WeWork: Ein Tech-Börsengang mit vielen Fragezeichen

Montag, 09.09.19 15:38
 
Der Büroraum-Vermieter WeWork startet Medienberichten zufolge heute mit einer “Roadshow”, um Investoren für den in Kürze erwarteten Börsengang zu begeistern. Oder besser gesagt: für einen “Börsengang-Light”. WeWork strebt nämlich eine Bewertung von “nur” 20 bis 30 Milliarden Dollar an und damit deutlich weniger, als die 47 Milliarden Dollar, mit denen das StartUp bei der letzten Finanzierungsrunde Anfang des Jahres beziffert wurde. Wobei böse Zungen sogar munkeln, dass die abgespeckte Bewertung sich der Realität langsam annähert.

Der Börsen-Aspirant steht zweifelsohne vor einer schwierigen Mission - und das aus mehreren Gründen…

WeWork wächst, aber...
Da wäre zum einen die fragwürdige Geschäftsentwicklung des amerikanischen StartUps: Aus einem der Börsenaufsicht SEC vorliegenden Dokument geht hervor, dass WeWork allein im ersten Halbjahr 2019 einen Verlust von 1,4 Milliarden Dollar ausgewiesen hat. Die Ausgaben waren mit 2,9 Milliarden Dollar nämlich fast doppelt so hoch, wie die Einnahmen (1,5 Milliarden Dollar).

Potenzielle Investoren sollten sich von den tiefroten Zahlen selbstverständlich nicht abschrecken lassen, sondern nach dem Prinzip Hoffnung kaufen, denn: WeWorks Wachstumsraten sind geradezu astronomisch. Nach zwei Büro-Standorten im Jahr 2010 zählt der Vermieter jetzt 831 Objekte in 125 Städten rund um den Globus.

Neben der teuer erkauften Expansion werden auch immer mehr Zweifel am Geschäftsmodell der Amerikaner laut. Das Anmieten und Aufhübschen von Büroflächen, die mit “Services” (Reinigungsdienst, Networking…) garniert dann an Einzelpersonen oder Unternehmen als “Co-Working-Spaces” weitervermietet werden, ist zwar relativ neu aber leicht zu kopieren. Die Eintrittsbarrieren für potenzielle Konkurrenten sind dementsprechend niedrig.

Einhorn-Sippenhaft
Rote Zahlen und fragwürdige Geschäftsmodelle kennen wir bereits von zwei weiteren Vertretern der “Shared Economy”, die ihren Börsengang bereits hinter sich haben: Die Aktien der Mitfahr-Anbieter Uber und Lyft erzielten seit dem IPO 2019 Verluste von -29 Prozent bzw. -43 Prozent. Beide “Unicorns” (StartUps mit einer Milliarden-Bewertung) schreiben wie WeWork noch stets rote Zahlen und bewegen sich in einem Markt, dessen Entwicklung nicht vorhersehbar ist. Die herrschenden Rahmenbedingungen sowie die schlechte Performance von Uber und Lyft verunsichert IPO-Investoren zu Recht und könnte den WeWork-Börsengang deshalb in “Sippenhaft” nehmen.

Kein Wunder, dass die Unternehmensführung an einem “Plan B” arbeitet. Angeblich soll Adam Neumann, Mitbegründer und Chief Executive von WeWork, vergangene Woche nach Tokio gereist sein, um sich mit dem größten Investor Softbank zu treffen. Dabei ging es wohl darum, ob der japanische Tech-Konzern noch mehr Geld in das StartUp steckt. Dies würde WeWork erlauben, erst 2020 an die Börse zu gehen.

Wenn es denn zum IPO kommt, sollten Anleger WeWork jedoch allenfalls als (hoch)spekulative Depotbeimischung sehen. Für den erfolgreichen Vermögensaufbau gibt es dagegen eine wesentlich bessere (sprich: langfristig reditestarke) Alternative! Mit den 100 boerse.de-Aktienbrief-Champions, die Sie in Ihrem Gratis-Exemplar nachlesen können, investieren Sie ausschließlich in die laut Performance-Analyse erfolgreichsten Aktien der Welt!

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de
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