Kaufen, was das Zeug hält!

Montag, 17.04.00 09:02

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Panik an Bord der USS Technology! Die Aktien der New Economy, egal ob Internet, Software, Biotechnologie, wurden an diesem "schwarzen" Freitag unlimitiert über Bord geworfen. Das Resultat waren Kursverluste von zwanzig bis dreißig Prozent an nur einem einizgen Tag. Trotz des nahen Wochenendes wurden offenbar nichteinmal weit im Gewinn liegende Shortpositionnen eingedeckt, der Nasdaq-Index fiel und fiel und fiel! Selbst die im Zuge der nun schon seit einigen Wochen andauernden Korrktur der High-Techs als "sicherer Hafen" angesehenen Klassiker des Dow Jones wurden massiv gedrückt - und kein Käufer weit und breit!

Das Wort Crash hat einen unangenehmen Beigeschmack, weil es in vielen Ohren nach "ab jetzt geht's nur noch runter" klingt. Vor allem, weil die meisten Marktteilnehmer auch genau das denken. Aber das ist falsch, verehrte Leser, völlig falsch!! Crash heißt nichts anderes als eine durch Emotionen bestimmte Verkaufswelle ungewöhlich hohen Ausmaßes. Und angesichts dieser extremen Verluste in den Wachstumswerten ist der Freitag nichts anderes als ein Crash gewesen, jawohl! Aber überlegen Sie doch:

Ein Crash hat auch gute Seiten!

Vor einem Crash hat jeder Angst. Aber was, wenn es passiert ist? Denken Sie an die Kurseinbrüche der Jahre 1997 und 1998. Das waren absolute Super-Chancen zum Einstieg! Die zusammen-gefalteten New-Techs wie eine CMGI, Siebel Systems, Yahoo, Biogen, Cisco, Sun Microsystems (um nur einige wenige zu nennen) weisen unschlagbar hohe Umsatz- und Gewinnwachstumsraten auf! Nur, weil die verängstigten Anleger (insbesondere diejenigen, die am Top gekauft haben), plötzlich die Nerven verlieren und die überraschend hohen Verbraucherpreise als Vorwand nehmen, um in Panik auszusteigen, hat sich an diesem bullishen Umfeld für diese Titel nichts geändert! Bitte ordnen Sie ein:

Inflationsrate nur ein Vorwand!

Dass die Inflation auf dem Vormarsch ist, war kein Geheimnis. Auch, wenn die Daueroptimisten immer wieder so getan haben, als sei nichts passiert: Die Zahlen sprachen doch für sich! Und die permanenten Zinserhöhungen der US-Notenbank machten jedem, der Augen zum Sehen hat klar, dass Notenbankchef Greenspan bisher konsequent reagierte und wohl auch weiter tun wird. Nun wird von seiten der Kommentatoren weltweit so getan, als seien die am Freitag veröffentlichten Verbraucherpreise der erste Hinweis darauf gewesen und zugleich ein Grund, Aktien Körbeweise zu verkaufen. Das, sehr geehrte Leser, ist völliger Blödsinn! Weitere Zinserhöhungen wurden ohnehin erwartet. Es mag ja sein, dass aufgrund der jüngsten Daten noch ein voller Prozentounkt höherer Leitzinsen ansteht. Aber das beeinträchtigt vornehmlich die klasssichen Industrien im Industrie- und Konsumbereich. Der Bereich der "New Economy" ist weit weniger betroffen:

Würden Sie nicht mehr im Internet einkaufen, surfen, einen Computer oder neue Software anschaffen oder Medikamente kaufen, weil die Leitzinsen einen Punkt höher stehen? Der Wohlstand in den USA wächst beständig, Arbeitsplätze gibt es viele, nur die Arbeitnehmer sind rar - es herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Es gibt allerdings in der Tat einen Haken, und der dürfte in Wahrheit für diesen extremen Kurseinbruch verantwortlich sein:

Kaufen Sie nie auf Kredit!

Der Anteil auf Kredit gekaufter Aktien ist in den letzten Jahren fast exponeztiell gestiegen. Immer mehr Menschen wollten an der Hausse teilhaben, besaßen aber nicht das nötige Kleingeld. Also wurden Kredite aufgenommen und davon Aktien erworben, die wiederum als Sicherheit für den Kredit dienten. Fällt der Kurs der Aktien jedoch, ist diese Sicherheitsleistung nicht mehr ausreichend hoch. Wer dann nicht "Nachschießen" kann, wird blitzschnell zwangsliquidiert. Natürlich gilt zu bedenken: Wer im Oktober 1998 auf diese Weise ein Aktienportfolio erworben hat, kann gelassen bleiben, denn es ist immer noch genügend Gewinn vorhanden, um auf der sicheren Seite zu sein. Anders geht es aber denen, die erst seit Jahresbeginn auf diese "leicht und sicher" erscheinende Weise reich werden wollten: Sie sind mit höchster Wahrscheinlichkeit deutlich im Minus. Und wenn die Depots nicht bereits in den vergangenen Tagen leergeräumt wurden, dann steht diese Maßnahme zu Beginn der Woche bevor. Zudem gibt es ja auch noch die andere Variante:




