den Aktienmarkt! Pensionsfonds in den Niederlanden, der Schweiz und Kanada investieren dagegen mehr als ein Drittel der Einzahlungen in Aktien, in den USA und Australien sogar fast fünfzig Prozent.

boerse.de: Welche Bedeutung haben Aktien für die Altersvorsorge?

Thomas Müller: Das Deutsche Aktieninstitut DAI schreibt: „Wer auf Aktien verzichtet, verzichtet auf ein sicheres Auskommen im Alter.“ Zitiert wird dabei aus der schon bekannten Studie von Allianz Global Investors, die für den Zeitraum von 1900 bis 2014 eine Realrendite von 5,2% p.a. für ein weltweit diversifiziertes Aktienportfolio ausweist. Dazu passen die Untersuchungen von Union Investment, die für Sparpläne auf den MSCI World zwischen 1969 und 2015 eine durchschnittliche Rendite von 8,5% p.a. errechneten, und des BVI, nach der Aktienfonds unter Berücksichtigung von Ausgabeaufschlägen und laufenden Kosten (!) zwischen 1970 und 2015 eine Rendite von durchschnittlich 7,1% p.a. erreicht haben. Das DAI-Fazit ist klar: „Aktien sind ohne Alternative“.

boerse.de: Die Erkenntnis ist wenig überraschend …

Thomas Müller: Die Aktienmärkte waren immer schon konkurrenzlos und sind es in Zeiten der abgeschafften Zinsen, die uns noch sehr lange erhalten bleiben könnten, umso mehr. Denn bei (nach Inflation) realen Minusrenditen an der Zinsfront sind die Aktienbörsen allein schon aus Dividendensicht um Welten im Vorteil …

boerse.de: … der noch größer wird, wenn auf Qualitätsaktien wie Champions bzw. Defensiv-Champions gesetzt wird?

Thomas Müller: Die Kurse unserer 100 Champions aus dem boerse.de-Aktienbrief haben in den vergangenen zehn Jahren 18,1% p.a. gewonnen, während Dax-Aktien nur +8,1% p.a. und Dow Jones-Titel +11,6% p.a. zulegen konnten. In den ersten fünf Monaten 2019 betrugen die Champions-Kursgewinne bereits +14,7%. Unser boerse.de-Champions-Defensiv-Index (BCDI®) gewann seit Jahresanfang +14,2%, und für den BCDI®-Aktienfonds (WKN: A2AQJY) errechnet sich nach der jüngsten Ausschüttung (1,56 Euro/Anteil) ein Plus von +14,1%. Für solche Renditen müssen Zinsanleger Jahrzehnte sparen, und deshalb sind Aktieninvestments sogar die „sicherste“ Altersvorsorge!

boerse.de: Herr Müller, vielen Dank für das Gespräch!

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