Levi Strauss und Co vor den Zahlen: Komfortzone nicht in Sicht

Montag, 07.10.19 14:19
Levi Strauss & Co liegt derzeit nicht im Anlagetrend: Die Aktie ist nach mehr als 30 Jahren Abwesenheit seit März 2019 wieder an der Börse gelistet und verlor seitdem über 13 Prozent an Wert. Morgen berichtet der US-Jeanshersteller nachbörslich über die Geschäftsentwicklung im dritten Quartal, die richtungsweisend für den weiteren Aktienkursverlauf sein könnte.

Jetzt müssen Levi’s Zahlen passen
Bereits das zweite Quartal lief es für Levi’s alles andere als rund. Wegen hoher Kosten für den Börsengang brach der Gewinn im Jahresvergleich um 63 Prozent auf unterm Strich 29 Millionen Dollar ein. Auch beim Umsatz guckten Analysten in die Röhre: Levi’s erzielte zwar einen Umsatzanstieg von fünf Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar, blieb damit aber unter den Prognosen der Experten. Diese Nachrichten kamen bei Anlegern gar nicht gut an und rissen die Levi Strauss & Co-Aktie am Tag nach der Zahlenpräsentation Mitte Juli um zeitweise -10 Prozent in die rote Zone.
Ein ähnliches Bild könnte sich morgen erneut abzeichnen, denn der Bekleidungshersteller kämpft noch stets mit hohen Investitionskosten sowie einem herausfordernden Marktumfeld.
 
Bequem und billig solls sein
Bis zum Anfang der 2000er galt die Jeans noch als DAS alltagstaugliche Kleidungsstück schlechthin. Wer nicht gerade im Management oder Bankensektor arbeitete, trug seine Lieblings-Jeans tagsüber “smart-casual” und in der Freizeit kombiniert mit T-Shirt oder Pullover. Doch seit Jogginghose und Leggins im Zuge des “Athleisure”-Trends immer salonfähiger werden, hat die Jeans als Wohlfühl-Kleidungsstück an Beliebtheit verloren. Statt Denim tragen Trendsetter jetzt Stretchstoffe und stellen Levi’s vor eine historische Herausforderung: Wie wird die Jeans bequemer, hipper und wenn möglich auch noch billiger, um Textil-Discountern wie Inditex (u.a. Zara) Kundschaft streitig zu machen?
 
Levi’s Antwort auf all diese Fragen ist komplex. Und kostspielig. So versucht der Kult-Konzern zum Beispiel neue Stretch-Stoffe zu verarbeiten, die Jeans fast so bequem wie Jogginghosen machen sollen. Auch investiert Levi’s verstärkt in Werbekampagnen zur Markenpflege, die Eröffnung neuer Brand-Stores in Wachstumsregionen und den Ausbau des Online-Geschäfts. Allesamt durchaus positive Ansätze, die sich einigen Marktbeobachter zufolge allerdings erst mittel- bis langfristig “bezahlt machen” könnten.
 
Neben branchenweiten und internen Herausforderungen, gilt es für Levi’s auch noch einen wirtschaftspolitischen Risikofaktor im Auge zu behalten: Falls Donald Trumps wiederkehrende Zoll-Drohungen gegen Mexiko tatsächlich umgesetzt werden, so würde dies den Textilkonzern, der 15 bis 20 Prozent seiner Importe aus Mexiko und China bezieht, hart treffen.

Wie gut, dass es zu Levi Strauss & Co eine langfristig erfolgreiche Champions-Alternative mit europäischen Wurzeln gibt: Inditex. Das weltgrößte Textilunternehmen glänzt mit einem über zehnjährigen, positiven Kursverlauf bei besonders geringen Rücksetzern. Zwei Merkmale, die alle der insgesamt 100 boerse.de-Aktienbrief-Champions “gut aussehen” lassen. Deshalb: Werden auch Sie zum “Trendsetter” sichern Sie sich jetzt Ihre aktuelle Aktienbrief-Gratisausgabe!

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

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