Vietnam: weit vom Hoch entfernt

Dienstag, 22.07.08 08:43

Vietnam galt jahrelang als bestes Beispiel hoher Gewinne bei exotischen Börsen. Über 80 Millionen Einwohner und ein prognostiziertes Wirtschaftswachstum von rund acht Prozent bis über das Jahr 2010 hinaus haben die Anleger zu irrationalen Bewertungen hinreißen lassen. Doch die Kapitalzuflüsse, sowie stark gestiegene Rohstoffpreise haben das Land kurzfristig in eine inflationäre Krise getrieben, die an der Börse zu einem regelrechten Kollaps führte. Innerhalb weniger Monate brach der VN-Index –Vietnams Leitindex – vom Hoch bei über 1.100 Punkten auf unter 400 Zähler ein. Vietnams Börse war somit einer der größten Verlierer im ersten Halbjahr 2008.

Das Rekordhoch bei der Inflation von sage und schreibe 25 Prozent im Monat Mai hat dem ehemaligen Börsenstar den Rest gegeben. Aber es ist symptomatisch für die Börse: vom einem Extrem ins Andere. Rund 70 Prozent Kursverlust spiegelt nicht mehr die Realität wider. Denn Vietnam hat mit der überaus hohen Inflationsrate sicherlich ein großes Problem, wobei das Wachstum jedoch stabil bleibt. Die ausländischen Unternehmen flüchten nach wie vor in das Billiglohnland. Und eine Abkühlung ausländischer Direktinvestitionen kann dem Land nur zu Gute kommen. Denn die Direktinvestitionen haben Vietnam mit frischem Kapital überschwemmt. Die Börse wurde durch gewaltige Kapitalmassen überschwemmt. Der Markt hatte eine Bereinigung bitter nötig. Und dies sehen wir nun als Anlass, den überverkauften Markt wieder positiv zu sehen.

Die Zahlen sprechen – mit Ausnahme der Inflation – weiterhin für Vietnam. Um der gewaltigen Inflationsgefahr entgegenzuwirken, wurde der Zinssatz auf 14 Prozent angehoben. Der Industrie-Output stieg im ersten Halbjahr um 16,5 Prozent. Im zweiten Halbjahr wird eine Abschwächung des Handelsbilanzdefizits erwartet. Im ersten Halbjahr war das Handelsdefizit auf einem Rekordhoch von 16,9 Milliarden US Dollar. Allerdings sind die Importe größtenteils auf die ausländischen Unternehmen bezogen, die hohe Maschinenkäufe tätigen. Deshalb ist die Entwicklung nicht unbedingt negativ zu sehen. Denn die Investitionen bieten der gesamten Volkswirtschaft langfristiges Aufwärtspotenzial.

Fazit: Der Crash an der Börse Vietnam ist eine ähnliche Übertreibung wie die Boomphase. Die inflationäre Krise dürfte durch die hohen Zinsen sowie den Rückgang von Direktinvestitionen eingedämmt werden. Das Wachstumspotential Vietnams bleibt weiterhin bestehen und dürfte mit dem erwarteten Wirtschaftswachstum von über 6 Prozent noch jahrelang anhalten. Investitionen in die Börse Vietnam dürften sich bei einer global besseren Stimmung wieder lohnen. Wie zuletzt gesehen, nutzen bereits erste Händler die niedrigen Kurse zum Einstieg. Einige Brokergesellschaften gehen von einem Rebound bis mindestens 550 bis 600 Punkte in diesem Jahr aus. Langfristig scheinen sich die Banker darüber einig zu sein, dass eines Tages das alte Hoch wieder überwunden wird.

Über den Autor: Rainer Hahn ist Handels-Manager, Wirtschafts-Wissenschaftler und anerkannter Asien-Experte. Im Börsenverlag zeichnet sich Rainer Hahn mitverantwortlich für „Asien-Trends“. Gemeinsam mit Gerhard Heinrich erhalten Sie dort konkrete Anlageempfehlungen für die dynamisch wachsende Wirtschaftsregion Asien. Weitere Informationen finden Sie hier.

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