Vor einigen Monaten schrieb ich zu Fielmann: „Das
Unternehmen kämpft mit einer rückläufigen Branche. Auf
Dauer wird aber der Marktführer – und das ist Fielmann
– vom Kampf in der Branche profitieren.“ Seitdem ist
die Aktie um weitere 15% gestiegen. Wie sieht das
Zukunftspotenzial aus?
1972 eröffnete der Augenoptiker Günter Fielmann sein
erstes Geschäft. 1981 machte Fielmann seine ersten
Verträge mit Krankenkassen mit dem Thema „Brille zum
Nulltarif“. Mit dieser Geschäftsidee rollte Fielmann
die ganze Branche auf. Das zersplitterte und
handwerklich geprägte Augenoptiker-Gewerbe sah sich
auf einmal einem professionellen Unternehmen
gegenüber, das aufgrund besserer Organisation rasch
expandieren und damit Größenvorteile nutzen konnte.
Bis heute zeichnet sich Fielmann durch innovatives
Marketing aus. 1984 kam die „Geld-zurück-Garantie“.
Derzeit betreibt Fielmann 521 Niederlassungen. Seit
einigen Jahren ist man auch in der Schweiz, Österreich
und den Niederlanden aktiv. Hier könnte ein
europäischer Marktführer entstehen.
Das Image als qualitativ hochwertiger Billiganbieter
zieht viele Menschen in die Fielmann-Läden. Dabei hat
das Unternehmen durchaus Preisspielraum: viele Brillen
sind durchaus teurer als die Kassenbrillen.
Ungefähr siebzig Prozent des 1994 an die Börse
gegangenen Unternehmens befinden sich noch im
Familienbesitz. Zwischenzeitlich fiel der Unternehmer
Fielmann durch etwas anderes auf: seinen Bio-Bauerhof.
Viele kreative Unternehmer sind irgendwann nicht mehr
mit einer Idee zufrieden. Zumeist erweisen sich die
weiteren Ideen aber als Flop. Die wirklich Großen
konzentrieren sich auf eine Sache: Sam Walton (Wal
Mart), Bill Gates (Microsoft). Es gibt auch Ausnahmen:
Steve Jobs hat es geschafft, mit Apple und Pixar
wirklich zwei unabhängige hervorragende Unternehmen zu
gründen. Der Fielmann-Bio-Bauerhof war aber wohl doch
mehr ein Hobby.
Bis heute scheint die Fielmann AG nichts von ihrer
Dynamik und Marketing-Energie verloren zu haben. Mit 5
% aller deutschen Optikgeschäfte erwirtschaftete
Fielmann 2003 einen Brillenumsatz-Marktanteil von 27 %
und einen Stückzahlmarktanteil von 50 % und ist dabei
profitabel. Das zeigt, dass der Marktführer sein
Geschäft versteht. Während der durchschnittliche
deutsche Augenoptiker pro Mitarbeiter weniger als 1,2
Brillen am Tag verkauft, gibt Fielmann 5 Brillen pro
Mitarbeiter am Tag ab. Damit hat Fielmann eine
deutlich und dauerhaft bessere Kostenstruktur als die
Wettbewerber.
2003 erwirtschaftete Fielmann einen Umsatz von 1,01
Milliarden Euro. 2004 ging der Umsatz allerdings
aufgrund der Gesundheitsreform zurück. Der
Durchschnittsumsatz einer Fielmann-Niederlassung liegt
bei 2 Millionen Euro, der der Fielmann-Supercenter bei
5,7 Millionen Euro. Ein traditioneller Optiker
erwirtschaftet pro Geschäft durchschnittlich einen
Umsatz von 0,3 Millionen Euro. 2003 verkaufte die
Fielmann AG über 6,4 Millionen Brillen. Das war eine
Steigerung von 27,8 %, während die Branche nur 15 %
schaffte.
Finanzzahlen und Königstest
Insgesamt erreicht Fielmann im Königstest
hervorragende 69 Punkte. Insbesondere die wichtigen
Marktkriterien überzeugen mich, aber auch die
Finanzzahlen sind sehr solide.
Eine Bruttomarge von 31% und eine Nettomarge von 5%
sind für den Handel außergewöhnlich gut. Das
Gewinnwachstum ist mit durchschnittlich 5-6% nicht
berauschend, aber in dieser harten Branche, in der
viele andere Verluste machen, dennoch solide und
beachtlich.
25% der Gewinne werden durchschnittlich einbehalten,
die Rendite der einbehaltenen Gewinne beträgt 5%. Die
Sachinvestitionen betragen durchschnittlich 25% vom
operativen Cashflow: das Unternehmen kann also viel
Geld an seine Aktionäre zurückgeben. Mit einer
Eigenkapitalquote von 70% und einer
Eigenkapitalrendite von 17% steht das Unternehmen sehr
gut da.
Trotz fairer Bewertung ist Fielmann eine Überlegung
wert
Fielmann ist jetzt an der Börse 1,1 Mrd. € wert, das
ist ziemlich genau so viel wie die Douglas Holding und
etwas mehr als Bijou Brigitte (ca. 1 Mrd. €).
Ich schätze für die nächsten Jahre ein Umsatzwachstum
von 8%, abnehmend auf 6%. Das KGV in 10 Jahren sehe
ich bei 13, die EK-Rendite hält sich in unserer
Schätzung bei 17%, die einbehaltenen Gewinne liegen
bei 30%.
Aus diesen Schätzungen ergibt sich ein Innerer Wert
der Aktie von 58,6 €. Mit einem Kurs von 57 € ist
Fielmann fair bewertet. Denken Sie aber daran, dass
„fair bewertet“ heißt, dass das Unternehmen zumindest
seine Kapitalkosten für den Aktionär, also ca. 5,3%
p.a. erwirtschaftet. Bei Fielmann gefällt mir die
hervorragende Marktposition und die starke Stellung im
Wettbewerb außerordentlich gut. Dies führt meines
Erachtens zu einer sehr großen Sicherheit des
Investments. Zur Geldanlage in Staatsanleihen ist
Fielmann allemal eine Alternative.
Auf gute Investments,
Ihr
Prof. Dr. Max Otte
www.privatinvestor.de