Adidas am DAX-Ende: Warum Anleger die Aktie heute abstrafen

Mittwoch, 13.03.19 10:55
“Sneakers” haben seit Jahren Hochkonjunktur. Egal ob beim Sport, Spazierengehen oder sogar im Büro: Ohne Sportschuhe von Adidas, Nike oder Puma “läuft” fast nichts mehr. Doch der Mega-Trend ist für den (nach Nike) weltweit zweitgrößte Sportartikelkonzern Adidas Fluch und Segen zugleich: Bei der heutigen Jahreszahlen-Präsentation legten die Herzogenauracher zwar glänzende Ergebnisse für 2018 vor, warnten aber gleichzeitig vor Produktionsengpässen in diesem Jahr.

Die US-Nachfrage im mittleren Preissegment sei so hoch, dass sie zumindest im ersten Halbjahr "nicht sofort vollständig bedient werden" könne. Dadurch werde der Umsatz 2019 wechselkursbereinigt nur um fünf bis acht Prozent zulegen, ohne das hausgemachte “Luxusproblem” wären ein bis zwei Prozentpunkte mehr drin gewesen. Um sich die Gunst der Anleger dennoch zu sichern, erhöhte der Sportartikelhersteller die Dividende von 2,60 Euro auf 3,35 Euro je Aktie. Die erhoffte, positive Resonanz blieb jedoch aus: Aktionäre verbannten das Adidas-Papier zu Handelsbeginn mit -5,8 Prozent auf die Ersatzbank und manche Marktteilnehmer fragen sich, ob die drei Streifen möglicherweise ihre besten Zeiten hinter sich haben?

Gewinnsprung 2018
Wenn man die Jahreszahlen 2018 betrachtet, sicher nicht. Adidas legte im Vergleich zum Vorjahresniveau einen Gewinnsprung von 20 Prozent hin (1,71 Milliarden Euro). Auch das Betriebsergebnis stieg im Jahresvergleich um starke 14 Prozent auf knapp 2,37 Milliarden Euro und der Umsatz kletterte währungsbereinigt um acht Prozent auf 21,9 Milliarden Euro. Adidas-Chef Rorsted zeigte sich erfreut: "Das war mit Abstand das beste Jahr in der Geschichte von Adidas",

Zur Erfolgsbilanz 2018 trugen mehrere Faktoren bei: Dank der Fußball-WM, guter Geschäfte in China, einer verbesserte Marge und der Rückkehr des Sorgenkindes Reebok zur Profitabilität erreichte der DAX-Konzern im Gesamtjahr das obere Ende der Gewinnziele. Beim Umsatz schaffte Adidas zumindest das untere Ende der im November gesenkten Prognose.

Verschnaufpause 2019
Für das laufende Jahr versprach Rorsted mit Blick auf das schwache Europa-Geschäft und die Produktionsengpässe 2018 “Wir kriegen das wieder hin”. Der Umsatz soll nunmehr währungsbereinigt zwischen fünf und acht Prozent klettern, für den Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft erwartet er ein Plus zwischen zehn und 14 Prozent.
Zudem will Adidas das 2018 gestartete Aktienrückkaufprogramm fortsetzen, im Rahmen dessen bis Mai 2021 insgesamt eigene Aktien im Wert von bis zu drei Milliarden Euro zurückerworben werden sollen.

Eine Maßnahme, die sich schon im vergangenen Jahr positiv auf Adidas’ Aktienkurs ausgewirkt hat. Dennoch müssen die Herzogenauracher noch stets den Vergleich mit Rivalen Nike scheuen: Der boerse.de-Aktienbrief-Champion hatte innerhalb der vergangen 12 Monate mit +42 Prozent deutlich mehr “Swoosh”, als die drei Streifen (+22 Prozent), berichtet bislang nichts über Produktionsengpässe in den USA und glänzt mit einer blitzsauberen 10-Jahres-Performance. Wahre Champions-Qualitäten, die Nike (wie übrigens allen 100 boerse.de-Aktienbrief-Champions) vermutlich noch lange den Titelgewinn sichern…

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

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