Air Berlin-Insolvenz: Wie Lufthansa & Co. von der Pleite profitieren

Freitag, 18.08.17 11:08

 

Die Konkurrenz über den Wolken ist groß. Allein bei meiner Flugbuchung für die Kurzstrecke München-Amsterdam konnte ich zwischen vier Airlines wählen. Zwei Billigflieger, zwei renommierte Fluggesellschaften und minimale Preisunterschiede. Da wird dem Kunden die Entscheidung nicht leicht gemacht. Das “buhlen” der Airlines um Passagiere freut zwar unseren Geldbeutel, da der verschärfte Wettbewerb das Preisniveau senkt, doch der harte Konkurrenzkampf hat auch Schattenseiten. Jüngstes Negativ-Beispiel: Air Berlin.

 

Schritt für Schritt in die Insolvenz

 

Nach einer langen Zitterpartie musste Air Berlin vergangenen Dienstag endgültig die Segel streichen: Die Fluglinie meldete Insolvenz an. Was an der Börse für einen Kurs-Absturz von - 55 Prozent auf Wochensicht sorgte, hatten Marktbeobachter schon längst kommen sehen. Bei der Air Berlin-Pleite handelte es sich nämlich nicht um eine Notlandung aus heiterem Himmel, sondern um einen langen Sinkflug mit Ankündigung.

 

Schon seit 2011 pumpte Hauptaktionär Etihad Geld in die in Turbulenzen verkehrende Airline, doch irgendwann ist auch für die vermögende, arabische Fluggesellschaft mal Schluss. Das Geschäft war einfach nicht profitabel genug, die Unternehmensstrategie von Air Berlin zu verwässert. Business-Airline oder Billigflieger? Touri-Bomber oder Metropolen-Taxi? Air Berlin wollte alles sein und war am Ende - nichts.

 

Die Fluggesellschaft trudelte in eine Abwärtsspirale aus immer weniger Fluggästen und stetig steigenden Ausgaben für Gehälter und Flugzeug-Leasingverträge mit tief-roten Zahlen als Konsequenz. Allein im vergangenen Jahr verbuchte Air Berlin einen Verlust von 780 Millionen Euro. 2017 sollte das Minus sogar noch größer ausfallen.

 

Abgekartetes Spiel

 

Kaum liegt das Opfer am Boden, schon scharen sich die Aasgeier um die potenzielle Beute. Allen voran: Ryanair. Der irische Billigflieger legte Beschwerde bei den Kartellbehörden gegen die Staatshilfen für Air Berlin ein und spricht von einem “Komplott” zwischen Bundesregierung und deutschen Fluggesellschaften. „Das ist ein völlig abgekartetes Spiel“, sagte Ryanair-Chef Michael O’Leary am Mittwoch. „Es geht nur darum, Ryanair daran zu hindern, in Deutschland weiterzuwachsen, aber das wird uns nicht aufhalten.“

 

Tatsächlich ist es durchaus möglich, dass sich deutsche Gesellschaften wie die Lufthansa die Filetstücke von Air Berlin einverleiben und Ryanair damit von einer weiteren Expansion in Deutschland abhalten könnten. Doch bis es soweit ist, haben auch Kartellbehörden und Politik noch ein Wörtchen mitzureden. Zwar sprach sich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt am Donnerstag ganz klar für einen “deutschen Champion im internationalen Luftverkehr aus” und erteilte damit Ryanair eine klare Absage, doch Wettbewerbshüter sehen Lufthansas Übernahmepläne kritisch:

 

Die Air Berlin-Fusion könnte Berechnungen zufolge Lufthansas Marktanteil bei Inlandsflügen von 68 Prozent auf 95 Prozent ausbauen, insgesamt käme sie damit in Deutschland auf 60 statt wie bisher 47 Prozent. Eine bedenkliche Markt-Macht.

 

Wohin geht die Reise?

 

Momentan sieht alles danach aus, als ob Air Berlins lukrative Überreste wie Start- und Landerechte schnellstmöglich einen neuen Eigentümer finden sollen. Neben Lufthansa sollen auch Thomas Cook, TUI und Easyjet Interesse signalisiert haben und Air Berlin-Chef Winkelmann plant Presseberichten zufolge, den Verkauf bereits in den kommenden Wochen in trockene Tücher zu bringen.

 

Der Air Berlin-Börsengang 2006 entpuppte sich für viele Anleger als Horrortrip, der bis dato rund 94 Prozent des eingesetzten Kapitals vernichtete. Wenn Sie sich lieber auf der sicheren Seite bewegen, dann “fliegen” Sie wahrscheinlich auf die Aktien des boerse.de-Champions-Defensiv-Index (BCDI), der zehn der langfristig risikoärmsten und zugleich erfolgreichsten Wertpapiere der Welt beinhaltet. Ein Investment, mit dem Sie allein in den vergangenen drei Jahren rund 44 Prozent Rendite erzielt hätten!

 

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende,

 

Ihre Miss boerse.de



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