An deutschen Zapfsäulen wurde in diesem September gleich zweimal Geschichte geschrieben: Erst kletterte Super E10 auf ein neues Allzeithoch, kurz darauf zog Diesel nach und übertraf den bisherigen Rekord aus dem April. Während Autofahrer über die hohen Kosten klagen, stellt sich für Anleger eine andere Frage: Profitieren die großen Ölkonzerne wie BP und Shell tatsächlich von den geopolitischen Krisen, die zu hohen Treibstoffpreisen führen, und lohnt sich ein genauerer Blick auf die entsprechenden Aktien?
Ausgangspunkt der aktuellen Rekordjagd ist der seit Ende Februar 2026 andauernde Krieg im Nahen Osten, der die Rohölpreise merklich anschob und seither für erhöhte Nervosität an den Energiemärkten sorgt. Hinzu kommen strukturelle Faktoren: Der Staat vereinnahmt laut ADAC weit über die Hälfte jedes Literpreises über die Energiesteuer und CO2-Bepreisung. Besonders Diesel reagiert empfindlich auf Preissteigerungen. Denn der Kraftstoff spielt neben dem Straßenverkehr auch in der Industrie und als Ersatz für Erdgas eine wichtige Rolle. Die Bundesregierung hat als Reaktion u.a. einen Tankrabatt in Form einer Energiesteuersenkung von rund 14 Cent je Liter angekündigt, der von Oktober bis Ende Dezember greifen soll.
Bei den großen Ölkonzernen sorgt der Nahostkonflikt derzeit für zusätzlichen Rückenwind. Höhere Öl- und Gaspreise sowie das starke Raffinerie- und Handelsgeschäft können mögliche Belastungen durch Lieferunterbrechungen und Produktionsausfälle mehr als ausgleichen. Shell profitierte zuletzt von diesem Umfeld: Bereits im ersten Quartal 2026 sorgten eine Raffinerieauslastung von 99% und deutlich höhere Erträge aus dem Handelsgeschäft für spürbare Impulse. BP wiederum vollzieht parallel eine strategische Kehrtwende: Nach Jahren des Umbaus in Richtung erneuerbarer Energien konzentriert sich der Konzern wieder stärker auf das klassische Öl- und Gasgeschäft, hat Milliardenabschreibungen vorgenommen und will jährlich rund zehn Milliarden Dollar in Fördermengen mit höheren Margen investieren.
So nachvollziehbar die aktuelle Ertragsstärke ist, so sehr bleibt sie an die Launen des Energiemarkts gekoppelt. Beide Konzerne haben in ihrer jüngeren Geschichte bereits erlebt, wie schnell sich das Bild drehen kann: Milliardenabschreibungen, halbierte Dividenden und mehrfache Strategiewechsel zwischen Energiewende und Rückbesinnung auf das Kerngeschäft prägen die vergangenen Jahre ebenso wie die aktuellen Rekordquartale.
Auch mit Blick auf die langfristigen boerse.de-Performance-Kennzahlen zeigt sich bei BP und Shell ein konjunkturabhängiges Bild. BP bringt es auf eine geoPAK10 von 1%, eine Gewinn-Konstanz von 48% und eine Verlust-Ratio von 2,96. Shell (geoPAK10 von 5%, Gewinn-Konstanz 73%, Verlust-Ratio 2,02) schneidet bei den ersten zwei Kennzahlen zwar besser ab, bringt es aber wie BP nur auf ein boerse.de-Aktien-Rating von B (= Depotbremser).
Langfristig bleibt die Gesamtentwicklung der Öl-Multis stark von Rohstoffpreisen, der Konjunktur und geopolitischen Entwicklungen abhängig. Für Anleger stellt sich deshalb die Frage, ob mögliche kurzfristige Gewinne oder ein langfristiger Vermögensaufbau über viele Jahre im Vordergrund stehen.
Wenn Sie Ihr Depot auf Unternehmen mit einer langfristig überdurchschnittlichen Anlagequalität ausrichten möchten, dann sollten Sie einen Blick auf die insgesamt 100 Champions-Aktien werfen, zu denen übrigens kein Ölkonzern zählt. In der aktuellen, kostenlosen boerse.de-Aktienbrief-Ausgabe (hier downloaden) erfahren Sie, nach welchen Kriterien Champions ausgewählt werden – und welche konkreten Titel momentan einen Kauf wert sein könnten.
Auf gute Investments!
Ihr
Markus Schmidhuber
Content-Manager
Alle Kolumnen erhalten Sie ganz bequem im Newsletter boerse.de-Aktien-Ausblick, Deutschlands großem Börsen-Newsletter mit mehr als 100.000 Lesern. Hier kostenfrei anfordern ...