Machtkampf in Wolfsburg: Kahlschlag statt Zukunftsvision bei Volkswagen

Montag, 13.07.26 09:21

Der Wolfsburger Automobilriese Volkswagen steckt in einer der tiefsten Krisen seiner Unternehmensgeschichte. Neben dem dramatischen Nachfrageeinbruch im einstigen Vorzeigemarkt China setzen vor allem die aggressive asiatische Billigkonkurrenz, internationale Zollkonflikte und parallel die hohen Entwicklungskosten für Verbrenner und E-Mobilität den Konzern massiv unter Druck. Nach einer hitzigen Aufsichtsratssitzung liegt jetzt ein radikaler Sparplan von Konzernchef Oliver Blume auf dem Tisch. Um die schwache operative Rendite, die zuletzt auf nur rund drei Prozent eingebrochen ist, bis 2030 wieder zu verdreifachen, plant der Vorstand jetzt tiefe Einschnitte. 

Radikaler Sparkurs: Vier deutsche VW-Werke vor dem Aus

Die im neuen „Zielbild 2030“ formulierten Pläne der Konzernspitze sind drastisch. Um die Profitabilität zu sichern, soll die weltweite Modellpalette schrittweise um bis zu 50 Prozent zusammengestrichen werden. Gleichzeitig will das Management die interne Angebotsvielfalt und Ausstattungskomplexität um bis zu 75 Prozent senken. Die globalen Produktionskapazitäten werden auf jährlich rund neun Millionen Fahrzeuge gedeckelt, um teure Überkapazitäten abzubauen.

Von den Auswirkungen der Maßnahmen sind auch Standorte und die Belegschaft betroffen: Auf der Kippe stehen weltweit bis zu 100.000 Arbeitsplätze. Der Vorstand plant, die Produktion an den deutschen Traditionswerken in Emden, Zwickau, Hannover sowie am Audi-Standort Neckarsulm ab 2031 schrittweise auslaufen zu lassen, indem einfach keine Nachfolgemodelle mehr zugeteilt werden. Stattdessen soll die Fertigung in kostengünstigere osteuropäische Fabriken wie Bratislava abwandern. Gegen dieses „langsame Ausbluten“ leisten die Betriebsratschefin Daniela Cavallo und die IG Metall erbitterten Widerstand. Unterstützt werden sie vom Land Niedersachsen, das über eine gesetzliche Sperrminorität verfügt und Werksschließungen strikt ablehnt.

Doch ob und wann die Radikalkur Volkswagen wieder auf die Überholspur führen wird, ist fraglich. Entsprechend sollten sich Anleger in Zurückhaltung üben und trendstarken Aktien-Alternativen aus der DACH-Region den Vorrang geben.

Trendgewinner statt Kapitalvernichter

Für Börsianer spiegelt sich die anhaltende Krise bei Volkswagen im langfristigen Kursverlauf wider. Ein Blick auf die boerse.de-Performance-Analyse zeigt, dass die Volkswagen-Aktie meilenweit von den Kriterien einer Qualitätsinvestition (= Champions-Aktie) entfernt ist. Mit einer geoPAK10 von -6% vernichtet der Titel kontinuierlich Anlegerkapital.

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