Was Frauen und Männer beim Investieren voneinander lernen können

Donnerstag, 29.01.26 17:16
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,  
laut dem Deutschen Aktieninstitut (DAI) waren im vergangenen Jahr 14,1 Millionen Deutsche in Aktien, Aktienfonds und aktienbasierten ETFs investiert. Die Verteilung zwischen den Geschlechtern zeigte dabei, wie bereits in den Jahren zuvor, leider (noch) ein Ungleichgewicht: 5,4 Millionen Anlegerinnen stehen 8,7 Millionen Anleger gegenüber.

Die Frauen holen jedoch auf. Rund eine Million Börsianerinnen kamen 2025 neu hinzu, das ist ein Plus von 24% gegenüber dem Vorjahr. Bemerkenswert ist vor allem die Trendwende, 2024 war die Zahl der Aktionärinnen leider gesunken.

Mich freut das sehr, denn unter dem Motto „Die Zukunft der Börse ist weiblich“ rühre ich schon seit einiger Zeit bei meinen Geschlechtsgenossinnen die Werbetrommel für den langfristigen Vermögensaufbau mit Aktien. Immer mehr Frauen erkennen, wie wichtig das gerade im Hinblick auf die Altersvorsorge ist. Mittlerweile stoße ich auch zunehmend auf spürbares Interesse, sobald das Thema Börse zur Sprache kommt, besonders bei jungen Frauen. Das war vor 25 Jahren noch ganz anders.

Die Studienlage: Frauen erzielen bessere Renditen

Dabei scheinen Anlegerinnen einen Startvorteil zu haben. Mehrere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Frauen beim Investieren bessere Renditen als Männer erzielen. In den mir bekannten Untersuchungen liegt die Spannweite des Vorsprungs zwischen 0,4 Prozentpunkten und 1,8 Prozentpunkten pro Jahr.

Obwohl die Unterschiede in absoluten Zahlen gering wirken, entfalten sie durch den Zinseszinseffekt langfristig eine beeindruckende Wirkung. 7,4% statt 7,0% Rendite p.a. führen über 30 Jahre bei gleichem Startkapital zu einem um rund 12% höheren Endvermögen. Ein Renditeplus von 1,8 Prozentpunkten – also 8,8% statt 7,0% per annum – würde den Vermögensunterschied sogar auf etwa 65% anwachsen lassen. Als Erklärung für diesen Vorsprung werden mehrere Faktoren diskutiert:

Vorsicht als Renditevorteil

Frauen sind im Schnitt vorsichtiger. Viele Untersuchungen aus der Verhaltensökonomie zeigen, dass Anlegerinnen tendenziell risikoaverser investieren. Entscheidungen werden seltener aus einem Impuls heraus getroffen. Frauen scheinen sich auch weniger häufig zu überschätzen und streuen ihre Anlagen breiter. Männer sind bezüglich ihrer Kenntnisse über Finanzen und Geldanlage selbstbewusster, was riskantere Entscheidungen begünstigen kann.

Allerdings entfaltet Vorsicht ihren positiven Effekt nur dann, wenn sie mit einer grundsätzlichen Bereitschaft verbunden ist, am Kapitalmarkt teilzunehmen. Wird sie so stark, dass Aktien dauerhaft gemieden oder Schwankungen nicht ausgehalten werden können, kann sie zum Bremsklotz für den Vermögensaufbau werden. Übrigens: Deshalb mag ich ausschüttende Unternehmen so gern. Regelmäßige, bestenfalls stetig steigende Dividenden helfen mir, auch bei Kursrücksetzern gelassen zu bleiben.

Geduld als Erfolgsfaktor

Studien zeigen weiterhin, dass Frauen häufiger mit mehr Geduld an das Investieren herangehen und langfristig investieren, zum Beispiel für die Altersvorsorge oder für die Kinder. Sie nähern sich dem Thema Börse im Schnitt eher nüchterner und zweckorientierter.

Auf der anderen Seite gibt es Hinweise darauf, dass Männer im Schnitt mehr Freude an Wettbewerb und kurzfristigem Feedback haben. Das begünstigt die Tendenz, mit dem Portfolio zu „spielen“. Anleger nehmen deutlich häufiger Veränderungen im Depot vor, was zu Lasten der Rendite gehen kann.

