Die Geschichte der ETFs

Die ersten ETFs kamen bereits in den 1970er Jahren in den USA auf den Markt. Pionier war die Investmentgesellschaft State Street Global Advisors, die bereits 1970 den ersten Indexfonds konstruierte.

 

Begründer der ETF-Idee sind die beiden Börsenexperten Louis Bachelier und Harry Markowitz. Bachelier hatte bereits um 1900 seine Forschungsarbeiten über den Aktienmarkt begonnen. Leider wurde  er von seinen Zeitgenossen völlig ignoriert und seine bahnbrechenden Erkenntnisse blieben Jahrzehnte lang völlig unbeachtet. Bachelier, der erkannt hatte, dass die Chance, an der Börse eine richtige Prognose zu erstellen, eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent hat, blieb in seiner Zeit ein Außenseiter, da »seriöse« Mathematiker sich damals nicht der Aktienanalyse widmeten. Er starb als verkanntes Genie in der französischen Provinz.

 

Erst in den 1950er Jahren wurde ein junger Student namens Harry Markowitz auf die Erkenntnisse Bacheliers aufmerksam. Er entwickelte den Ansatz weiter und begründete 1952 die moderne Portfoliotheorie, die bis heute die Finanzberatung bestimmt. Markowitz erhielt für seine Arbeiten später den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.

 

Im Kern sagt er Folgendes: Durch die Streuung von Geldanlagen ist es möglich, bei gleichen Renditechancen das Risiko zu verringern. Das Prinzip der Streuung (Diversifikation) wurde zur Grundregel ganzer Generationen von Anlageberatern. Eine breite Diversifikation wurde als die wichtigste Voraussetzung für ein sicheres Investment angesehen.

 

ETFs haben den Vorteil, dass sie es dem Anleger ermöglichen, die Investments breit zu streuen, denn einige Indizes bestehen aus Hunderten oder sogar Tausenden verschiedenen Wertpapieren. Kauft man zudem ETFs auf verschiedene Indizes, lässt sich eine noch viele breitere Streuung erreichen.

 

Obwohl Markowitz heute noch hohes Ansehen genießt, mehren sich die Stimmen, die sein Streuungsprinzip anzweifeln. Zu der Zeit, als Markowitz diese bahnbrechende Theorie entwickelte, sahen die Finanzmärkte anders als heute aus. Damals wurden vor allem Aktien gehandelt, und es gab noch keinen elektronischen Handel und keine Daytrader. Derivate, die in unseren Tagen einen Großteil der Umsätze ausmachen, waren praktisch unbekannt. In Deutschland gibt es Hunderttausende von Zertifikaten, aber nur rund 1000 deutsche Aktien. Heutzutage kann man mit CFDs oder Optionen handeln, und Börsengeschäfte innerhalb von Sekunden von zu Hause aus abwickeln. Die Kursschwankungen, die gegenwärtig auftreten, sind um ein Vielfaches höher als zu Markowitz\' Zeiten. Zwischen den Finanzmärkten von heute und denen der 1950er Jahre liegen Welten.

 

Und so ist es nicht verwunderlich, dass Markowitz\' Theorie nicht mehr uneingeschränkt vertreten wird. Die schweren Krisen nach dem Jahr 2000 haben gezeigt, dass auch breit gestreute Portfolios unter Druck gerieten. Selbst die breite Streuung über viele verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Immobilien oder Rohstoffe brachte nicht immer die gewünschte Sicherheit.

 

Als Fazit kann man festhalten:

Auch heute ist Streuung noch sehr wichtig, und ein ausgewogenes Portfolio, das auf mehrere marktbreite Indizes, Regionen und Anlageklassen setzt, ist weitaus sicherer und wertbeständiger als ein unausgewogenes Portfolio, das auf einzelne Aktien oder Zertifikate setzt. Aber das Prinzip der Streuung ist kein Garant mehr für eine angemessene Sicherheit, da die Finanzmärkte aufgrund der globalen Vernetzung und der vielfältigen Möglichkeiten des elektronischen Handels immer schwankungsanfälliger werden.

