Lithium-Aktien: Lukrativer Mega-Trend oder Kapitalvernichter?

Freitag, 21.04.23 11:43
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

an der Börse gibt es immer wieder bestimmte Trend-Themen, denen langfristig orientierte Anleger besser keine Beachtung schenken sollten. Dazu zählten in den vergangenen Jahren beispielsweise Krypto-Aktien, Meme-Aktien, Cannabis-Aktien und: Lithium-Aktien. Natürlich besteht die Chance, mit bestimmten Einzelaktien aus den genannten Kategorien das „große Los” zu ziehen. Doch unterm Strich ist das Risiko größer als die Renditechance, wie am Beispiel von Lithium-Aktien deutlich wird.


Kursverluste trotz hervorragender Wachstumsperspektive


Das Leichtmetall Lithium wird in erster Linie für die Herstellung von aufladbaren Batterien eingesetzt. Man findet Lithium-Ionen-Akkus zum Beispiel in Smartphones oder E-Autos und anderen Schlüsseltechnologien. Experten von Statista rechnen deshalb bis 2030 mit einem Engpass für den Batterie-Rohstoff, der auch „weißes Gold” genannt wird. Konkret wird bei der globalen Nachfrage eine Steigerung von enormen 637 Prozent in den kommenden sieben Jahren vorausgesagt. Anleger, die auf den Lithium-Zug aufspringen möchten, können generell in Unternehmen investieren, die an verschiedenen Teilen des Lithiumzyklus beteiligt sind: dem Lithiumabbau, den Raffinerien und Batterieproduzenten. Doch wirkt sich die hohe Nachfrage tatsächlich positiv auf Lithium-Unternehmen aus, und können Anleger entsprechend von Lithium-Aktien profitieren?

Keineswegs, wie der Best-of-Lithium-Index exemplarisch zeigt: Der aus elf Einzelaktien bestehende Index ist höchst volatil und hat innerhalb der vergangenen zwölf Monate sogar über 20 Prozent an Wert verloren. Wagen wir deshalb einen Blick auf drei darin enthaltene Big-Player der Lithium-Branche:

Drei Lithium-Aktien mit Fragezeichen


  • Livent Corp.
Das US-Unternehmen ist mit einer Gesamtkapazität von 15.000 Tonnen im Inland der größte Hersteller von Lithiumhydroxid in den Vereinigten Staaten und hegt ambitionierte Expansionspläne. So hat der Bau einer Lithiumhydroxid-Anlage mit einer Kapazität von weiteren 15.000 Tonnen an einem neuen Standort in China und der Aufbau einer Anlage in Argentinien begonnen. Zum Jahresende 2023 rechnet Livent deshalb mit einer Gesamtkapazität von 45.000 Tonnen Lithiumhydroxid weltweit. Entsprechend erwartet der Konzern für 2023 deutlich steigende Umsätze, doch Investoren sind davon noch nicht überzeugt: In den vergangenen zwölf Monaten verlor die Livent-Corp.-Aktie rund 14 Prozent an Wert.

  • Standard Lithium
Der Konzern mit Sitz in Kanada ist ein weltweit führendes Unternehmen in der Technologie der direkten Lithiumextraktion (DLE). Im Februar 2022 veröffentlichte die auf Leerverkäufe spezialisierte Investment-Firma Hindenburg Research jedoch einen Bericht, in dem das Unternehmen scharf kritisiert wird. Einer der Vorwürfe lautet, dass Standard Lithium selbst angebe, das genutzte Verfahren sei urheberrechtlich geschützt. Allerdings besitze das Unternehmen Recherchen von Hindenburg zufolge nur drei Patentanmeldungen, die im Jahr 2018 erworben worden seien. Zwei davon wurden bereits als „nicht patentierbar” zurückgewiesen. Standard-Lithium-Investoren reagierten geschockt, und die Aktie verlor seit April 2022 über 50 Prozent an Wert.

  • Vulcan Energy Resources
Mit -43 Prozent im vergangenen Jahr zählt Vulcan Energy ebenfalls zu den großen Verlierern des „Lithium-Hypes”. Das Start-up, das noch keine kommerzielle Anlage betreibt, will hochwertiges Lithiumhydroxid auf Basis von Thermalwasser u.a. im Oberrheingraben gewinnen – und ab Ende 2025 damit die europäische Automobilindustrie über extrem kurze Wege von maximal 80 Kilometern beliefern. Abnahmeverträge gibt es angeblich bereits mit dem Volkswagen-Konzern, Stellantis und Renault. Doch die Projektkosten sind hoch und schüren die Skepsis der Vulcan-Energy-Anleger.

Generell gibt es zahlreiche Risikofaktoren, die Lithium-Investoren (in spe) beachten sollten. Dazu zählen eine zunehmende Branchenkonsolidierung, hohe Kosten und mögliche Überkapazitäten. Zudem könnte der Lithium-Preis mittelfristig durch Innovationen in der Akku-Technologie eine Korrektur erfahren. Zum Beispiel durch die Brennstoffzellentechnik. Auch auf dem Gebiet der Speichermedien wird weiter geforscht, etwa an Zink-Luft-, Natrium-Ionen-, Magnesium-Ionen- oder Kohlenstoff-Batterien.

Deshalb: Investieren Sie nicht in jeden Trend, sondern orientieren Sie sich an der langfristigen Anlagequalität einer Aktie. Die insgesamt 100 boerse.de-Aktienbrief-Champions punkten im Gegensatz zu den meisten Lithium-Highflyern mit einer mindestens zehnjährigen, erfolgreichen Kurshistorie und tragen deshalb den Titel der „langfristig besten Aktien der Welt”.

Auf gute Investments!

Ihr
Markus Schmidhuber

PS: Was erfolgreiche Champions auszeichnet, erklären wir im „Leitfaden für Ihr Vermögen“, und konkrete Empfehlungen zu den laut Performance-Analyse langfristig besten Aktien der Welt finden Leser alle 14 Tage im boerse.de-Aktienbrief.

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Markus Schmidhuber ist Leiter von boerse.de – dem ältesten Finanzportal Europas und mit über einer Million monatlicher Nutzer eines der führenden Börsenportale. In dieser Position verantwortet er...

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