Eli Lilly, Siemens & Parker-Hannifin: Warum Börsen-Champions mit Geschichte junge Branchenteilnehmer schlagen können

Freitag, 31.07.26 15:25

An der Börse übt das Neue einen besonderen Reiz aus. Junge Unternehmen mit disruptiven Geschäftsmodellen ziehen Anleger oft mit hohen Wachstumserwartungen und großen Zukunftsvisionen an. Doch ein Blick auf die Börsengeschichte zeigt: Nachhaltige Vermögensbildung entsteht häufig bei Unternehmen, die mehrere Krisenzyklen erfolgreich gemeistert haben. Drei Champions-Beispiele zeigen eindrucksvoll, warum Tradition an der Börse ein unterschätzter Wettbewerbsvorteil sein kann: der Pharmakonzern Eli Lilly, der Technologiekonzern Siemens und der Industriespezialist Parker-Hannifin.

Tradition als Fundament: Was Champions von Newcomern unterscheidet

Alle drei Champions blicken auf eine Firmengeschichte zurück, die teils bis ins 19. Jahrhundert reicht. Eli Lilly wurde 1876 gegründet, Siemens 1847, Parker-Hannifin 1917. Sie haben Weltkriege, Ölkrisen, die Dotcom-Blase und die Finanzkrise 2008 überstanden – und ihre Geschäftsmodelle immer wieder an neue Rahmenbedingungen angepasst. Die aktuelle geoPAK10 (durchschnittliche Zehn-Jahres-Rendite) gibt für alle drei ein stimmiges Bild dieser Beständigkeit: Eli Lilly kommt auf 31%, Parker-Hannifin auf 21% und Siemens auf 10%.

Was diese drei Unternehmen eint, ist weniger die Branche als ihr Erfolgsrezept, u.a. basierend auf einer über Jahrzehnte gewachsenen Marktposition, breiten Diversifikation und einer Mentalität, die Krisen als Anlass für strategische Anpassung nutzt. Eli Lilly hat sich so vom klassischen Pharmakonzern zu einem führenden Unternehmen im Bereich Diabetes- und Adipositas-Therapien entwickelt. Siemens ist von einem Elektrokonzern zu einem Industrie- und Digitalisierungskonzern gewachsen, und Parker-Hannifin hat sein Antriebs- und Steuerungsgeschäft konsequent auf Zukunftsfelder wie die Luft- und Raumfahrt sowie Elektrifizierung ausgerichtet.

Warum junge Herausforderer selten den langfristigen Vorsprung aufholen

Wie groß der Unterschied zu jungen Herausforderern ausfallen kann, zeigt der Blick auf drei branchenverwandte Newcomer.

Eli Lilly zählt zu den forschungsstärksten Pharmakonzernen im Bereich Diabetes- und Adipositas-Therapien – ein Segment, in dem in den vergangenen Jahren auch etliche kleinere Biotech-Firmen mit ähnlichen Versprechen Erfolge feiern wollten. Altimmune ist ein Beispiel dafür und steht exemplarisch für viele jüngere Biotech-Unternehmen, die mit innovativen Wirkstoffkandidaten große Märkte adressieren. Der entscheidende Unterschied: Während Eli Lilly bereits über zugelassene Medikamente, globale Vertriebsstrukturen und Milliardenumsätze verfügt, hat Altimmune bislang kein zugelassenes Produkt am Markt. Zudem schreibt das Unternehmen Verluste und auch die geoPAK10 ist mit -32% tiefrot.

Siemens hat sich in den vergangenen Jahren konsequent zu einem Software- und Digitalisierungskonzern weiterentwickelt und positioniert sich damit auch im Bereich datengetriebener Industrielösungen und künstlicher Intelligenz. Genau in diesem Umfeld versuchte sich der KI-Softwareanbieter C3.ai zu etablieren, mit dem Versprechen, Unternehmen und Behörden mittels KI-Plattformen bei komplexen Analysen zu unterstützen. Seit seinem Allzeithoch kurz nach dem Börsengang Ende 2020 hat die C3.ai-Aktie jedoch bis dato mehr als 95 Prozent an Wert verloren, begleitet von schrumpfenden Umsätzen, anhaltenden Verlusten und mehrfachen Führungswechseln.

Parker-Hannifin wiederum hat sein traditionelles Antriebs- und Steuerungsgeschäft gezielt auf Zukunftsfelder wie Luft- und Raumfahrt ausgerichtet und zählt heute zu den etablierten Zulieferern dieser Branche. Auch im jüngeren Raumfahrtsegment gab es ambitionierte Newcomer mit ähnlichem Anspruch, etwa das Start-up Virgin Orbit, das kommerzielle Satellitenstarts anbot. Nach einem fehlgeschlagenen Raketenstart Anfang 2023 ging dem Unternehmen jedoch das Geld aus, es meldete Insolvenz an, und die Aktie verlor praktisch ihren gesamten Wert.

Diese drei Beispiele stehen nicht für Ausnahmefälle, sondern für ein wiederkehrendes Muster: Junge Unternehmen ohne belastbaren Track Record über mehrere Konjunkturzyklen hinweg tragen oft ein höheres Risiko, dass ein einzelner Rückschlag zur Existenzfrage wird. Das bedeutet nicht, dass Newcomer grundsätzlich chancenlos sind. Für den Aufbau eines langfristig ausgerichteten Depots bilden jedoch gerade jene Unternehmen mit langfristig erfolgreichen Geschäftsmodellen und einer guten Portion Innovationskraft das solideste Fundament.

Genau diesem Gedanken folgt auch die Philosophie hinter den insgesamt 100 Champions-Aktien aus dem boerse.de-Aktienbrief: Unternehmen mit einer mindestens zehnjährigen Börsenhistorie, hoher Gewinn-Konstanz, geringer Verlust-Ratio und einer überzeugenden geoPAK10 bilden dort das Kernstück einer langfristig orientierten Anlagestrategie.

Auf traditionsreiche Investments!

Ihre

Sabine Lembert

PS: Wenn Sie mehr über unsere 100 Champions erfahren möchten, sind herzlichen eingeladen, die aktuelle boerse.de-Aktienbrief-Ausgabe kostenlos zu lesen.



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