Lipstick-Effekt: Die ungeschminkte Wahrheit über die Konjunkturlage?

Freitag, 13.01.23 16:17
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

wissen Sie, was Lippenstift mit den Finanzmärkten zu tun hat? Falls nicht, könnten Sie (zumindest als Leserin) einmal kurz darüber nachdenken, wann und warum Sie sich zuletzt dekorative Kosmetik gekauft haben. Vor der Corona-Pandemie? Während der Lockdowns? Oder vielleicht überwiegend im vergangenen Jahr? Wenn Ihre Antwort „2022” lautet und Ihr Kauf davon motiviert war, dass Sie a) einem potenziellen Partner gefallen wollten oder b) sich trotz der Inflation ein wenig Alltagsluxus gönnen wollen, dann bestätigen Sie den „Lipstick-Effekt”.

Dieser besagt Folgendes: Wenn das Vertrauen der Verbraucher in die Wirtschaft schwindet, werden sie Waren kaufen, die weniger Auswirkungen auf ihre verfügbaren Mittel haben, aber dennoch einen gewissen Alltagsluxus verkörpern. Indirekt kann dieses Phänomen also als „Krisenindikator” interpretiert werden – wenn auch die wissenschaftliche Datenlage hierzu eher fragwürdig ist.

Lippenstift als Krisenindikator



Generell basiert der Lipstick-Effekt auf zwei Theorien: Zum einen gilt dekorative Kosmetik als erschwinglicher Alltagsluxus. Denn während sich viele Verbraucher in Krisenzeiten mit großen Anschaffungen wie Autos, Elektrogeräten oder auch einer Reise zurückhalten, wollen sie sich zumindest ein kleines bisschen Luxus, wie z.B. einen Lippenstift, leisten. Zum anderen existieren evolutions­psychologische Annahmen. Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass Wirtschaftskrisen für Frauen eine geringere Anzahl an gutsituierten Männern signalisieren. Um ihre Chancen auf dem „Markt” zu erhöhen und einen Mann mit ausreichenden Ressourcen für sich zu gewinnen, betreiben Frauen mehr Aufwand, um ihre physische Attraktivität zu steigern.

Die Theorien hinter dem Lipstick-Effekt klingen durchaus plausibel, allerdings fehlen bislang valide Studienergebnisse. Angeblich konnte ein sprunghafter Kosmetik-Absatz bereits zwischen 1930 und 1933 beobachtet werden. Trotz einer extrem hohen Arbeitslosenquote musste damals beispielsweise Beiersdorf aufgrund gestiegener Umsätze nicht einen einzigen Mitarbeiter entlassen. Auch nach den Anschlägen vom 11. September 2001 soll sich der Absatz von Lippenstiften nahezu verdoppelt haben. Ebenso, wie zu Zeiten der Finanzkrise 2008/2009.

Chance für Kosmetik-Investoren?



Aktuelle Daten des Marktforschungsinstituts GfK lassen Kosmetik-Investoren erneut aufhorchen: 2022 ist die Nachfrage nach Lippenstiften im Vergleich zum Vorjahr deutlich angestiegen. Acht Millionen Menschen haben demnach in den vergangenen zwölf Monaten Lippenstift gekauft. Im Jahr 2021 waren es zwei Millionen weniger.

Neben den gestiegenen Lippenstift-Verkäufen ist auch ein deutlicher Trend hin zu teuren Markenprodukten zu beobachten, der den Champions LVMH, L’Oréal und Estée Lauder zugutekommen dürfte.

Der französische Luxusgüterkonzern LVMH ist der unumstrittene Marktführer mit einer extrem hohen Preissetzungsmacht und einem überragenden Markenportfolio von Champagner über Mode bis hin zu Parfüms und Kosmetik. Und: Die LVMH-Aktie erklomm an der Börse in diesem Jahr sogar schon wieder neue All-Time-Highs. Zum L’Oréal-Konzern gehören inzwischen 36 Marken in vier Geschäftsbereichen: professionelle Produkte für Friseure und Schönheitssalons, Konsumprodukte im mittleren Preissegment, Luxusmarken und professionelle Hautpflegeprodukte bzw. Apothekenkosmetik. Allein im dritten Quartal 2022 legte der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um fast 20 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro zu. Der Jahresgewinn wird ebenfalls deutlich über dem von der Pandemie geprägten Jahr 2021 erwartet. Estée Lauder erwirtschaftete sogar im Corona-Geschäftsjahr 2021 knapp 14 Prozent mehr Umsatz bzw. 16,22 Milliarden Dollar und sorge mit der Übernahme des renommierten Modelabels Tom Ford vor Kurzem für Schlagzeilen.

Auch die Zehn-Jahres-Performance der genannten Beauty-Champions aus dem boerse.de-Aktienbrief kann sich – mit oder ohne Lipstick-Effekt – sehenlassen: LVMH erzielte im Mittel +19% p.a., L’Oréal +11% p.a. und Estée Lauder Companies +17% p.a.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de

PS: Bei LVMH und L’Oréal handelt es sich übrigens auch um zwei der insgesamt 33 Vermögensaufbau-Champions, in die der boerse.de-Aktienfonds investiert.

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