ThyssenKrupp vor den Zahlen: Kommt morgen die böse Überraschung?

Montag, 11.02.19 12:18
Die ThyssenKrupp-Aktie zählt mit einer Performance von -36 Prozent innerhalb der vergangenen 12 Monate zu den “Kapitalvernichtern” im Dax - knapp hinter Covestro, Continental und der Deutschen Bank. Und ThyssenKrupp-Anleger brauchen morgen möglicherweise erneut “stahlharte” Nerven, wenn der Industriekonzern Zahlen zum jüngsten Quartal präsentiert. Unternehmenschef Guide Kerkhoff räumte zwar bereits während der Hauptversammlung vor rund einer Woche ein, dass ThyssenKrupp ein schwieriges Jahr hinter sich hat, blickte aber dennoch optimistisch in die Zukunft: “Wir wissen, was zu tun ist”, meinte Kerkhoff, aber: “Das wird ein Kraftakt”.

Stahlriese in der Krise
Die meisten Analysten rechnen damit, dass ThyssenKrupps Quartalsumsatz im Vergleich zum Vorjahr zurückging: In den drei Monaten bis Ende 2018 soll der Industriekonzern 8,46 Milliarden Euro erwirtschaftet haben - das entspräche einem Minus von 13,77 Prozent im Vergleich zum Vorjahresviertel, in dem 9,82 Milliarden Euro in den Büchern standen.

Mit dieser zu erwartenden, schwachen Bilanz ist ThyssenKrupp zumindest nicht allein. Auch Branchenkollegen Voestalpine, Acerinox und Salzgitter präsentierten in den vergangenen Tagen enttäuschende Geschäftszahlen, die Aktienkurse branchenweit unter Druck setzten.

Die Stahlindustrie leidet unter der rückläufigen Nachfrage vonseiten der schwächelnden Automobilbranche, sowie der unerwarteten Konjunkturabkühlung in China. Zwar ist ThyssenKrupp vergleichsweise breit aufgestellt (u.a. mit Stahlverarbeitung, autonomen Autos, U-Booten, Windturbinen, Aufzügen und Zementfabriken) und ist damit etwas weniger konjunkturabhängig, als andere Industriekonzerne. Doch ThyssenKrupps Größe und Konglomerats-Struktur kennen auch Nachteile. Der Dax-Konzern ist dadurch nämlich schwerfällig und langsam geworden. Zwei gravierende Wettbewerbsnachteile, die aktivistische Investoren und Konzernchef Kerkhoff mittels einer Unternehmens-Aufspaltung in Vorteile verwandeln wollen.

Allheilmittel Aufspaltung?
Unter dem Motto: “Getrennt sind wir stärker” warb Guido Kerkhoff bereits im Rahmen der Hauptversammlung für Krupps’ Kernspaltung. Er selbst sowie die zwei aktivistischen Investoren Lars Förberg (Cevian) und Paul Singer, Kopf des US-Fonds Elliott, glauben, dass die einzelnen Teile des Unternehmens in der Summe mehr wert sind als der Gesamtkonzern. Daher fordern sie die Zerschlagung des Dax-Konzerns in einen Werkstoff- und einen Industriegüterkonzern, die jeweils eigenständig und börsennotiert sein sollen. Gleichzeitig sollen Strukturen vereinfacht werden was dazu führen könnte, dass sich einzelne Geschäftsbereiche dynamischer entwickeln und gleichzeitig attraktiver für Investoren werden. Momentan müssen Anleger noch in den gesamten ThyssenKrupp-Apparat investieren. Nach der möglichen Spaltung könnten Investoren ihr Kapital selektiv in die für sie interessantesten Geschäftsbereiche stecken.

Ob es tatsächlich zur Teilung kommt, wird zwar erst auf der Hauptversammlung 2020 entschieden, doch der aktuelle Zeitplan des Managements ist da schon einen Schritt weiter: Er sieht vor, dass beide Unternehmensteile schon im Oktober ihre operative Arbeit aufnehmen.
 
Sie sehen schon, liebe Leserinnen und Leser, ThyssenKrupp hat noch einen langen und möglicherweisen steinigen Weg vor sich und es bleibt abzuwarten, ob die geplante Abspaltung ihren Zweck erfüllen wird. Bis dahin müssen Sie sich in Geduld üben  - oder den Gratis-Sonderreport “Top-Investment-Chancen 2019” des Rosenheimer-Börsenteams lesen! Darin verraten Ihnen meine Kollegen ihre zehn Investment-Favoriten fürs laufende Jahr, zu denen auch ein Turnaround-Kandidat mit 357% Potential zählt!
 
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