Siemens Healthineers: Kein Corona-Profiteur

Montag, 02.11.20 15:06
Viele Bio- und Medizintechnik-Unternehmen erfreuen sich - mitunter dank der Coronapandemie - bester Gesundheit und klettern wie Champion Sartorius von einem Rekordhoch zum nächsten. Deshalb hatten Siemens Healthineers-Investoren hohe Erwartungen an die heute veröffentlichten Geschäftszahlen 2019/2020  - und wurden teils enttäuscht. Der Umsatz war zwar mit 14,5 Milliarden Euro relativ stabil. Jedoch ging der Nettogewinn im Jahresvergleich um zehn Prozent auf 1,42 Milliarden Euro zurück. Geschäftsführer Bernd Montag kommentierte, Siemens Healthineers habe sich “in einem historisch herausfordernden Umfeld als sehr widerstandsfähig erwiesen und hervorragend behauptet.” Ob das die Investoren genauso sehen?

Siemens Healthineers-Aktie angeschlagen


Als Gradmesser für die Anlagequalität von Siemens Healthineers ist die Betrachtung der Zehn-Jahres-Historie nicht möglich, da das junge Unternehmen erst seit 2018 börsennotiert ist. Was allerdings schon jetzt auffällt, ist die hoch-volatile Kursentwicklung der Siemens-Tochter.

Im Gegensatz dazu klettert der Aktienkurs von Champion Sartorius “wie am Schnürchen gezogen” von links unten nach rechts oben: Innerhalb der vergangenen zehn Jahre erzielten Investoren eine Performance von im Mittel +47% p.a. bei einer Gewinnkonstanz von 97%.

Kurzfristig betrachtet wird der Unterschied zwischen beiden Aktien noch offensichtlicher: Während Siemens Healthineers seit Januar -14% verlor, gewann die Champions-Aktie Sartorius +90%!

2021 zurück auf Wachstumskurs?


Der Vergleich verdeutlicht, dass es sich auch bei “angesagten” Medizintechnik-Aktien lohnt, einen Blick auf den Beipackzettel zu werfen. Denn während der bereits 1870 gegründet Laborzulieferer Sartorius seit Jahrzehnten durch Übernahmen und Expansion wächst und zudem als Corona-Profiteur gilt, hat die Siemens Tochter mit Gegenwind zu kämpfen. Grund dafür waren im vergangenen Geschäftsjahr höhere Kosten sowie ein Gewinneinbruch in der Labordiagnostik-Sparte, weil Kliniken und Ärzte Routine-Untersuchungen mit Bluttests wegen der Pandemie verschoben hatten.

Trotz der aktuellen Unwägbarkeiten gibt sich Siemens Healthineers optimistisch und will im laufenden Geschäftsjahr 2020/21 wieder Wachstum generieren. Der Umsatz soll dann auf vergleichbarer Basis um fünf bis acht Prozent zulegen. Aber: In dieser Prognose ist die teure Übernahme des US-Krebsspezialisten Varian noch nicht enthalten. Die Göttinger wollen die angekündigte 16,4 Milliarden Dollar schwere Akquisition in der ersten Jahreshälfte 2021 über die Bühne bringen. Allerdings verfügt die junge Siemens-Tochter nicht über ausreichend Kapital, um eine derart teure Übernahme aus eigener Kraft zu stemmen. Deshalb soll der Deal in etwa je zur Hälfte über Kredite und eine Kapitalerhöhung finanziert werden.

Auch wenn die Siemens-Tochter zu den prominenten Vertretern der wachstumsstarken Medizintechnikbranche zählt, sollten Investoren - wie im Übrigen bei allen Unternehmen mit kurzer Firmen- und Börsenhistorie - Vorsicht walten lassen. Zumal es mit dem Medizintechnik-Champion Sartorius eine hervorragende, langfristig erfolgreiche Branchen-Alternative gibt, in die Anleger über den BCDI und den BCDI Deutschland investieren können! Welche insgesamt 100 boerse.de-Aktienbrief Champions seit mindestens zehn Jahren “gesunde” Renditen und geringe Rücksetzer aufweisen, erfahren Sie in Ihrer aktuellen Aktienbrief-Gratisausgabe.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

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