Die Short-Strategie

Unter dem Fachbegriff »Shorten« versteht man, auf einen Kursrückgang zu setzen.

 

Im Prinzip haben Sie an den Börsen zwei Möglichkeiten:

 

Sie können auf steigende oder fallende Kurse spekulieren. Natürlich kann sich auch ein Markt längere Zeit seitwärts bewegen, doch langfristig gibt es an den Märkten immer ein Auf und Ab.

 

In der Vergangenheit hatten vor allem Privatanleger nur die Möglichkeit auf steigende Kurse zu setzen. So etwas nennt man eine Long-Strategie. Wenn Sie eine Aktie oder einen herkömmlichen Investmentfonds kaufen, gehen Sie automatisch davon aus, dass die Kurse steigen werden. Eine solche einseitige Anlagestrategie ist aber bedenklich, denn es gab lange Börsenphasen, in denen die Kurse vor allem fielen. Sie sollten sich also beide Chancen und beide Richtungen offen halten.

In den USA können Anleger schon seit vielen Jahrzehnten auch von fallenden Kursen profitieren, indem sie Aktien leer verkaufen, d.h. man kann Aktien verkaufen, die man gar nicht besitzt und so durch fallende Kurse Gewinne erzielen. Allerdings müssen diese leer verkauften Aktien erworben werden, wenn der Aktienkurs wider Erwarten steigen sollte.


In Deutschland ist der Leerverkauf von Aktien ein exotisches Instrument, und es gibt kaum eine Bank, die dies Privatanlegern anbietet. Und so dauerte es viele Jahrzehnte, bis Anleger auch hierzulande Shorten (auf fallende Kurse spekulieren) konnten. Inzwischen gibt es einige Offerten. Neben Optionen, die für Privatanleger schwer handelbar sind, da es kaum Banken gibt, die den Zugang zur Terminbörse Eurex ermöglichen, werden Optionsscheine, Zertifikate und neuerdings Short-ETFs angeboten.

 

Stellen Sie sich vor, der DAX fällt an einem Tag um 2 Prozent. Wenn Sie einen Short-ETF auf den DAX in Ihrem Depot haben, werden aus minus 2 Prozent plus 2 Prozent. Ein Short-ETF verwandelt einfach die Verluste in Gewinne. Umgekehrt gilt aber auch: Steigt der DAX um beispielsweise 2 Prozent, verliert Ihr Short-ETF 2 Prozent. Der Short-ETF verhält sich als spiegelbildlich.

 

Solche Short-ETFs sind sinnvoll, wenn Sie ein Wertpapierdepot, das bereits deutlich gestiegen ist, gegen einen Kurseinbruch absichern möchten. Eine solche Depotabsicherung nennt man in der Fachsprache »Hedging«, was im Englisch so viel wie »umzäunen« bedeutet.

 

Allerdings sollten Sie beachten, dass die Absicherung eines Wertpapierdepots in der Praxis oft nicht so einfach ist.

Der Grund:

Sie müssen die Zusammensetzung Ihres Portfolios berücksichtigen. Wenn Ihr Wertpapierdepot vor allem aus DAX-Werten wie Daimler, Siemens, Bayer, Deutsche Bank oder BMW besteht, kann ein Short-ETF auf den DAX Sie vor größeren Verlusten bewahren. Sind in Ihrem Portfolio aber bunt gemischte Aktien aus allen Ländern und etliche Nebenwerte enthalten, müssen die Positionen eigentlich einzeln abgesichert werden, was in der Realität kaum möglich ist, da es nicht so viele unterschiedliche Short-ETFs gibt. Auch die Absicherung mit Zertifikaten wäre in solch einem Fall schwierig.

 

Ein Wertpapierdepot vollständig abzusichern führt zu ziemlich hohen Kosten. Denn wenn das Depot weiter steigt, fällt natürlich Ihr Short-ETF in die Tiefe. Sicherheit und Rendite sind an den Finanzmärkten immer zwei unversöhnliche Gegner. Eine hohe Sicherheit bedeutet stets eine geringere Rendite, und eine hohe Rendite birgt ein hohes Risiko in sich. Short-Strategien können zwar Kursverluste abfedern, aber nicht vollständig verhindern.

 

In den letzten Jahren sind immer mehr Short-ETFs von den Emittenten auf den Markt gebracht worden, mit denen Sie ganz gezielt auf fallende Märkte setzen können. Wenn Sie nur Ihr Depot absichern möchten, sollten Sie darauf achten, dass die Zusammensetzung auch der Absicherung entspricht. Sie können nicht ein Portfolio, das aus chinesischen Aktien oder Technologiewerten besteht, mit einem Short-ETF auf den DAX hedgen. Für eine solch spezifische Absicherung eignen sich die breiter angelegten Short-ETFs nicht. Dennoch sind Sie ein nützliches Anlageinstrument. Wenn sich beispielsweise eine lang anhaltende Baisse ankündigt und die Aktienkurse in den Keller fallen, können Sie mit Short-ETFs gute Gewinne erzielen.

 

Allerdings sollten Sie eines beachten:

Short-ETFs eignen sich nur für kurzfristige Absicherungen und Short-Strategien. Langfristig weicht die Wertentwicklung erheblich von der berechneten Entwicklung ab. Der Grund dafür ist, dass Short-ETFs börsentäglich die Wertentwicklung abbilden.

 

Stellen Sie sich vor, dass am Montag der DAX um 2 Prozent fällt, am Dienstag steigt er um ein Prozent, und am Mittwoch fällt er um 3 Prozent. Dann schließt er bei minus 2 Prozent. Bei Short-ETFs erfolgt jedoch die Bewertung börsentäglich neu, so dass die Wertentwicklung sich von der berechneten (kontinuierlichen) unterscheidet.

 

Dies hat mit den Besonderheiten der Prozentrechnung zu tun. Die meisten Anleger verstehen nicht, dass die Prozentrechnung eigene Gesetzmäßigkeiten hat. Fragt man einen Anleger, wie viel Prozent er benötigt, um einen Kursverlust von 50 Prozent wieder einzuholen, dann antwortet er 50 Prozent. Das ist aber völlig falsch! Es sind 100 Prozent. Diese Besonderheiten der Prozentrechnung bewirken, dass Short-ETFs und auch gehebelte ETFs nicht die tatsächliche Entwicklung eines fiktiven, fortlaufend berechneten Short-Index wiedergeben.

 

Die Tabelle zeigt Ihnen, wie Anleger oft irren. Bei einem Kursverlust von 90 Prozent, brauchen Sie nicht, wie viele annehmen, einen Gewinn von 90 Prozent, um die Verluste wettzumachen, sondern einen spektakulären Gewinn von 900 Prozent, nur um wieder Ihr Ausgangsvermögen zu erlangen. Die erste und allerwichtigste Anlegerregel lautet daher: Machen Sie nie Verluste! Sie können Verluste fast nie wieder vollständig aufholen, wenn diese sehr hoch sind.

 

Kursverluste und erforderliche Kursgewinne

 

Kursverlust  Erforderlicher Kursgewinn
5% 5%
10% 11%
15% 18%
20% 25%
25% 33%
30% 43%
50% 100%
75% 300%
90% 900%

 

Bevor Sie Geld anlegen, sollten Sie es daher wie Profis machen. Diese fragen sich nicht:

Wie kann ich das beste Investment mit der höchsten Rendite finden?

Das ist eine typische Anfängerfrage.

Viel entscheidender ist: Wie kann ich Verluste von Anfang an vermeiden?

 

Hier hilft nur eine Perfektion des Risikomanagements.

 

 


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