Berkshire Hathaway - Quartalsergebnis unter der Lupe

Dienstag, 11.08.15 09:35
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

vergangenen Freitag veröffentlichte Berkshire Hathaway die Ergebnisse für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres. Die Investmentholding von Warren Buffett meldete einen Gewinn in Höhe von 4 Milliarden Dollar, das sind 37 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2014. Regelmäßige Leser des Aktien-Ausblicks wissen sicherlich, dass mein Mantra fürs erfolgreiche Investieren lautet: „Den erwirtschafteten Gewinnen folgen langfristig stets auch die Kurse“. Profitrückgänge im hohen zweistelligen Bereich müssen daher jeden Anleger aufhorchen lassen. Allerdings gibt es bei Berkshire Hathaway keinen Grund zur Besorgnis.

Rechnungslegungsvorschriften verschleiern Blick auf Ertragskraft

Die Buffett-Holding lässt sich grob in zwei Sparten aufteilen:
- das operative Geschäft mit mehr als 80 Tochterfirmen und
- Investments (also Unternehmensbeteiligungen in Form von Aktien) sowie Derivate.

Ein großer Teil des Profitrückgangs wurde durch das Ergebnis im zweiten Bereich verursacht. Die Nettogewinne beliefen sich hier auf nur 123 Millionen Dollar im Vergleich zu 2 Milliarden Dollar im zweiten Quartal 2014. Damals hatte Berkshire Hathaway allerdings auch seinen Anteil an der Washington Post abgestoßen - das bereits vorhandene Vermögen wurde so nur rechnungslegungstechnisch sichtbar. Die Vorschriften verschleiern hier den Blick auf echte Wertsteigerungen. Zur Beurteilung der Ertragsstärke (also letztlich dem langfristigen Potenzial zur Kurssteigerung) muss ein Blick auf das operative Geschäft geworfen werden.



Fast alle operativen Bereiche mit Zuwächsen

Die Tochterunternehmen von Berkshire Hathaway lassen sich in fünf Kategorien einteilen: Eisenbahnen, Energie, Industrie- und Handel, Finanzprodukte und Versicherungen.

Burlington Northern Santa Fe (BNSF) betreibt eines der größten Schienennetze in Nordamerika und bedient dabei 28 US-Staaten und zwei kanadischen Provinzen. Im abgelaufenen Quartal spülte die Eisenbahntochter 963 Millionen Dollar Gewinn in die Kassen, das sind 5,1 Prozent mehr als von April bis Juni 2014. BNSF gelang es dabei, trotz eines gesunkenen Transportvolumens die Profitabilität des Geschäftes zu erhöhen.

Der Energiebereich verbesserte sich um 33,8 Prozent auf 502 Millionen Dollar. Der hohe Zuwachs lässt sich vornehmlich durch AltaLink erklären, einem kanadischen Stromnetzbetreiber, welcher Mitte 2014 erworben wurde.

Der Profit der Industrie- und Handelsunternehmen des Konglomerats fiel mit 1.309 Millionen Dollar um 3,5 Prozent ebenfalls höher aus. Diese Kategorie besteht aus einem Sammelsurium diverser Firmen, von denen viele dominante Marktstellungen innehaben oder über bekannte Marken verfügen.

Die Finanzierungs- und Leasingsparte von Berkshire Hathaway legte von 280 auf 370 Millionen Dollar zu. In diesen Bereich fällt unter anderem der größte Fertighaushersteller in den USA, Clayton Holmes.

Lediglich das Versicherungsgeschäft schwächelte. Die Sparte erwirtschafte einen Gewinn von 939 Millionen Dollar und damit 39 Prozent weniger als im Vorjahr. Verursacht wurde der Rückgang vornehmlich durch einen im Vergleich deutlich geringeren versicherungstechnischen Gewinn (der Differenz zwischen eingenommenen Prämien und Forderungen bei Schadensfällen) beim Autoversicherer Geico und einem versicherungstechnischen Verlust im Rückversicherungsgeschäft. Im zweiten Jahresviertel wurden außerdem innerhalb der Sparte etwas weniger Dividenden und Zinsen vereinnahmt als im gleichen Zeitraum 2014.

Weiterer Milliarden-Deal in Sichtweite

In der Summe ergibt sich eine Erhöhung des Buchwertes von 244,8 auf 249,2 Milliarden Dollar. Die Differenz von 4,4 Milliarden Dollar repräsentiert in etwa den Wert, der für die Aktionäre im vergangenen Quartal geschaffen wurde. Komfortable 60,4 Milliarden entfallen übrigens auf Barbestände. Die „Kriegskasse“ ist somit prall gefüllt und lässt Spielraum für Großübernahmen wie den geplanten Kauf des Gießereiunternehmens Precision Castparts für 37,2 Milliarden Dollar. Dies könnte der größte Deal von Warren Buffett werden.

Fazit: Berkshire Hathaway halte ich weiterhin für eines der sichersten Investments weltweit. Die Aktie bleibt mein Favorit unter den Champions im boerse.de-Aktienbrief.

Mit bester Empfehlung 


Katja Zacharias
Redakteurin
Aktien-Ausblick
© 1994-2019 by boerse.de - Quelle für Kurse und Daten: ARIVA.DE AG - boerse.de übernimmt keine Gewähr