Lufthansa vor Dax-Comeback: Warum Indexzugehörigkeit nichts über die Anlagequalität aussagt

Mittwoch, 02.09.26 09:12

Die Lufthansa nimmt Anfang September bereits den dritten Anlauf für eine Wiederaufnahme in den Dax nach sechs Jahren Abwesenheit. Ein zäher Fall, der jedoch mehr über die Mechanik des deutschen Leitindex verrät als über die Fluggesellschaft selbst. Denn wer in den Dax aufsteigt und wer ihn verlassen muss, entscheidet sich primär an der Marktkapitalisierung im Streubesitz. Mit Qualitätskriterien, wie sie für Champions-Aktien ausschlaggebend sind, hat das nichts zu tun – ein Umstand, der bei der aktuellen Indexüberprüfung besonders deutlich wird.

Wie die Überprüfung der Dax-Familie funktioniert

Die Deutsche-Börse-Tochter Stoxx überprüft Dax, MDax und TecDax zweimal jährlich, im März und im September, während der SDax alle drei Monate regulär unter die Lupe genommen wird. Maßgeblich ist dabei die Rangliste nach der Streubesitz-Marktkapitalisierung: Ein Unternehmen kann in den Dax aufsteigen, wenn es mindestens auf Rang 40 liegt, im MDax auf Rang 90, im SDax auf Rang 160 und im TecDax auf Rang 30. Umgekehrt muss ein Indexmitglied den Dax verlassen, wenn es nicht mehr zu den 53 größten Werten zählt – bei den anderen Indizes gelten entsprechend gestaffelte Schwellen.

Für die anstehende Überprüfung ist der 31. August der Stichtag. Die Änderungen gibt Stoxx nach Handelsschluss am 3. September bekannt. Aktuell gilt die Lufthansa als aussichtsreichster Dax-Kandidat. Die Fluggesellschaft musste den Leitindex im Juni 2020 mitten in der Corona-Pandemie verlassen und wird seither im MDax geführt. Nach Einschätzung der Indexexperten ist die Ausgangslage diesmal denkbar knapp: Als mögliche Gegenkandidaten für einen Abstieg gelten Scout24 und Zalando, die zuletzt auf den Rängen 46 und 47 lagen – so dicht beieinander, dass sich keine klare Tendenz für einen der beiden ablesen lässt.

Die Performance-Kennzahlen zeigen, was der Index nicht misst

Anhand der genannten, möglichen Auf- und Absteiger lässt sich gut ablesen, dass Indexzugehörigkeit und Anlagequalität zwei Paar Schuhe sind. So zeigt beispielsweise die Lufthansa eine durchschnittliche Zehn-Jahres-Rendite (geoPAK10) von -2%, eine Gewinn-Konstanz von nur 34% und eine Verlust-Ratio von 3,65, was sich im zweitschlechtesten boerse.de-Aktien-Rating C niederschlägt. Auch der Abstiegskandidat Zalando (ebenfalls C-Rating) erreicht mit einer geoPAK10 von -4%, einer Gewinn-Konstanz von 34% und einer Verlust-Ratio von 4,48 kein Champions-Niveau.

Auf europäischer Ebene gibt es ebenfalls Beispiele von Aktien, die deutlich unter dem liegen, was wir als Champions-Qualität einstufen: Bei der parallel stattfindenden Überprüfung des EuroStoxx 50 gelten Volkswagen und BMW als Kandidaten für einen Abstieg, weil ihre Streubesitz-Marktkapitalisierung auf Rang 64 beziehungsweise 62 zurückgefallen ist und damit außerhalb der Top 60 liegt. Volkswagen kommt auf eine geoPAK10 von -5%, eine Gewinn-Konstanz von 27%, eine Verlust-Ratio von 3,45, und ist mit dem borese.de-Rating D ein Kapitalvernichter. BMW bringt es auf eine geoPAK10 von -3%, eine Gewinn-Konstanz von 55% und eine Verlust-Ratio von 3,05, was der Aktie ein boerse.de-C-Rating (= Verlierer-Aktie) beschert.

Für langfristig orientierte Anleger bedeutet das: Ein Platz in einem namhaften Index ist noch längst kein Garant für eine langfristig hohe Anlagequalität der betreffenden Aktie. Wenn Sie erfahren möchten, welche insgesamt 100 Champions-Aktien schon seit mindestens zehn Jahren mit Performance-Kennzahlen punkten, die das Gros aller weltweiten Aktien übertreffen, dann sichern Sie sich hier kostenlos den aktuellen boerse.de-Aktienbrief.

Auf gute Investments!
Ihr

Markus Schmidhuber
Content-Manager



Markus Schmidhuber ist Leiter von boerse.de – dem ältesten Finanzportal Europas und mit über einer Million monatlicher Nutzer eines der führenden Börsenportale. In dieser Position verantwortet er...

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