Die langfristige Bedeutung der Dividende

Die Performance-Analyse hilft uns bei der Suche nach den 100 Aktien mit den langfristig vielversprechendsten Chance-Risiko-Profilen. Als angenehmer Nebeneffekt filtern wir damit auch einige echte Dividendenperlen heraus, was gerade bei einem langen Anlagehorizont erhebliche Zusatzrenditen verspricht.

Dividenden-Würfel auf Münzstapel
 
In den kommenden Wochen wird das Dividendenthema wieder verstärkt in den Fokus der Finanzpresse rücken. Denn Schätzungen zufolge kletterten die Gewinnausschüttungen der börsennotierten deutschen Unternehmen abermals auf einen neuen Rekordstand. So rechnet die Dekabank mit einem Anstieg auf 52,4 Milliarden Euro, wobei allein auf die 30 im Dax gelisteten Unternehmen die Rekordsumme von 38 Milliarden Euro entfallen dürfte. In diesem Zusammenhang wird dann auch sicher schnell wieder die Schlagzeile „Dividenden sind die neuen Zinsen“ die Runde machen. Dabei sollten Sie wissen:

Allein aus Renditesicht mag dieser Spruch angesichts des anhaltenden Niedrigzinsniveaus passend erscheinen. Denn während selbst Bundesanleihen mit einer zehnjährigen Laufzeit derzeit gerade einmal 0,25% abwerfen, winken bei den Dax-Konzernen im Schnitt 3,6% Dividendenrendite. Diese Kennzahl ergibt sich, indem die Dividende je Aktie durch den Kurs geteilt und das Ergebnis mit 100 multipliziert wird. Ein konkretes Beispiel:
 
Dividendenrendite =
Dividende / Kurs aktuell
x 100
 
Der im Dax gelistete Software-Champion SAP schüttet an seine Aktionäre schon seit dem Börsengang im Jahr 1988 eine Dividende aus. Den Vorschlag für die diesjährige Dividende wird SAP voraussichtlich in Kürze bekanntgeben, weshalb wir im Rechenbeispiel die letztjährige Ausschüttung von 1,40 Euro je Aktie berücksichtigen. Bei einem aktuellen Kurs von 91,93 Euro entspricht das einer Dividendenrendite von 1,40 : 91,93 * 100 = 1,5%. Doch:
 

Auf den Einstieg kommt es an


1,40 Euro Dividende je Aktie erhalten alle Aktionäre, ganz egal, wie lange sie ihre SAP-Aktien schon im Depot haben. Wer bspw. bereits  Ende 2014 eingestiegen ist, erzielt inzwischen eine Ausschüttungsrendite von 2,4%. Denn damals mussten nur 58,34 Euro je SAP-Aktie bezahlt werden. Und zum 2008er-Ultimo notierte der Software-Champion sogar bei lediglich 25,05 Euro, sodass sich Käufer von damals heute über eine „persönliche Dividendenrendite“ von 5,6% freuen können. Die Berechnung erfolgt ganz einfach, indem in der Formel statt des aktuellen Kurses der individuelle Kaufkurs berücksichtigt wird.
 
Persönliche Dividendenrendite =
Dividende / Einstiegskurs
x 100
 
Die große Abbildung zeigt die Entwicklung der persönlichen Dividendenrendite für SAP-Aktionäre in den vergangenen Jahren, und Sie erkennen: Wer mit einem langfristig ausgerichteten Anlagehorizont investiert – den wir bekanntlich auch im Aktienbrief verfolgen –, für den spielt die anfängliche Dividendenrendite daher gar keine so große Rolle.
 
Balkenchart mit der Entwicklung der persönlichen Dividendenrentide am Beispiel SAP
Quelle: Eigene Berechnung, Stand 13.02.2019
 
Vorausgesetzt, die Dividenden werden regelmäßig ausgeschüttet und dabei auch immer wieder angehoben. Denn im Gegensatz zu den Zinsen von Anleihen sind Dividenden nicht garantiert. Wenn es bei einem Unternehmen wirtschaftlich schlecht läuft, kann die Ausschüttung durchaus auch gekürzt – wie z.B. die Aktionäre von Daimler gerade mitgeteilt bekamen – oder sogar ganz gestrichen werden. So gehen Anleger bspw. bei der Commerzbank schon seit 2016 komplett leer aus, während unser Software-Champion SAP seit 31 Jahren durchgehend zahlt und die Dividende dabei in der zurückliegenden Dekade im Schnitt um 11% p.a. erhöhte. Die Folge davon:
 

Die „Magie der Dividende“

Im Lauf der Jahre kommt für Langfristanleger dadurch ein beachtlicher Zusatzertrag zustande. Das Aktienpaket eines Anlegers, der Ende 2008 bspw. 10.000 Euro in SAP investierte, wäre heute 37.129 Euro wert. Zusätzlich sind seitdem – wenn wir die Abgeltungsteuer bei diesem Beispiel einmal außen vor lassen – 3574 Euro an Dividenden gutgeschrieben worden, was zusammen schon 40.703 Euro ergibt. Und es geht sogar noch besser. Denn:
 
Ein cleverer Anleger, der sich die „Magie der Dividende“ zunutze machte und sämtliche Ausschüttungen direkt in den Kauf zusätzlicher SAP-Aktien reinvestierte, hätte aus seinem 10.000-Euro-Investment bis heute sogar 43.160 gemacht. Sie sehen:

Bei einem langfristigen Anlagehorizont stellen die Dividenden – insbesondere wenn sie regelmäßig reinvestiert werden – im Lauf der Zeit einen immer bedeutenderen Renditeanteil dar. Nichtsdestotrotz empfehlen wir auch dividendenorientierten Anlegern, sich konsequent auf Qualitätswerte zu konzentrieren. Denn auch wenn unser Fokus bei der Performance-Analyse auf der Analyse des langfristigen Kursverlaufs liegt, fischen wir dabei quasi als Beifang zahlreiche Champions heraus, die gleichzeitig auch durch ihre Dividenden überzeugen.
 
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im boerse.de-Aktienbrief Nr. 442/2019 veröffentlicht. Wenn Sie den aktuellen boerse.de-Aktienbrief kostenlos lesen möchten, klicken Sie bitte hier.

Über den Autor:

Jochen Appeltauer ist boerse.de-Aktienbrief-Chefredakteur. Der boerse.de-Aktienbrief ist der große deutsche Börsenbrief für den langfristigen Vermögensaufbau mit den laut Performance-Analyse 100 besten Aktien der Welt.

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