Aktienmarkt – Die Kurse signalisieren Neujahrshoffnungen

Donnerstag, 10.01.19 11:46
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

es sieht so aus, als würden große, marktbestimmende Investoren wieder mehr Mut entwickeln. Jedenfalls sind über den Jahreswechsel nicht nur Kurserholungen an den Aktienmärkten zu beobachten, sondern auch optimistischer klingende Vorhersagen zu hören. Dass in entsprechenden Umfragen das Aktien-Sentiment auf ein mehrjähriges Tief gefallen ist, passt nicht in dieses Bild. Doch spiegelt sich darin die gestiegene Volatilität, kommen also die häufigen Stimmungswechsel zum Ausdruck.

Selbst die so stringente Zinspolitik der amerikanischen Notenbank sorgt für Irritationen, weil an der Wall Street Sorgen über eine mögliche Umkehr der Zinsstrukturkurve gehandelt werden. Denn eine inverse Zinsstruktur (kurze Zinsen höher als langfristige) wird weithin als „Prophet“ für eine Rezession angesehen. Gleichzeitig warten Anleger gespannt auf die Veröffentlichung der Fed-Protokolle am Mittwochabend (MEZ). Von den Mitschriften der jüngsten geldpolitischen Beratungen der US-Notenbank erhoffen sie sich Hinweise auf Zeitpunkt und Tempo der erwarteten Zinserhöhungen. Führende Notenbanker hatten zuletzt für eine behutsamere Gangart plädiert.

Weitere Spekulation der Börsenbullen: USA und China einigen sich. Die beiden Großmächte haben ihre jüngste Gesprächsrunde über eine Lösung des Handelsstreits in Peking beendet. Die Ergebnisse sollen in Kürze präsentiert werden, wie das chinesische Außenministerium am Mittwochmorgen mitteilte. Die US-Seite äußerte sich positiv. Die Gespräche seien gut verlaufen, sagte Agrar-Staatssekretär Ted McKinney. Es waren die ersten direkten Handelsgespräche, seit US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping Anfang Dezember eine 90-tägige Pause im Zollstreit vereinbart hatten. Die ursprünglich auf zwei Tage bis Dienstag angesetzten Verhandlungen waren verlängert worden und wurden auf Ebene der Vizeminister geführt. Die Verlängerung zeige, dass ernsthaft verhandelt worden sei, erklärte das chinesische Außenamt.

Zu den international führenden Häusern, die sich jetzt bemerkenswert zuversichtlich äußern, gehören Deutsche Bank und Goldman Sachs Asset Management (GSAM). Wird 2019 ein besseres Jahr für Investoren? Ja, sagt GSAM: „Wir rechnen damit, dass 2019 aus drei wesentlichen Gründen bessere Chancen für Investoren bietet.“ Zunächst klare Worte zur Konjunktur: Weitergehende Expansion des globalen Wachstums und der Unternehmensgewinne. Wir gehen davon aus, schreibt Goldman Sachs, dass sich das Wachstum in den USA in diesem Jahr verlangsamen wird, während die konjunkturelle Abschwächung außerhalb der USA hinter uns liegt. Viele Schwellenländer sind am Beginn einer Erholungsphase und haben damit Luft nach oben. Die Unternehmensgewinne und Wertentwicklung von Risikoanlagen werden durch die anhaltende globale Wachstumsdynamik unterstützt.

Außerdem ganz allgemein: Die Messlatte für positive Überraschungen ist niedrig. Die Ausgangslage Anfang 2018 hätte kaum besser sein können. Daher waren die meisten Überraschungen eher negativ. Für 2019 ist das nicht der Fall. Die makroökonomischen Erwartungen und die Vermögenspreise haben sich deutlich nach unten korrigiert. Die Messlatte für positive Überraschungen, die die Wertentwicklung beflügeln könnte, liegt niedriger.

Und schließlich: Verglichen mit den makroökonomischen wie auch den unternehmensspezifischen Fundamentaldaten sind die im letzten Jahr deutlichen Bewertungsverschiebungen übertrieben. Den Investoren werden aber die Reife des Konjunkturzyklus, die Handelsspannungen und die populistische Politik wahrscheinlich auch 2019 Kopfzerbrechen bereiten. Deshalb: „Es ist unserer Ansicht nach jedoch zu früh, um sich für das Ende des Zyklus zu positionieren. Die Märkte haben diese Risiken bereits zu deutlich eingepreist. Wir halten es für verfrüht, Risikoanlagen zu verringern.“

Ich finde, wir leben in einem schwer einzuschätzenden Umfeld, aber es gibt ja unendliche viele Möglichkeiten der Kapitalanlage. Mein Vorschlag heute: Vielleicht kommt für viele von Ihnen eine Dreiteilung des verfügbaren Kapials in Frage. Die 3 hat ja sowieso was Magisches, taucht an allen Ecken und Enden auf. „Aller guten Dinge sind drei“ – Wo kommt das her? „Ding“ wurde von „Thing“ abgewandelt, einer germanischen Volks- und Gerichtsversammlung. Das Sprichwort nimmt Bezug auf die Bedeutung der Zahl 3 im germanischen/mittelalterlichen Rechtswesen. Dreimal im Jahr wurde das Gericht (Thing) gehalten. Ein Angeklagter musste dreimal geladen werden, ehe er dann in Abwesenheit verurteilt werden konnte. Meine 3 setzt sich aus 3 gängigen Anlageklassen zusammen: Aktien, Gold und Cash. Die müssen nicht unbedingt jeweils ein Drittel ausmachen – je nach Ihrem Geschmack. Aber so ist man an der Börse dabei, hat Edelmetall als Sicherheitselement und hält Liquidität für spätere Maßnahmen.

Machen Sie also weiter mit – und machen Sie’s gut!

Hermann Kutzer

Redaktion
Aktien-Ausblick

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Er will seine Erfahrung einbringen, und davon hat er jede Menge: Hermann Kutzer gilt als der dienstälteste journalistische „Börsendino“ in Deutschland. Schon seit 1969 beobachtet der bekennende...
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