Marktübersicht

Nach der Wahl ist vor der Qual

Montag, 27.09.21 09:04

Die Bundestagswahlen liegen mit bekanntem Ergebnis hinter uns; die Konsequenzen aus einem noch zu verhandelnden Koalitionsvertrag jedoch noch vor uns. Zu den spannenden Fragen zählt sicherlich, wie lange es bis zu Bildung einer tragfähigen Regierung dauern wird. Denn je länger Anlegerinnen und Anleger im Ungewissen verharren müssen, desto größer wird die Gefahr, dass Nervosität eine Verkaufswelle auslösen und den Märkten ein Ende ihrer langen währenden Hausse bescheren könnte.

Wenn man darüber hinaus von den Wahlprogrammen auf die Ergebnisse schaut, dann ist bereits heute klar, dass es keine Geschenke ans Wahlvolk geben wird; eher muss mit dem Gegenteil gerechnet werden.

Die Union möchte zwar die „Vermögensbildung stärken“, die „Beteiligung am Unternehmenserfolg verbessern“ und „Verbraucher und Anleger schützen“. Das Wort Aktie tauchte indes kein einziges Mal im Wahlprogramm auf.

Die Grünen ihrerseits möchten zurück zum Teileinkünfteverfahren für Dividenden. Ansonsten spielt das Thema Aktionäre keine ausgeprägte Rolle. Allerdings könnte die Steuerfreiheit für Veräußerungsgewinne von Grundstücken und Immobilien abgeschafft werden; sowie zusätzlich die Steuerfreiheit beim Handel mit Edelmetallen, Rohstoffen oder Kryptowerten.

Zumindest könnte man auf den Gedanken kommen, dass die mehr als 12 Millionen Aktionäre und ihre Interessen für die Parteien kaum Relevanz zu haben scheinen. Das ist umso erstaunlicher, als dass es angesichts von Strafzinsen und steigender Inflation kaum Alternativen zum Vermögensaufbau mehr gibt. Auch deshalb haben wir uns als Deutscher Derivate Verband (DDV) immer schon für eine breit verankerte Wertpapierkultur stark gemacht. Denn sie dient dem privaten Vermögensaufbau und ist eine gute Grundlage für die individuelle Altersvorsorge.

Für eine gute Aktienkultur muss es das Ziel sein, in der Bevölkerung zu verankern, dass die Aktienanlage die beste Möglichkeit für den langfristigen Vermögensaufbau ist. Dazu muss nicht nur die ökonomische Bildung in Schulen verbessert werden. Auch sollte das Wissen um ökonomische Zusammenhänge vermittelt werden.

Alleine deswegen sollten sich die Parteien, wenn sie sich denn nun zusammensetzen und über ihre Ziele diskutieren, nicht zuletzt auch für eine stärkere Wertpapierkultur einsetzen, statt über weitere steuerliche Belastungen nachzudenken.

 

Lars Brandau ist seit Gründung des Deutschen Derivate Verbands (DDV) Geschäftsführer und vertritt den DDV auch in den Arbeitsgruppen des europäischen Dachverbands EUSIPA. Der...
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