Kommt das dicke Ende noch?

Donnerstag, 19.11.20 13:27

Die Euphorie an den Märkten könnte sich als trügerisch erweisen. Auch wenn die Mehrzahl der deutschen Privatanleger nach dem zweiten Kurssturz in diesem Jahr weiterhin von einer schnellen Erholung der Märkte ausgeht, ist mittelfristig eine Ernüchterung nicht auszuschließen.

 

Eine verlässlichere Weltpolitik durch einen neuen US-Präsidenten Joe Biden und ein Impfstoff, der die Welt langsam aus den Corona-Fesseln befreit: Diese Entwicklungen treiben gegenwärtig die Aktienmärkte. Manch einer prognostiziert für den deutschen Leitindex bereits wieder 14-tausend Punkte zum Ende des kommenden Jahres. Einige Marktbeobachter sprechen bereits vom Post-Corona Boom.

Und auch Deutschlands Privatanleger schauen trotz Lockdown und Corona-Einschränkungen mehrheitlich zuversichtlich in die Zukunft. Immerhin glauben 20 Prozent trotz absehbarer Wirtschaftskrise an alte Höchststände an den Aktienmärkten noch in den verbleibenden Handelswochen 2020. Weitere 36 Prozent gehen davon aus, dass sich die Märkte bis zum Ende des kommenden Jahres erholt haben werden. Wohingegen die übrigen 44 Prozent der Teilnehmer an der November-Umfrage des Deutschen Derivate Verbands (DDV) deutlich pessimistischer sind. Denn 19 Prozent sehen eine Erholung der Märkte erst Ende 2022, wohingegen knapp 25 Prozent von einer vollständigen Erholung in noch fernerer Zukunft ausgehen.

Soweit die Ergebnisse der aktuellen Trend-Umfrage, an der sich 2.112 Personen beteiligt haben. Die monatliche Onlinebefragung findet auf mehreren Finanzportalen statt, sodass es sich bei den Teilnehmern in der Regel um gut informierte Selbstentscheider handelt.

Ohne die Zuversicht, gleich im Keim ersticken zu wollen, sei doch an dieser Stelle angemerkt, dass wir uns gegenwärtig – und vermutlich noch einige Zeit lang – mitten im Lockdown befinden. Der Einzelhandel in Deutschland erwartet im kommenden Jahr bis zu 50-tausend Pleiten und Geschäftsaufgaben bei Bars, Restaurants, Hotels und so weiter werden es den Schätzungen zufolge noch einmal zusätzliche 70-tausend Insolvenzen sein. Ohne Zweifel wird das zu weiteren Marktverwerfungen führen.

Insofern ist der Optimismus dieser Tage zwar eine gute Nachricht, auch freuen sich alle Anleger über steigende Kurse – aber dennoch stellt sich die Frage nach einer sinnvollen Allokation des eigenen Depots. Breit aufstellen alleine dürfte nicht ausreichen. Gerade jetzt kommt es darauf an, vorzubeugen, klug zu handeln und passiv zu investieren. Strukturierte Wertpapiere sorgen als sinnvolle Ergänzung im Aktiendepot für langfristigen Erfolg.

Lars Brandau ist seit Gründung des Deutschen Derivate Verbands (DDV) Geschäftsführer und vertritt den DDV auch in den Arbeitsgruppen des europäischen Dachverbands EUSIPA. Der...
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