Lufthansa: Qatar-Avancen verleihen keine Flügel

Montag, 02.12.19 14:53
Die Lufthansa-Aktie befand sich bis zu ihrem zwei-Jahres-Tief am 15. August 2019 im Sinkflug. Seitdem geht es zwar wieder bergauf, doch die anhaltende Krise in der Luftfahrtindustrie bremst die Kranich-Airline immer wieder aus. So “verpuffte” die gestrige Nachricht, wonach Qatar Airways eine Lufthansa-Beteiligung anstrebt, ohne positiven Einfluss auf deren Aktienkurs. Schlimmer noch: die LH-Aktie verlor sogar heute zu Handelsbeginn -1,2 Prozent. Innerhalb der vergangenen 12 Monate stehen nun -20 Prozent zu Buche.

Katar liebäugelt mit Deutschland
Offensichtlich scheinen Investoren nicht davon überzeugt zu sein, dass eine mögliche Qatar-Allianz der Lufthansa langfristig Rückenwind verleihen könnte. Akbar Al-Baker, Chef der staatlichen katarischen Fluggesellschaft Qatar Airways, hatte der “Hansa” am Wochenende den Hof gemacht: "Wenn es eine Möglichkeit gibt, in die Lufthansa zu investieren, dann würden wir das gern machen", sagte der Qatar-Airways-Chef am Sonntag am Rande eines Besuchs von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil in Doha. Er könne sich beispielsweise eine “Partnerschaft” im Rahmen einer Codesharing-Vereinbarung oder Vermarktungs-Allianz vorstellen. Auch eine direkte Kapitalbeteiligung sei denkbar. Branchenkenner reagierten erstaunt, zumal Al-Baker in der Vergangenheit kein gutes Haar an der Lufthansa ließ, die er als “minderwertig” betitelte.

Doch Not begünstigt Opportunismus: Am 5. Juni 2017, vor mittlerweile fast einem Jahr, begann die Blockade Katars durch andere Golfstaaten. Infolgedessen stiegen Qatars Treibstoffkosten wegen längerer Flugstrecken. Weitere, betriebliche Herausforderungen führten dazu, dass Qatar Airways 2017 und 2018 hohe Verluste schrieb.

Um das Ruder wieder herumzureißen und sein Land aus der politischen und wirtschaftlichen Isolation zu führen, liebäugelt Al-Baker nun mit Geschäftsbeziehungen zu europäischen Rivalen.

Blindflug in die Zukunft?
Ob jedoch die Lufthansa der idealer Partner-in-spe wäre, ist fraglich. Aufgrund des anhaltend aggressiven Wettbewerbs im Billigflugsegment, gestiegener Treibstoffkosten und wiederholter Flugbegleiter-Streiks, musste die LH Ende Juni das Gewinnziel kappen. Jetzt scheinen die daraufhin etablierten, internen Sparmaßnahmen zwar erste Früchte zu tragen, doch von ihrer alten Form ist die Lufthansa noch meilenweit entfernt: Der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) 2019 könnte zwei bis 2,4 Milliarden Euro erreichen. Gegenüber dem Vorjahr wäre dies allerdings ein Rückgang um 14 bis 28,5 Prozent.

Wie es bei der Lufthansa und anderen, krisengeschüttelten Airlines weitergeht, können selbst Branchenkenner momentan kaum vorhersehen. Auf der Gewinnerseite steht dagegen beispielsweise boerse.de-Aktienbrief-Champion MTU Aero Engines. Der Triebwerkshersteller beliefert u.a. die weltgrößten Flugzeughersteller Boeing und Airbus, versorgt das lukrative Wartungsgeschäft und zählt deshalb zu den Profiteuren der an sich wachstumsstarken Luftverkehrsbranche. Alle 100 boerse.de-Aktienbrief-Champions, die seit mindestens zehn Jahren der Konkurrenz “davonfliegen” finden Sie in Ihrer aktuellen Aktienbrief-Gratisausgabe!

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