Die übliche Investorenunsicherheit

Montag, 13.09.21 09:18

Ob Börsen nun „lange“ oder „kurze Beine“ haben, hängt aus Anlegersicht meist mit der gesamtwirtschaftlichen Lage im Lande zusammen. Da die Kursentwicklungen an den Aktienbörsen die wirtschaftliche Zukunft in der Regel um sechs Monate vorwegnehmen, ist in der Gegenwart häufig nicht richtig erkennbar, warum sich die Aktienkurse auf- oder abwärts entwickeln. Jedoch liefern politische Ereignisse meist nur vermeintliche Gründe für Börsenentwicklungen, da deren tatsächlicher Einfluss auf Konjunktur und Finanzmärkte noch schwerer einschätzbar ist als der von wirtschaftlichen Ereignissen.

Dass politische Börsen kurze Beine haben, gehört wohl zu den ältesten Börsenweisheiten. Mittlerweile klingt es eher wie eine Durchhalteparole, die von den Anlegerinnen und Anlegern zur Kenntnis genommen wird; viel mehr aber auch nicht. Die Renditenot wird immer größer. Angesichts der aktuellen Zinsen und der steigenden Inflationsraten scheint es keine Alternative zum Kapitalmarkt zu geben.

Im Zuge der politischen Konflikte der zurückliegenden Jahre kamen bei einigen Aktienanlegerinnen und -anlegern dennoch immer wieder Zweifel auf, ob es in einem derart politisch instabilen Umfeld überhaupt sinnvoll ist, Wertpapiere zu halten oder gar zu kaufen. Da sich schlechte Nachrichten medial besser vermarkten lassen als gute, befeuern viele Medien diese Zweifel. Und wer Medien konsumiert, bekommt immer häufiger den Eindruck, dass auf eine Reihe politischer Ereignisse oder Konflikte massive wirtschaftliche Verwerfungen mehr oder weniger zwangsläufig folgen, die die Welt letztlich an den Abgrund führen werden.

Tatsächlich aber nahm, von einigen Ausnahmen abgesehen, die Schwankungsintensität an den Aktienmärkten nicht zu, sondern ab. So verzeichneten es sogenannte Volatilitätsindizes, die die Schwankungsintensität an den Aktienmärkten messen.

Unter dem Strich ist eher davon auszugehen, dass sich Aktienmärkte letztlich stark an Erwartungen zu Unternehmensgewinnen, an zu erwartenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie an der zu erwartenden langfristigen Substanzstärke von Unternehmen orientieren. Deshalb steigen Aktienmärkte auch nicht wegen, sondern trotz brisanter politischer Ereignisse an.

Lars Brandau ist seit Gründung des Deutschen Derivate Verbands (DDV) Geschäftsführer und vertritt den DDV auch in den Arbeitsgruppen des europäischen Dachverbands EUSIPA. Der...
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