Ist Buy and Hold noch zeitgemäß?

Dienstag, 07.04.26 17:02

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

wenn es um die Buy-and-Hold-Strategie geht, wird häufig die Börsenlegende André Kostolany zitiert: „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“

So eingängig diese Aussage ist, so offen lässt sie die entscheidenden Fragen. Ein konkreter Zeitraum wird nicht genannt – „langfristig“ kann fünf, zehn oder 20 Jahre bedeuten. Und auch, welche Aktien überhaupt erworben werden sollen, bleibt unbeantwortet.

Hinzu kommt, dass Wandel mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme ist. Neue Technologien entstehen und verbreiten sich heute in deutlich kürzeren Abständen als früher. Da sich die Rahmenbedingungen schneller verändern, müssen sich Firmen viel häufiger neu erfinden. Wettbewerber können heute wesentlich leichter in Märkte eintreten – oft von Anfang an weltweit. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob das von Kostolany empfohlene Kaufen und Liegenlassen überhaupt noch eine zeitgemäße Strategie ist.

Hat Kostolanys Schlaftablette ausgedient?

Tatsächlich beschreibt die Börsenlegende nur einen (aber ganz wichtigen) Kerngedanken: Wer Geduld aufbringt und langfristig an der Börse investiert, wird am Ende belohnt. Viele Studien belegen, dass Aktien im Vergleich zu anderen Anlageklassen auf Dauer besser abschneiden. Historische Daten zeigen, dass an den Aktienmärkten über eine ausgedehnte Periode hinweg stets positive Renditen zu erwirtschaften waren, unabhängig von Krisen oder Schwankungen. Kurz: Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, sollte sich an Unternehmen beteiligen.

Buy and Hold war allerdings noch nie eine stumpfe Kaufen-und-Vergessen-Strategie. Anleger sind gut beraten, auf die berühmte Schlaftablette zu verzichten. Einen besseren Hinweis gab Warren Buffett vor über 30 Jahren in einem seiner Aktionärsbriefe: „Zeit ist der Freund großartiger Unternehmen und der Feind mittelmäßiger.“ Daraus lässt sich ableiten, dass sich langfristiges Halten vor allem bei Unternehmen mit hoher Qualität auszahlt. Wenn der Wettbewerbsvorteil (von Buffett Burggraben genannt) einer Firma schwindet oder es etwa in der Branche durch das Auftauchen neuer Technologien dauerhaft kriselt, ist es sinnvoll, sich von diesen Investments zu trennen. So hat es auch der mittlerweile 95-jährige Superinvestor – ein ausdrücklicher Verfechter von Buy and Hold – immer gehalten.

Qualität muss regelmäßig überprüft werden

Um Anlagequalität zu identifizieren, nutzen wir die boerse.de-Performance-Analyse. Diese basiert auf der Auswertung historischer Kursverläufe. Die Grundidee dahinter ist, dass Aktienkurse langfristig von der wirtschaftlichen Entwicklung eines Unternehmens bestimmt werden. Entscheidend ist dabei, in welchem Maß es einem Unternehmen gelingt, dauerhaft Werte für seine Anteilseigner zu schaffen. Um noch einmal den oben erwähnten Burggraben aufzugreifen: Damit über lange Zeiträume hohe Kapitalrenditen erwirtschaftet werden können, muss es nachhaltige Vorteile gegenüber der Konkurrenz geben. Genau diese Eigenschaft – oder ihr Fehlen – spiegelt sich auf Dauer im Kursverlauf wider.

Die nach der Performance-Analyse 100 besten Aktien erhalten den Titel „Champion“. Der Vorteil des Verfahrens liegt darin, dass es ganz ohne subjektive Einschätzungen auskommt. Dadurch lässt sich das Anlagespektrum breiter fassen als bei rein fundamentalen Ansätzen, bei denen das Ergebnis und die Auswahl stark von individuellen Annahmen und der jeweiligen Expertise des Analysten abhängt. Der Champion-Status wird anhand unveränderlicher, objektiver Daten vergeben, die Kandidaten stammen jeweils aus einem Pool mehrerer tausend Aktien unserer Beobachtungsliste.

Mit Champions auf Dauer erfolgreich – die Mischung macht’s

Unser Prädikat muss sich ein Unternehmen jedoch immer wieder neu verdienen. Dabei überprüfen wir jeweils vierteljährlich die aktuelle 100er-Liste. Der gerade vorgenommene Frühjahrsputz hatte zum Beispiel zur Folge, dass sieben Unternehmen den Champions-Status verloren haben. Gleichzeitig gab es aber auch sieben spannende Aufsteiger, die in der aktuellen boerse.de-Aktienbrief-Ausgabe porträtiert werden.

Eine sinnvolle Buy-and-Hold-Strategie bedeutet also nicht, dass jede einzelne Aktie für immer im Depot bleiben muss. Damit würde sich ein Portfolio auf Dauer zum Sammelsurium mit zahlreichen wenig aussichtsreichen Positionen entwickeln. Es bedeutet vielmehr, dass Anleger langfristig ausschließlich in hochwertige Unternehmen investiert bleiben sollten. Eine zu starke Konzentration auf wenige Werte ist aber ebenfalls nicht anzuraten:

Gerade weil sich die Qualität einzelner Firmen im Zeitverlauf verändern kann, ist es wichtig, gut zu diversifizieren. Wer alles auf eine Karte setzt, geht ein unnötiges Risiko ein. Die Investments sollten daher stets über verschiedene Branchen und Regionen hinweg gestreut werden. Falls Sie Ihr Portfolio mit Einzelaktien bestücken möchten, liefert Ihnen der boerse.de-Aktienbrief regelmäßig konkrete Empfehlungen zu allen 100 Champions. Die aktuelle Ausgabe können Sie hier kostenlos und unverbindlich lesen.

Mit bester Empfehlung

Georg Kling
boerse.de Vermögensverwaltung GmbH

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Georg Kling ist als Vermögensberater bei der boerse.de Vermögensverwaltung tätig. Zuvor hat er umfangreiche Erfahrungen in diversen Unternehmen und Positionen der Finanzdienstleistung und...

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