 

Der Entwicklung von Indexfonds leistet auch der Erkenntnis Vorschub, dass professionelle Fondsmanager nicht in der Lage waren, den Marktdurchschnitt zu übertreffen. Für Furore sorgte bereits 1967 ein Experiment des angesehenen US-Finanzmagazins Forbes. Die Redakteure warfen Dart-Pfeile auf das Kursblatt des Wall Street Journal und stellten aus den zufällig getroffenen Aktien ein Portfolio zusammen. Nach 17 Jahren berechnete man die durchschnittliche Rendite dieser »Dart-Auswahl« und kam zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass die Rendite bei über 9 Prozent jährlich lag und sogar besser abschnitt als der Durchschnitt des S&P500, der die 500 wichtigsten nordamerikanischen Aktien abbildet. Viele professionell gemanagte Investmentfonds konnten mit diesem Ergebnis nicht mithalten.

 

In der Finanzwelt setzte eine deutliche Ernüchterung ein, und man begann, die aktive Investmentstrategie kritischer zu hinterfragen. Die renommierten Finanzexperten William Sharpe und Bill Fouse entwickelten daraufhin 1971 den weltweit ersten Indexfonds mit dem Namen »Samsonite Pension Fund«. Der Fonds wurde auf Initiative von Samsonite Junior, dem Erben des bekannten Edelkoffer-Imperiums, entwickelt, der bei Markowitz sein Studium absolviert hatte. Dieser erste Indexfonds spiegelte die Wertentwicklung von 1500 Aktien wider, die zu dieser Zeit an der New Yorker Börse notiert waren. Anders als bei heutigen ETFs wurde der Nettoinventarwert nur einmal täglich berechnet.

 

Der wachsende Zuspruch ermutigte die beiden Pioniere John Bogle und Burton Malkiel eine eigene Investmentgesellschaft (Vanguard) zu gründen, die ausschließlich Indexfonds anbot. Der erste Indexfonds dieser Gesellschaft, der Vanguard 500, wurde gleich zu einem Publikumsmagneten und führte dazu, dass viele Pensionsfonds sich dem passiven Investieren zuwandten.


1987 wurde das Angebot an Indexfonds beträchtlich erweitert. Damals hießen die Indexfonds noch nicht ETFs, sondern wurden als Cash Index Participations (CIPs) und Index Participation Shares (IPS) bezeichnet, die an der American Exchange (AMEX) und an der Börse in Philadelphia notiert waren.

 

In Deutschland wurde der erste Indexfonds, der CB German Index Fund, auf den deutschen Aktienmarkt herausgebracht. Das Angebot richtete sich zunächst nur an institutionelle Investoren und stammte von einer in Luxemburg ansässigen Tochtergesellschaft der Commerzbank.

 

1990 erhielten die Gründerväter und Initiatoren des passiven Investierens, Harry Markowitz, Merton Miller und William Sharpe, den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften, der ihr Lebenswerk auszeichnete. In vielen Ländern setzte damit auch ein stärkeres Bewusstsein für die Vorteile passiv ausgerichteter Indexfonds ein.


Standard & Poor\'s emittierte erst 1993 einen Indexfonds in den USA, den Standard & Poor\'s Depositary Receipt, der im Fachjargon »Spider« hieß. Diese Indexfonds konnten sich zuerst in den USA durchsetzen, wo vor allem institutionelle Investoren sich dieser neuen Anlageform bedienten. Noch vor einigen Jahren fand der Handel dieser Indexfonds an der American Stock Exchange (AMEX) statt. Da die Umsätze jedoch zu gering waren, wurde der Handel an die New York Stock Exchange (NYEX) verlagert, die eine wesentlich höhere Liquidität aufweist.

 

Im Jahre 1996 kamen die ersten ETFs auf dem Markt, die die Performance einzelner Länder mit Hilfe von Baskets abbildeten.
Der eigentliche Durchbruch der Investmentidee erfolgte zur Jahrtausendwende, als ETFs in Deutschland, in der Schweiz, Schweden, Großbritannien und Israel zugelassen wurden. Es dauerte noch einmal vier Jahre, bis auch spezialisierte ETFs an den Kunden gebracht wurden. Zu den ersten branchenspezifischen Indexfonds zählten ETFs auf Immobilien, Gold und Emerging Markets.

 

Im Laufe der Jahre kamen immer neue Bereiche hinzu. So wurden 2005 ETFs auf die boomenden osteuropäischen Märkte und Südafrika eingeführt. Erstmals wurden auch ETFs konstruiert, die eine Anlagestrategie abbildeten. Im Zeitraum zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2007 verhundertfachte sich das Anlagevermögen in Indexfonds.

 

Indexfonds gehören zu den wichtigsten Anlageinstrumenten weltweit und haben starke Zuwächse zu verzeichnen. Sowohl in Europa als auch in den USA nimmt die Zahl der ETFs deutlich zu. 


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