Gesunder Menschenverstand hat noch niemandem geschadet

Montag, 22.03.21 09:07

Der Verdacht, dass die Impfung von AstraZeneca das Risiko eines seltenen Blutgerinnsels erhöhen könnte, führt derzeit zu einer geradezu beispielhaften Debatte in Deutschland: Die Frage, ob die Chance, mithilfe der Impfungen Tausende Leben zu retten, genutzt oder doch besser das Risiko sehr weniger Thrombosefälle unterbunden werden sollte, wird heftig diskutiert.

Worum es in der Impfdebatte geht, ist oft auch ein Thema beim Nachdenken über die Finanzanlage. Wer erfolgreich sein will, muss Chancen abwägen und Risiken kalkuliert eingehen. Dafür ist ein funktionierendes Risikomanagement für jeden Anleger unverzichtbar. Risiken im Depot müssen frühzeitig erkannt und richtig bewertet werden.

Allerdings unterscheiden sich Privatanleger in Deutschland in ihrer Risikoneigung erheblich. Das wissen auch die Emittenten und stellen ihre Angebotspaletten entsprechend breit auf. Nun beobachten wir derzeit einen anhaltenden Höhenflug an den Märkten. Dennoch dominiert bei den meisten Privatinvestoren weiterhin Skepsis in Bezug auf die weitere Marktentwicklung. Das zeigt sich auch bei der Anzahl von Investitionen in Produkte, die einen Risikoschutz beinhalten.

In Zeiten, in denen die Marktentwicklungen extrem unsicher sind, begeben sich viele Anleger auf die Suche nach Sicherheit. Sie investieren beispielsweise in Kapitalschutzprodukte, in Staatsanleihen mit hoher Bonität oder ziehen sich sogar ganz aus den Märkten zurück. Für andere Anlegertypen allerdings stehen gerade bei hoher Unsicherheit die Chancen im Vordergrund. Bei schwankungsreichen Kursbewegungen investieren sie beispielsweise in zwar sehr risikoreiche Hebelprodukte, die bei zutreffender Erwartung jedoch überdurchschnittlich hohe Renditen ermöglichen.

Diversifikation und Teilschutz-Produkte – so lässt sich im Grunde die Formel für ein nachhaltig erfolgreiches Depot kurz zusammenfassen. Für welches Produkt sich ein privater Anleger letztlich entscheidet, hängt vor allem von der individuellen Risikoneigung ab. Absolute Sicherheit ist selten die beste Lösung, denn gerade in der aktuellen Nullzinsphase könnten sehr viele Anleger mit strukturierten Wertpapieren bei geringem Risiko weit bessere Renditen erzielen, als sie es derzeit tun.

Wichtig ist die Erkenntnis, dass das Abwägen von Chancen und Risiken einfach in jeder Lebenslage dazugehört.

Lars Brandau ist seit Gründung des Deutschen Derivate Verbands (DDV) Geschäftsführer und vertritt den DDV auch in den Arbeitsgruppen des europäischen Dachverbands EUSIPA. Der...


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