Vollgas für Qualitätstitel

Freitag, 06.10.06 09:07
Sehr geehrte Privatanleger,

Wo stehen wir Anfang Oktober 2006? Kann sich die Rallye fortsetzen, nachdem die meisten Titel den Kurseinbruch von Frühjahr überwunden haben?

Value-Investoren versuchen nicht, makroökonomische Größen vorherzusagen, weil sie dies als Zeitverschwendung ansehen. Bestenfalls machen Sie sich ein Bild über die wahrscheinlichen langfristigen Trends bei den Zinssätzen und der Inflationsrate. Sie konnten zum Beispiel im Sommer 2006 argumentieren, dass nach 25 Jahren fallenden Zinsen und Inflationsraten langsam der Wendepunkt erreicht war und diese Größen nun tendenziell wieder steigen würden. Obwohl dies plausibel ist, ist es keinesfalls sicher: gemessen an den Zinssätzen und Inflationsraten des neunzehnten Jahrhunderts waren die entsprechenden Größen im Jahr 2006 durchaus noch durchschnittlich bis leicht überdurchschnittlich.

Sie können aber die Renditen der lang laufenden Anleihen mit den Renditen des Aktienmarktes vergleichen. Graham hierzu: „Bei Aktien die unter normalen Bedingungen zu Investmentzwecken gekauft werden, liegt die Sicherheitsmarge darin, dass die Gewinnrendite deutlich über der Rendite der entsprechenden Anleihen liegt.“

In der 1972er Ausgabe von The Intelligent Investor führt er hierzu aus: „In früheren Ausgaben haben wir die folgenden Zahlen herangezogen: Nehmen Sie an, dass in einem typischen Fall die Gewinnrendite (= ungekehrtes KGV = Gewinne durch Kurse) 9% beträgt und die Rendite der Anleihen 4%. Dann hat der Aktieninvestor einen jährlichen Renditevorteil von 5%... das ist eine erhebliche Sicherheitsmarge… Das Investieren in normalen Aktien ist unter diesen Bedingungen nicht besonders schwer und man benötigt keine besonders hochwertigen Einsichten und Voraussichten um erfolgreich zu sein… Das Problem unter den Bedingungen von 1972 liegt in der Tatsache begründet, dass die Gewinnrendite nun deutlich geringer als 9% ist. (…und die Anleihenrenditen höher als 4% waren, Anm. d. Verf.)… Der Investor täte gut daran, so gelassen wie er kann, zu erkennen und zu akzeptieren, dass das alte Paket von guten Gewinnmöglichkeiten bei letztlich geringen Risiken (am Aktienmarkt, Anm. d. Verf. nicht mehr länger verfügbar ist.“
Graham, der kurz darauf starb, bewies mit diesen Zeilen wieder einmal sein untrügliches Gespür für den Aktienmarkt: in den Jahren 1973 und 1974 brach der Dow Jones Index massiv ein.

Für den DAX und den Eurostoxx ist so etwas nicht zu erwarten: Im Herbst 2006 lagen die Gewinnrenditen des deutschen Aktienmarktes bei ca. 8%, die Umlaufrenditen der Anleihen bei unter 4%: für den deutschen Investor war 2006 – trotz eines Anstiegs des DAX um 170% seit März 2003 – das schöne Paket von guten Gewinnchancen bei letztlich geringen Risiken noch verfügbar.

Mittelfristig steigen die Risiken, wie ich in meinem Beststeller „Der Crash kommt“ ausgeführt habe.

In den nächsten Monaten heißt es aber: Vollgas für Qualitätstitel wie z.B. die Champions-Aktien von boerse.de!

Erfolgreiche Investments wünscht Ihnen Ihr

Prof. Dr. Max Otte



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