Aroundtown: Mietpreissteigerung stimmt optimistisch

Mittwoch, 27.11.19 15:38
Des Mieters Leid, des Vermieters Freud: Der Gewerbeimmobilien-Konzern Aroundtown ist in den ersten neun Monaten dieses Jahres kräftig gewachsen und erhöhte im Rahmen der heutigen Zahlenvorlage gleichzeitig die Prognose. Die Nettomieteinnahmen kletterten im Jahresvergleich dank Zukäufen um 22 Prozent auf 555 Millionen Euro, wobei die wichtige Branchenkennzahl “Einnahmen auf gleicher Fläche” um 4,3 Prozent zulegte - aufgrund einer Bestandsmieten-Erhöhung von 2,4 Prozent. Der Konzerngewinn stieg um sechs Prozent auf fast 1,48 Milliarden Euro.

Aroundtown gab sich dementsprechend optimistisch und legte die Latte fürs Gesamtjahr höher: Weil die Mieteinnahmen mit über vier Prozent etwas stärker steigen dürften, als ursprünglich angenommen und die Leerstandsquote sinkt, peilen die Luxemburger eine Gewinnsteigerung an. Statt 490 Millionen Euro sollen nun nach 12 Monaten mehr als 500 Millionen Euro FFO zu Buche stehen. FFO (“Funds From Operations") sind eine wichtige Ergebnisgröße in der Immobilienbranche zur Beurteilung der operativen Geschäftsentwicklung - die sich bei Aroundtown durchaus sehen lassen kann...

Aroundtown in Kauflaune
Der im MDax gelistete Konzern hat sich auf Objekte in Deutschland und den Niederlanden spezialisiert und investiert in Gewerbeimmobilien mit guter Wertentwicklung. Ein Großteil von Aroundtowns Immobilienbestand befindet sich in Berlin, NRW, Frankfurt, München und weiteren, attraktiven Metropolen. Aroundtown ist zudem mit knapp 39 Prozent am Wohnimmobilien-Konzern Grand City Properties beteiligt, der aktuell vor allem in Nordrhein-Westfalen und Berlin rund 80.000 Wohnungen besitzt. Doch Aroundtown will weiter wachsen: Vor rund einer Woche gab das nur etwa 370 Mitarbeiter zählende Unternehmen ein Übernahmeangebot für TLG Immobilien ab. Ein ebenfalls auf Gewerbeflächen spezialisierter Konzern aus Berlin. Sollte die Fusion gelingen, würde der europaweit größte Anbieter von Bürohäusern entstehen. Ein insgesamt nur rund 500 Mitarbeiter zählender “Immoriese” mit neuem Firmennamen, einem israelischen Management und: einer reellen Chance auf den Einzug in den Deutschen Leitindex.

Mietboom und kein Ende?
Damit wäre das fusionierte Unternehmen nach Vonovia der zweite Immo-Konzern im Dax, was an und für sich schon Bände spricht. Frühere “Perlen” der Industrie- und Finanzwelt wie Thyssenkrupp oder die Commerzbank verließen 2019 den Deutschen Leitindex und machen Platz für junge Konzerne aus aufstrebenden Branchen. Doch gerade der Immobiliensektor gilt als höchst volatil: Im Fall einer Rezession wie zuletzt vor rund zehn Jahren würde gerade bei Gewerbeimmobilien die Leerstandsquote rapide ansteigen. Auch eine Zinserhöhung könnte für fremdfinanzierte Immobilien zur Belastungsprobe werden.

Deshalb: Lassen Sie bei Immo-Investments Vorsicht walten. Aufgrund der unklaren Marktentwicklung sowie der noch kurzen Kurshistorie von Aroundtown (seit 2015 an der Börse), ist der Luxemburger Konzern allenfalls als spekulative Depotbeimischung geeignet. Besser als Monopoly spielen ist dagegen eine solide Investition in langfristig erfolgreiche Champions-Aktien, die mit einer mindestens zehnjährigen, erfolgreichen Kurshistorie und besonders geringen Rücksetzern zur Finanzierung Ihrer eigenen Immobilien beitragen können…

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

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Miss boerse.de liest lieber Wirtschaftszeitungen als Illustrierte und kauft Amazon-Aktien statt neuer Schuhe. Unsere Autorin schreibt in ihrer Kolumne tagesaktuell über Ereignisse aus der...
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