„Verblassende Crash-Erinnerungen und Hochs, die von allein kommen“

Samstag, 06.04.19 08:00

Interview mit Thomas Müller, Herausgeber boerse.de-Aktienbrief

boerse.de: Ihr positiver Ausblick für das Börsenjahr 2019 vom Jahresanfang hat sich im ersten Quartal eindrucksvoll bestätigt. Verfügen Sie über eine Glaskugel?

Thomas Müller: Die Börsengeschichte ist der Schlüssel zum Verständnis der Zukunft an der Börse. Denn: „Was in der Vergangenheit passiert ist, wird immer und immer wieder passieren. Dies liegt daran, dass die Menschen sich nicht ändern. Und es sind die Gefühle der Menschen, die ihrem Intellekt im Wege stehen.“ – Diese wundervolle Börsenweisheit stammt von Jesse Livermore und wurde von mir im Editorial „Alles wiederholt sich“ vor 14 Jahren veröffentlicht.

boerse.de: Was schrieben Sie damals?

Thomas Müller: „Heute ist die riesige Aktien-Baisse von 2000/2002 noch immer fest im Gedächtnis vieler Anleger verwurzelt, weshalb den Börsen so schnell keine breite Übertreibung droht. Doch im Laufe der Jahre wird die Erinnerung an die geplatzte New-Economy-Blase verblassen, während neue Anlegergenerationen nachrücken, die zu diesen verrückten Zeiten überhaupt keinen Bezug mehr haben werden.“

boerse.de: Tatsächlich ist heute so gut wie nichts mehr von der damaligen Jahrhundert-Baisse zu lesen. Gibt es Gründe dafür?

Thomas Müller: Das mag daran liegen, dass die meisten der damaligen Wirtschaftsjournalisten (gezwungenermaßen) das Ressort gewechselt haben oder sich längst im Ruhestand befinden. Die Finanzkrise von 2007/08 scheint dagegen noch allgegenwärtig, wobei seit den damaligen Tiefstkursen nun genau zehn Jahre vergangen sind.

boerse.de: Wie dramatisch waren die damaligen Kursverluste?

Thomas Müller: 2008 war der Dax von 8067 auf 4810 Punkte abgestürzt, das bedeutete 40,4% Jahresverlust und damit nach den -44% von 2002 den größten Jahresrückgang der Dax-Geschichte. Und die Kurse fielen zunächst weiter: Im Januar gab der Dax um 9,8% nach, im Februar sogar um 11,4%. Am 6. März 2009 hatte der Deutsche Leitindex dann bei nur noch 3666 Punkten aufgesetzt, das waren gegenüber dem vorangegangenen Hoch von 8106 Punkten (am 16.07.2007) massive 55% Index-Einbruch.



Selbst der Dow Jones, den sonst nichts so leicht aus der Ruhe bringen kann, stürzte scheinbar ins Bodenlose. Hier wurde das Tief drei Tage nach dem Dax bei 6547 Punkten markiert, womit der Dow gegenüber seinem Top turbulente 54% verloren hatte.



boerse.de: Seitdem ging es aber an den Aktienmärkten kräftig nach oben …

Thomas Müller: Wie immer gilt mein Leitspruch: Nach der Baisse ist vor der Hausse. In den zehn Jahren seit den Tiefs hat der Dax über 200% zugelegt, der Dow Jones sogar fast 300%.





Und unsere Champions-Aktien haben sich durch die Bank vervielfacht, wobei die immense Auswirkung der Dividenden leicht übersehen wird. So klingt der Anstieg von 246% unseres Parade-Defensiv-Champions Nestlé beispielsweise unspektakulär, doch die mittlerweile zehn Dividendenausschüttungen entsprechen schon drei Vierteln der Nestlé-Kurse vom März 2009. Seit damals haben Berkshire Hathaway 312% gewonnen, Lindt & Sprüngli 409%, Walt Disney 594%, und die Fiserv-Aktie ist sogar um 1055% explodiert. Acht Defensiv-Champions aus dem BCDI®-Aktienfonds verbesserten sich um mehr als 500% und davon drei um über 1000%!

 

boerse.de: Kursabstürze wie um die Jahrtausendwende und vor zehn Jahren eröffnen also großartige Kaufgelegenheiten. Wird sich auch das wiederholen?

Thomas Müller: Der nächste Ausverkauf wird ganz sicher kommen, und der wird genauso ein Geschenk sein wie jeder davor. Deshalb empfehlen wir immer, Crash-Cash für Schnäppchen-Nachkäufe bereitzuhalten und im Depotfundament (Defensiv-Champions, BCDI®, BCDI®-Aktienfonds, boerse.de-Weltfonds) völlig entspannt zu bleiben. Denn neue All-Time-Highs kommen ganz von allein ...

boerse.de: Herr Müller, vielen Dank für das Gespräch!



Unsere Mission