Wenn das Aktiendepot die gesamten Ersparnisse beinhaltet und zugleich als Sicherheit für beispielsweise einen Hauskauf dient, muß der Anleger logischerwiese auch verkaufen, sobald diese Sicherheit die Höhe der Hypothek unterschreitet. Und so nährt die Baisse die Baisse: Ohne, daß wirklich etwas Gravierendes passiert ist, fallen die Kurse immer weiter, weil die Kursverluste immer wieder dazu führen, dass weitere Investoren zum Verkauf gezwungen werden. Sprich: Das kann durchaus noch einigen Tage so weitergehen! Aber:

Nach einem Crash von 35 Prozent im Nasdaq Composite (im abgebildeten Chart unten) und 23 Prozent im die grössten New-Economy Blue-Chips umfassenden Nasdaq 100 (oben, die "Großen" haben sich damit sichtbar besser gehalten) müssen Sie jetzt die Aktien derer einsammeln, die sich nicht an die wichtigste und älteste Börsenregel gehalten hatten und nun gnadenlos bestraft werden: Kaufe nie auf Kredit!! Dazu gilt für Sie indes die selbe Regel: Kaufen Sie nicht auf Kredit!




Kaufkurse!

Einige, zuvor massiv in die Höhe getriebene Aktien, haben sich im Kurse binnen weniger Wochen halbiert, gedrittelt, bisweilen sogar geviertelt! Damit haben diese Titel jetzt genau diese Kurse, die ihnen von den Crashgurus prophezeit wurden. Na also! Jetzt sollten ja auch die Pessimisten zufrieden sein, oder? Nein. Denn Börse ist zu einem großen Teil Psychologie, und genau diese spielt den Marktteilnehmern Streiche, die Performance kosten:

Wenn die Kurse fallen, sieht man, mitgerissen von der allgemeinen Nervosität, immer noch tiefere Kurse kommen. Die Ratio ist da ausgeschaltet. Und wenn dann die abgebrühten Profis beginnen, Aktien kaltblütig aufzusammeln, glaubt die Mehrheit nur an eine "technische Reaktion". Oft aus innerer Rechtfertigung, vor allem, wenn man gerde seine Aktien mit Verlust verkauft hat und andere diese freudig einsacken. So haben die meisten Anleger auch die Rallies von 1997 und 1998 an sich vorüberziehen lassen, die Käufer als Spinner bezeichnet, nur, um dann 20 oder 30 Prozent höher doch noch reumütig einzusteigen. Lassen Sie sich nicht von Ihren eigenen Emotionen einwickeln: Unten kaufen und oben verkaufen gelingft nur, wenn man den "inneren Schwinehund" zu überwinden lernt! Dabei ist es letztlich völlig egal, ob die Kurse nach dem Einstieg noch einmal um zehn Prozent absacken oder nicht. Denn die Erfahrung lehrt, dass derartige, letzte Einbrüche blitzschnell wieder ausgebügelt werden. Wen die anderen in Panik ausbrechen, beginnt der clevere Investor mit dem Ausfüllen der Kauforders, sehr geehrte Leser! Dabei:

Chancen am Neuen Markt!

Es ist nicht nur der US-Markt, an dem das Zähneklappern in diesen Tagen dominiert. Der Neue Markt ist aktuell voll von Anfängern, die eine solche Situation noch nicht erlebt haben und dementsprechend fast alle genau das Falsche tun: Ausgerechnet jetzt, nachdem der Nemax bereits massiv gefallen ist, auszusteigen. Perlen wie Qiagen, Intershop, Comroad, United Internet, Cybio, Morphosys oder Heyde gibt's dadurch zu Kursen, die man vor vier Wochen nicht mehr für möglich gehalten hätte. Das bedeutet: Jetzt kaufen! Wer klugerweise den Hinweisen dieser Kolumne gefolgt ist und beizeiten Gewinne mitgenommen hat, respektive in die zuvor extrem steigenden Kurse die Käufe eingefroren hat, sollte diese Chance nutzen! Dabei: Achten Sie auf Qualität. Diejenigen Aktien mit den höchsten Kursverlusten sind nicht automatisch die besten! Rennomierte Werte mit solidem Wachstum werden sich auch schnell wieder erholen. Andere indes, die nur von der allgemeinen Spekulationswut mit in die Höhe getrieben wurden, haben den aktuellen Kurseinbruch oft auch verdient und werden sich weniger, ggf. auch gar nicht erholen. Denn nach einem solchen ernüchternden Einbruch werden viele Investoren schnell lernen, die Spreu vom Weizen zu trennen! Am Montag und wohl auch noch am Dienstag wird am Neuen Markt der Bär tanzen. Tanzen Sie mit und kaufen Sie ein! Und für diejnigen, die jetzt noch voll investiert sind gilt: Lesen Sie besser regelmäßig diese Kolumne. Darüber hinaus aber lassen Sie sich bitte nicht von der Furcht einwickeln: Wer jetzt investiert ist, sollte auf keinen Fall ausgerechnet in diese Panik hinein jetzt noch verkaufen!

Eine sichere Hand beim konsequenten Einsammeln wünscht

Ronald Gehrt

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