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Kolumne09:28 19.01.16

Börsenexperte und Autor Volker Meinel

Netflix: Teuer und bald noch teurer

Die Aktie von Netflix hatte in den vergangenen zwölf Monaten die von anderen bekannten Adressen wie Amazon, Google oder Facebook deutlich überflügelt. Seit Januar 2015 hat sich der Aktienpreis mehr als verdoppelt. Auch auf kurze Sicht hielten sich die Papiere ordentlich - die Korrektur der vergangenen Wochen fiel für Netflix nicht stärker aus als für Amazon oder Facebook.
 

Und die Zeichen stehen gut, dass sich Netflix auf seinem Weg zu einem globalen Anbieter weiter zumindest ebenso gut hält wie die genannten weiteren drei Branchenvertreter, für die bereits das Kürzel „FANG“ (Facebook, Amazon, Netflix, Google) geprägt worden ist. Technologische Neuerungen sollen es möglich machen, dass die Firma aus einer einheitlichen Content-Bibliothek heraus alle Länder mit den gleichen (bzw. lokal synchronisierten) Filmen versorgen kann. Bisher wird die Verbreitung der Inhalte jeweils von der IP-Adresse des Empfängers gesteuert. Wenn diese auf ein Land hinweist, für das Netflix die Verbreitungsrechte nicht hat, lassen sich bestimmte Inhalte nicht verbreiten. Denn traditionell schlossen (und schließen) die Filmrechtebesitzer ihre Verträge mit den Abnehmern in einzelnen Ländern. Das wiederum schafft eine sehr fragmentierte „Empfangslandschaft“, und so können Kunden, die beispielsweise in Deutschland wohnen und in Spanien Ferien machen, nicht immer auf die gleichen Angebote zugreifen. Bis jetzt gab es dafür die VPN-Proxies und spezielle „Unlocker“, um länderspezifische Einschränkungen zu beseitigen. Das soll demnächst nicht mehr funktionieren, wie Netflix vergangene Woche bekannt gab. 
 

Für Netflix entschärft sich das Problem der fragmentierten Rechte auch noch aus einem weiteren Grund: Der Anteil des selber produzierten Programms liegt für dieses Jahr bei knapp 20 Prozent. In den kommenden Jahren dürfte dieser Anteil auf ein Drittel steigen. Damit kann die Firma machen, was sie will. Netflix legt damit die Basis zur globalen Verbreitung und Dominanz, ähnlich wie Facebook oder Google. Lediglich in China und in drei US-Bundesstaaten sind die Angebote von Netflix nicht erhältlich. Das Wachstum ist bereits jetzt außerhalb der USA weitaus grösser als auf dem Heimmarkt selber. Wir erwarten eine überdurchschnittliche Kursentwicklung über die nächsten sechs Monate - trotz der sehr hohen Bewertung. 

 

 

 

 

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