Ich fände es allerdings schade, wenn grundsätzlich das Vergnügen am Investieren hinderlich wäre. Dieses empfinde ich nämlich auch. Vom nun frisch in den Ruhestand versetzten Warren Buffett ist bekannt, dass er jeden Morgen „stepptanzend“ ins Büro gekommen und voller Freude seiner Tätigkeit nachgegangen ist. Ich weiß nicht, wie die Investmentlegende seinen Spieltrieb befriedigt hat, vielleicht genügt ihm eine regelmäßige Partie Bridge. Ich löse das „Problem", indem ich mein Hauptdepot im Wesentlichen in Ruhe lasse und mit einem kleinen Teil meines Kapitals einen der BOTSI-Trading-Dienste nutze, zum Beispiel den boerse.de-Trendinvestor Technologie-Aktien.

Sind Frauen wirklich die besseren Investoren?

Langfristiger Börsenerfolg hängt nicht vom Geschlecht ab, sondern davon, wie gut jemand die grundlegenden Prinzipien des sinnvollen Investierens umsetzt. Studien zeigen zwar, dass Frauen im Durchschnitt Verhaltensmuster aufweisen, die den Anlageerfolg begünstigen, etwa geringere Selbstüberschätzung und vorsichtigeres Handeln. Genau diese Prinzipien verkörpert aber auch Warren Buffett, der seit Jahrzehnten betont, wie entscheidend das richtige Temperament beim Vermögensaufbau ist. Geduld, Disziplin, ein langer Atem und die Fähigkeit, sich nicht von Stimmungen anstecken zu lassen, prägen den Ansatz von Berkshire Hathaway bis heute und werden es sicherlich auch unter der neuen Führung unter Greg Abel tun. Für Buffett war Investieren nie ein Wettlauf um schnelle Gewinne, sondern die Beteiligung an hochwertigen Unternehmen, deren Stärke sich über viele Jahre hinweg voll entfaltet.

Ganz grundsätzlich sind Qualitätsaktien eine hervorragende Möglichkeit, für die Zukunft vorzusorgen. Ganz gleich, welches Ziel Sie verfolgen – die Finanzierung des Ruhestands, die Ausbildung der Kinder oder finanzielle Unabhängigkeit – Unternehmensbeteiligungen helfen, das passende Vermögen aufzubauen. Frauen scheinen einen Startvorteil für den Erfolg an der Börse zu haben, den sie noch zu wenig ausnutzen. Dazu kann ich nur mit Erich Kästner sagen: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“

Bei der Auswertung des DAI für das Jahr 2026 würde ich gern sehen, dass die Zahl der Aktionäre für beide Geschlechter weiter gewachsen ist. Unsere Angebote können dabei helfen:

Wir machen Sie fit für die Börse

Wer jetzt Lust bekommen hat, in Einzelaktien zu investieren, aber bei der Auswahl geeigneter Werte unsicher ist, sollte einen Blick auf den boerse.de-Aktienbrief werfen, dessen aktuelle Ausgabe Sie hier kostenlos und unverbindlich lesen können. Anfänger und auch fortgeschrittene Investoren finden zudem im „Leitfaden für Ihr Vermögen“ umfassende Informationen zum Thema Börse.

Ich bin begeisterte Dividendeninvestorin. Hochwertige Unternehmen, die ihre Gewinne Jahr für Jahr steigern und ihre Aktionäre direkt daran beteiligen, sorgen für laufende Erträge im Depot. Falls Sie meine Leidenschaft teilen: Der boerse.de-Aktienbrief eignet sich hier ebenfalls als ausgezeichneter Fundus, denn die überwiegende Mehrheit der Champions schüttet Gewinne aus.

Eine Alternative bietet der boerse.de-Dividendenfonds. Dieser investiert mit einem kombinierten Anlagekonzept in Aktien, die sich durch eine hohe Stabilität im Kursverlauf sowie eine attraktive Dividendenpolitik auszeichnen. Anleger und Anlegerinnen können zwischen einer thesaurierenden und einer ausschüttenden Variante wählen. Die Besonderheit bei der ausschüttenden Tranche liegt darin, dass quartalsweise jeweils ein Prozent ausbezahlt wird.

Auf gute Investments!

Ihre
Katja Zacharias

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