Dax-Schlusslicht Bayer: Was der Rückschlag im Glyphosat-Prozess für Anleger bedeutet

Mittwoch, 20.03.19 11:15
Die Bayer-Aktie erlitt heute mit -4 Prozent zu Handelsbeginn einen derben Rückschlag. Anleger reagierten entsetzt auf die Niederlage der Bayer-Tochter Monsanto im laufenden Glyphosat-Prozess, der als richtungsweisender Präzedenzfall eingestuft wird und - wie so oft in den USA - ein kostspieliges Massenverfahren nach sich ziehen könnte. Dieses soll Streitparteien dabei helfen, das Ausmaß von Schäden und die Höhe denkbarer Vergleichszahlungen besser abschätzen zu können.

Welche Kostenlawine aufgrund der Schadenersatzforderungen noch auf Bayer zurollt, lässt sich momentan kaum absehen. Bis Ende Januar wurden Monsanto in den USA Glyphosat-Klagen von etwa 11.200 betroffenen Landwirten, Gärtnern und Verbrauchern zugestellt. In Anbetracht der Tatsache, dass ein einziger Krebspatient, der den Agrarchemiekonzern 2018 verklagt hatte, vom Gericht bereits 78 Millionen Dollar Schmerzensgeld zugesprochen bekam, lässt sich die mögliche Dimension einer Massenklage nur erahnen.

Das Unkrautvernichtungsmittel: Roundup
Aktuell beschäftigt uns allerdings der Fall des an Lymphdrüsenkrebs erkrankten Klägers Edwin Hardeman. Ein Geschworenengericht in San Francisco befand gestern einstimmig darüber, dass das Unkrautvernichtungsmittel mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat einen “erheblichen Faktor" bei der Entstehung der Krebserkrankung des Klägers ausgemacht habe. Wäre die Jury dagegen zu dem Schluss gekommen, dass das Roundup nicht für Hardemans Erkrankung verantwortlich ist, so wäre Monsanto die zweite, bereits heute startende Prozess-Runde erspart geblieben.

Diese beschäftigt sich jetzt mit der Frage, ob Monsanto Wissenschaftler, Behörden und die Öffentlichkeit über Glyphosat-Risiken hinweg getäuscht hat und wie hoch mögliche Schadensersatzzahlungen ausfallen könnten. Bayer gibt sich trotz der sich zuspitzenden Situation zuversichtlich, "dass die Beweise in der zweiten Phase des Prozesses zeigen werden, dass Monsantos Verhalten angemessen war und das Unternehmen nicht für die Krebserkrankung von Herrn Hardeman haftbar gemacht werden sollte". Auch ist man "weiterhin fest davon überzeugt, dass die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen, dass glyphosatbasierte Herbizide keinen Krebs verursachen", hieß es in einer Stellungnahme.

Science for a better life?
Ob Glyphosat tatsächlich krebserregend ist, gilt als wissenschaftlich umstritten. Während die WHO (Weltgesundheitsorganisation) Monsantos Chemiekeule 2015 als “wahrscheinlich krebserregend” eingestuft hat, kommen andere, teils umstrittene, Studien zu dem Schluss, dass Glyphosat unschädlich ist. Wie das Blatt sich wendet, ist momentan noch nicht abzusehen. Dass Bayer allerdings umfangreiche, “präventive” Rücklagen schafft, um Schadensersatzansprüche abzufedern, spricht Bände: Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten stiegen im vergangenen Jahr um rund 660 Millionen Euro. “Wir stellen hier im Wesentlichen für drei Jahre Verteidigungskosten zurück”, erklärte Finanzchef Wolfgang Nickl während einer Bilanzpressekonferenz Ende Februar. Ob das reichen wird?
 
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