Die teuerste Entscheidung an der Börse ist oft Nichtstun

Dienstag, 09.06.26 08:17

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

kaum ein Satz ist unter Anlegern so verbreitet wie „Ich warte noch etwas ab.“ Schließlich scheint es immer einen guten Grund zu geben, Börsen-Investments zurückzustellen. Einmal stehen die Kurse auf Rekordhoch, während die Wirtschaft schwächelt. Dann wiederum ist die geopolitische Lage zu unsicher, die Zinsen könnten steigen oder fallen. Und vielleicht steht ja bald die nächste Korrektur bevor. Die Folge:

Viele Menschen verbringen Jahre damit, auf den vermeintlich perfekten Einstiegszeitpunkt zu warten. Doch genau dieses Abwarten kann langfristig deutlich teurer werden als so mancher Fehlkauf.

Die Angst vor dem falschen Zeitpunkt

Wer Geld investiert, möchte verständlicherweise vermeiden, direkt vor einem Kursrückgang einzusteigen. Deshalb werden Käufe immer wieder verschoben. Heute erscheint die Börse zu teuer, morgen vielleicht zu riskant und übermorgen wird auf eine günstigere Gelegenheit gehofft. Das Problem dabei:

Die Börse kennt keinen perfekten Einstiegszeitpunkt. Selbst die erfahrensten Profis können nicht zuverlässig vorhersagen, wann die nächste Korrektur beginnt oder wann der optimale Kaufzeitpunkt erreicht ist. Doch während Anleger auf den idealen Moment warten, läuft die Zeit weiter – und mit ihr entgehen oft wertvolle Renditechancen. Die Crux dabei:

Die eigentliche Gefahr sitzt auf dem Konto

Viele Anleger betrachten zwischenzeitliche Kursschwankungen als größtes Risiko. Dabei wird häufig übersehen, dass gerade das Nichtstun seinen Preis hat. Denn wer sein Geld über Jahre hinweg unverzinst oder niedrig verzinst auf dem Konto liegen lässt, verliert mit Sicherheit schleichend Kaufkraft. Doch gerade langfristig ist Zeit einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren beim Vermögensaufbau. Denn:

An der Börse wirkt mit zunehmendem Zeithorizont eine Kraft, die oft unterschätzt wird. Dabei handelt es sich um den Zinseszinseffekt, den Albert Einstein einst als „achtes Weltwunder“ bezeichnet haben soll. Ob diese Zuschreibung tatsächlich von ihm stammt, ist zwar umstritten – die Wirkung des Zinseszinses dagegen nicht. Ein einfaches Beispiel verdeutlicht den Unterschied:

Zeit schlägt Timing

Wie Sie in unserem Leitfaden für Ihr Vermögen nachlesen können, gewinnen die Aktienmärkte im langfristigen Schnitt rund 9% pro Jahr. Damit werden aus einem einmaligen Anlagebetrag von 10.000 Euro nach 20 Jahren rund 56.000 Euro. Nach 30 Jahren sind daraus bereits mehr als 132.000 Euro geworden. Wer dagegen zehn Jahre mit dem Einstieg wartet, verliert nicht nur diese zehn Jahre Rendite. Er verliert vor allem zehn Jahre Zinseszinseffekt. Rechnen wir:

Wenn ein Anlagebetrag auf einem Sparkonto mit einer Verzinsung von nur 2% liegen gelassen wird, dann werden daraus nach zehn Jahren 12.190 Euro. Wird dieses Kapital erst nach diesen zehn Jahren an der Börse investiert, dann beträgt das Endkapital nach insgesamt 20 Jahren 28.900 Euro, nach 30 Jahren 68.400 Euro. Das ist gerade einmal die Hälfte von dem, was bei einem sofortigen Börsen-Investment herausgekommen wäre. Das heißt:

Aus einer vermeintlich kleinen Verzögerung kann also ein erheblicher Unterschied beim späteren Vermögen entstehen. Zudem besteht die Gefahr, dass Börseninvestments noch weiter hinausgezögert oder gar nicht getätigt werden. Und dann wird richtig viel Geld verschenkt. Aus einem Einmalinvestment von 10.000 Euro werden bei einer Sparbuchverzinsung von 2% pro Jahr nach 30 Jahren nur rund 18.000 Euro, während an der Börse mit einer Durchschnittsrendite von 9% p.a. ein Vielfaches davon (132.000 Euro) möglich gewesen wäre. Deshalb gilt an der Börse ein alter, aber wichtiger Grundsatz:

Nicht das perfekte Timing entscheidet über den Anlageerfolg, sondern die Zeit, die das Kapital investiert bleibt. Ein Blick auf die Geschichte der Aktienmärkte zeigt:

Die Börse belohnt Geduld

Krisen, Rückschläge und Kurseinbrüche gehören zum Börsenalltag. Gleichzeitig haben sich die großen Aktienmärkte über Jahrzehnte hinweg immer wieder von sämtlichen Rücksetzern erholt, um dann wieder auf neue Höchststände zu klettern. Wer also ausschließlich auf den perfekten Einstiegszeitpunkt wartet, läuft Gefahr, diese langfristige Entwicklung zu verpassen.

Natürlich bedeutet das nicht, dass Anleger ihr gesamtes Vermögen auf einmal investieren müssen. Regelmäßige Sparpläne z.B. mit den intelligenten boerse.de-Fonds oder schrittweise Investitionen in die Champions aus dem boerse.de-Aktienbrief können helfen, das Timing-Risiko zu reduzieren und gleichzeitig sofort von den Chancen der Kapitalmärkte zu profitieren.

Perfektion ist kein Anlagekonzept

Viele erfolgreiche Anleger haben eines gemeinsam: Sie investieren nicht deshalb erfolgreich, weil sie jeden Hoch- und Tiefpunkt vorhersagen können. Sie investieren erfolgreich, weil sie überhaupt investiert sind.

Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, sollte sich deshalb weniger fragen, ob heute der ideale Zeitpunkt ist. Die wichtigere Frage lautet: Wann soll das Geld für mich zu arbeiten beginnen – heute oder irgendwann später? Denn die teuerste Entscheidung an der Börse ist häufig nicht der falsche Kauf. Es ist die Entscheidung, gar nicht zu investieren.

Wie Anleger die häufigsten Denkfehler vermeiden und mit einer klaren Strategie und Quality-Investments langfristig an der Börse Vermögen aufbauen können, lesen Sie in unserem Leitfaden für Ihr Vermögen, den wir Ihnen gerne kostenlos zusenden.

Mit den besten Empfehlungen

Ihr

Thomas Driendl
Börsenverlag-Redaktion

Alle Kolumnen von Thomas Driendl erhalten Sie ganz bequem im Newsletter boerse.de-Aktien-Ausblick, Deutschlands großem Börsen-Newsletter mit mehr als 100.000 Lesern. Hier kostenfrei anfordern…



Thomas Driendl gehört zum Team des Aktien-Ausblicks, Deutschlands großem Börsen-Newsletter mit mehr als 150.000 Lesern. Der Aktien-Ausblick informiert von Montag bis Samstag über...

Unsere Mission