Sell in May ....

Donnerstag, 04.05.00 15:23

"Sell in May and go away", lautet ein bekanntes Börsensprichwort, das bedeutungsschwanger meist im Juni und nur dann zitiert wird, wenn der Mai für die Haussiers alles andere als erfreulich verlaufen ist.
Mit einer echten "Mayday"-Situation im klassischen Sinne sieht sich derzeit allerdings lediglich der Euro konfrontiert, dessen politische Schmalspurkonzeption vom Markt jetzt gnadenlos abgestraft wird.
Dessen ungeachtet scheint sich die Heerschar der euro-infizierten Börsianer partout nicht verkleinern zu wollen. Denn die Anzahl derer, die der kranken Einheitswährung die Nibelungentreue halten, will und will nicht sinken. Aber:

Bei allem lauten Lamentieren und schöngeistigem Kommentieren sollten Laien wie auch Experten doch bitte nicht vergessen, dass auch die DM gegen den Dollar keineswegs immer ein Hort der Stabilität war. Und in Erinnerung gerufen gehört auch, dass weder die deutsche noch die amerikanische Wirtschaft den Bach hinuntergegangen ist, als der Dollar mal 3,40 DM, mal 1,40 DM kostete. Zudem:

Der gerade erst aufsprießenden europäischen Konjunktur muss der versinkende Euro wie ein Geschenk des Himmels erscheinen, hat er doch die Auslandsbestellungen in Maschinenbau und Elektroindustrie auf ein Zehnjahreshoch gehebelt. Und auch die Binnennachfrage dürfte vom niedrigen Außenwert des Euro kräftig profitieren, verteuert sie doch alle Importe aus Drittländern nach Euroland.

Diesen erfreulichen Perspektiven stehen theoretisch zwei Risiken gegenüber. Das eine liegt in der Gefahr einer über dollarfakturierte Rohstoffe "importierten Inflation"; erste Hinweise hierfür finden sich in den letzten Erzeugerpreisdaten der Bundesrepublik, noch nicht jedoch in den Konsumentenpreisen.

Das zweite Risiko ist ein zu scharfer konjunktureller Einbruch in den USA im zweiten Halbjahr. Dieses Szenario mag angesichts der aktuellen Wirtschaftsdaten etwas konstruiert erscheinen, ist aber durchaus ernst zu nehmen. Denn das Gemisch aus restriktiverer Notenbankpolitik, rückläufigen Exporten und möglichen weiteren Abwärtskorrekturen der US-Technologie-Aktien könnte in der Summe zu einem überraschend harten Aufschlagen der Konjunktur führen. Das aber würde -genau wie in früheren Zeiten- vermutlich einen sofortigen Kurswechsel der US-Notenbank auslösen, wobei es für die Aktienmärkte völlig genügen dürfte, wenn Alan Greenspan eine erkennbar moderatere Diktion fände.

Summa summarum ist die Minuskorrektur der Börsen wahrscheinlich noch nicht abgeschlossen; für das zweite Halbjahr stellen sich die Perspektiven jedoch weitaus freundlicher dar als von den meisten Marktteilnehmern erwartet. Und das gilt insbesondere für die deutsche Börse!

Ein erfolgreiches Trading

wünscht Ihnen

Axel Retz

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