Nobelpreisträger und ihre Finanzen

Dienstag, 12.09.06 17:21
Mancher, von dem man es kaum erwartet, outet sich als Aktionär. Zum Beispiel Martin Walser, der in den 80er-Jahren für 5000 Mark Veba-Aktien kaufte, diese in den 90er-Jahren für 20000 verkaufte, sich aber dann an Ost-Immobilien finanziell verhob. So muss er denn weiter schreiben. Beispielsweise über seinen Romanhelden Karl von Kahn, einen Vermögensverwalter, im aktuellen Roman „Angstblüte“. Vielleicht kommt nächstes Jahr zum 80. Geburtstag der Nobelpreis als weitere Alterssicherung hinzu.

Da hat Nobelpreisträger Günter Grass längst ausgesorgt. Michael Jürgs, der Biograf, bescheinigt dem „Bürger Grass“ durchweg gesundes Erwerbsstreben. Dass die SS-Zugehörigkeit ausgerechnet mit dem Erscheinen seiner Autobiografie bekannt wurde, scheint dies zu bestätigen. Die Zufälligkeit ist geplant und hat sich durch den Spitzenplatz in den Charts schon bezahlt gemacht. Weniger finanzielle Fortune hatte ein weiterer Nobelpreisträger. Robert Merton musste nach der Pleite seines LTC-Hedgefonds 1998 nun auch seinen Hedgefonds IFL dicht machen. Ein großer Geist ist also nicht zwangsläufig auch ein großer Geldvermehrer.

Aber auch kleinere Geister haben mit Hedgefonds ihre Probleme. Jede vierte der vorwiegend auf den Cayman-Inseln angesiedelten Geldsammelstellen wird vorzeitig geschlossen. Aus guten Grund hat der Gesetzgeber hierzulande nur Dach-Hedgefonds zugelassen, bei denen das Risiko auf mehrere Fonds verteilt ist. „Euro am Sonntag“ zitiert Jochen Santo, den Chef der Bafin, mit dem wenig schmeichelhaften Kommentar, dass Hedgefonds wie große schwarze Löcher des internationalen Finanzsystems sind und ein Desaster anrichten werden.
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