Devisen

Devisen sind eine häufig vernachlässigte Anlageklasse, da die meisten Menschen beim Geldanlegen kaum an andere Währungen denken. Dabei sind Investments in fremden Währungen gar nicht selten, denn wenn Sie eine ausländische Aktie (außerhalb der Eurozone), einen Investmentfonds oder ETF kaufen, der außerhalb der Eurozone anlegt, tätigen Sie automatisch ein Investment in einer fremden Währung.

 

Vielen Anlegern ist diese Tatsache gar nicht bewusst, da auch ausländische Aktien oder Fonds in Deutschland in Euro an der Börse notiert werden. Hinter der Euronotierung verbirgt sich aber tatsächlich die ausländische Währung, und Verwerfungen in den Devisenkursen können beträchtliche Auswirkungen haben. Denken Sie daher bitte daran, dass Sie selbst dann, wenn der Fonds in Euro ausgewiesen ist, bei Engagements außerhalb der Eurozone, immer ein Fremdwährungsrisiko eingehen.


Doch Währungen lassen sich auch ganz gezielt für Investments nutzen.

 

So ist es möglich, Gelder in unterbewertete Währungen zu investieren. Wenn die Währung von den Investoren »entdeckt« wird, kann sie erheblich steigen. Beispielsweise konnte der australische Dollar während der Wirtschaftskrise deutlich zulegen. Grund dafür ist, dass Australien über beträchtliche Rohstoffvorkommen und ergiebige Goldminen verfügt. In einer Krisenzeit kann dies ein Pluspunkt sein, der die Währung beflügelt. 

 

Länder, die hingegen durch Misswirtschaft und eine schlechte Wirtschaftspolitik auffallen, zeigen stark sinkende Währungskurse. Einzelne Länder können sogar dramatische Inflationsraten aufweisen.

 

Als Anleger können Sie profitieren, wenn Sie unterbewertete Währungen mit Potenzial kaufen und inflationsgefährdete Währungen verkaufen. Zwar können Anleger an den Devisenmärkten ganz gezielt handeln, aber wenn Sie nicht die Devisenanalyse zu Ihrem Full-Time-Job machen wollen, sollten Sie besser andere Anlagestrategien bevorzugen.

 

Der Devisenmarkt ist um ein Vielfaches größer als der gesamte weltweite Aktienmarkt und als alle Wertpapierbörsen der Welt zusammen. Anders als bei den herkömmlichen Börsen findet der Devisenhandel rund um die Uhr und auch an Feiertagen und Wochenenden statt.

 

Wenn Sie sich nicht in den Devisenhandel einarbeiten wollen und dennoch vom Potenzial der Währungen profitieren möchten, können Sie dies wesentlich einfacher mit Hilfe von ETFs umsetzen.

 

Bei den Währungen stehen folgende Strategien zur Verfügung

  • Bewertungsstrategien (Valuation Strategies)
  • Momentumstrategien
  • Carry-Trade-Strategien

Die Bewertungsstrategie besteht darin, unterbewertete Währungen zu kaufen und inflationsgefährdete Währungen zu verkaufen. Dies klingt zwar einfach, aber in der Realität ist es oft nicht einfach festzustellen, ob eine Währung über- oder unterbewertet ist. Selbst erfahrene Volkswirte tun sich schwer damit, Währungen richtig einzuschätzen, da eine Vielzahl von Faktoren den Devisenkurs beeinflusst.


Die Momentumstrategie setzt auf eine Trendfolge. Ist eine Währung in einem überschaubaren Zeitraum bereits deutlich gestiegen, geht man davon aus, dass sie auch in naher Zukunft weiter zulegen wird.

 

Eine unter Großinvestoren weit verbreitete Vorgehensweise ist der Carry Trade.

 

Der Carry Trade funktioniert folgendermaßen:

Stellen Sie vor, in einer Währung können Sie Geld für fast 0 Prozent Zinsen leihen. Die amerikanische Zentralbank, die Federal Reserve, hat den Leitzins während der schweren Wirtschaftskrise auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Jede Geschäftsbank in den USA kann sich daher viele Millionen zum Nulltarif besorgen.

 

Für Großinvestoren hingegen ist nahezu problemlos, sich zu so günstigen Konditionen Geld zu leihen. Auch in Japan sind die Leitzinsen während der Wirtschaftskrise auf Rekordniveau gesunken. Dieses Geld (US-Dollar oder japanische Yen) wird dann in Währungen angelegt, die hohe Zinsen aufweisen. Denkbar wären beispielsweise brasilianische Real oder türkische Lira, die in der Vergangenheit oft Zinsen von über 10 Prozent erbrachten.


Da der Anleger, die Differenz als Gewinn einstreichen kann (also 0 Prozent Kreditzins und 10 Prozent Anlagezinsen), spricht man von Zinsdifferenzgeschäften. Bevor Sie nun völlig erstaunt sind und das für eine märchenhafte Geldvermehrungsmaschine halten sollten, müssen Sie mehrere Dinge bedenken. Null Prozent Zinsen sind in der Wirtschaftsgeschichte eine absolute Sensation. Sie leben also in einem Zeitalter, in dem geradezu märchenhafte Konditionen herrschen. Aber ein solches Zinsniveau ist absolut einmalig – so etwas hat es in der jahrhundertelangen Wirtschaftsgeschichte nie gegeben, und ein solches Zinsdumping wird es auch in der Zukunft nicht mehr geben.


Natürlich funktioniert der Carry Trade auch, wenn Sie 1 oder 2 Prozent Zinsen für den Kredit bezahlen müssen, es gibt aber dennoch ein beträchtliches Risiko. Wenn der US-Dollar oder der Yen deutlich ansteigt, verringert sich der Zinsunterschied. Im schlimmsten Fall kann die Anlagewährung infolge einer Inflation oder Staatskrise drastisch einbrechen, so dass Sie hohe Verluste verbuchen. Währungen, die 10 Prozent Zinsen mit sich bringen, sind eben doch sehr unsicher. Daher setzen professionelle Anleger eher auf Währungen, die mit weniger Zinsen verbunden sind, aber dafür eine bessere Stabilität aufweisen. Lieblingswährung war in diese Sinne der australische und der neuseeländische Dollar.


Als Privatanleger werden Sie wohl kaum Millionen zum günstigsten Zinssatz erhalten. Doch das brauchen Sie nicht. Alle diese Währungsstrategien können Sie mit Hilfe von ETFs nachvollziehen, die alles für Sie erledigen. Obwohl viele Devisen-ETFs durchaus überzeugende Wertsteigerungen vorweisen können, sollten Sie immer bedenken, dass Währungsinvestments stets mit einem gewissen Risiko verbunden sind. Auch eine Carry-Trade-Strategie kann sehr schnell Verluste mit sich bringen, wenn der US-Dollar überraschend steigt oder eine Anlagewährung sich abschwächt oder einbricht.

 

Beispiele für Devisen-ETFs

 

Name ISIN Strategie
DB Bank Valuation LU0328473748 Bewertungsstrategie
DB Carry LU0328474126 Carry-Trade-Strategie
DB Currency Momentum LU0328474043 Momentum-Strategie
DB Currency Returns LU0328474472 Kombination der drei Strategien

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