Investmentfonds und ihre Kosten

Welche Kosten entstehen bei Kauf und Verkauf von Investmentfonds?

 

Viele Anleger vernachlässigen bei der Geldanlage die Nebenkosten. Diese können jedoch die Rendite schmälern. Finanzberater haben oft ein großes Interesse daran, Kunden zu Umschichtungen zu bewegen; denn je häufiger ein Kunde kauft und verkauft, desto höher sind die Provisionen und Gebühren, von denen Finanzberater und Banken profitieren.

 

Als Anleger sollten Sie daher die Gebühren besonders beachten. Einige Anlageformen verursachen so hohe Kosten, dass Anleger unter dem Strich Verluste machen. Aus diesem Grunde betrachten wir im Einzelnen die Kosten, die beim Kauf eines Fonds entstehen.

 

Wenn Sie beispielsweise einen herkömmlichen Investmentfonds kaufen, entstehen folgende Kosten:

 

  • Beim Erwerb des Fonds verlangt die Investmentgesellschaft einen Ausgabeaufschlag, der je nach Anlageschwerpunkt zwischen 3 und 6 Prozent liegen kann. Das heißt: Ehe Ihr Fonds auch nur die geringste Wertsteigerung vorweisen kann, berappen Sie erst einmal 3 bis 6 Prozent Gebühren. Manche Investmentfonds benötigen ein oder zwei Jahre, nur um die Gebühren wieder auszugleichen. Und dann sind Sie erst wieder beim Ausgangspunkt angelangt. 
     

  • Als ob eine satte Gebühr von 5 Prozent noch nicht genug wäre, erheben alle Fonds eine jährliche Managementgebühr, die zwischen 1 und 2 Prozent liegt. Von dieser Gebühr wissen die meisten Anleger nichts, da sie nicht vom Konto abgebucht wird. Vielmehr behalten die Manager diese vom Fondsvermögen ein, ohne dass die Kunden dies merken. Natürlich weisen die Investmentfonds auf diese Kosten hin. Aber welcher Anleger liest schon viele Seiten Kleingedrucktes in unverständlichem Juristendeutsch? In Deutschland liegt die jährliche Managementgebühr von Aktienfonds im Durchschnitt bei 1,4 bis 1,5 Prozent. Wenn Sie einen Investmentfonds zehn Jahre lang im Depot haben, fallen allein für diese Managementgebühr aufgrund des Zinseszinseffekts in zehn Jahren Kosten in Höhe von 20 Prozent an. Anleger, die solche überteuerten Investmentfonds kaufen, zahlen damit enorme Gebühren und schmälern ihre Rendite und damit die Sicherheit ihrer Altersvorsorge.
     

  • Wenn Sie sich über die Gebührenbelastung Ihres Fonds informieren wollen, brauchen Sie sich nun nicht durch seitenlange Texte quälen. Die meisten Banken und Börsenportale geben zu jedem Fonds eine Kennzahl an, die die Höhe der Gebührenbelastung in Prozent angibt. Diese Kennzahl heißt TER (Total Expense Ratio oder auf Deutsch: Gesamtkostenquote). Die meisten Investmentfonds haben eine Gesamtkostenquote von 1 bis 2 Prozent.

  • Doch damit ist die Belastung noch lange nicht zu Ende. Einige Investmentgesellschaft sind so verwegen, auch noch eine Performancegebühr in Rechnung zu stellen. Eine solche Gebühr soll honorieren, dass das Fondsmanagement es geschafft hat, den Vergleichsindex zu übertreffen. Solche Performancegebühren sind eigentlich nicht zu rechtfertigen, denn worin sollte die Aufgabe eines aktiven Fonds bestehen, wenn nicht darin, besser als der Markt zu sein?

  • Doch manche Fonds gehen noch einen Schritt weiter. Nachdem Wirtschaftskrisen die Fonds kräftig durchgeschüttelt haben und Anleger erstaunt feststellen mussten, dass ihre Fonds nur noch Bruchteile des ursprünglichen Wertes hatten, begann der große Ausverkauf. Viele Anleger waren wegen des Wertrückgangs enttäuscht und stießen ihre Fonds schnellstmöglich ab. Die Investmentgesellschaften verzeichneten heftige Einbußen und schufen durch die Hintertür Performancegebühren, die sogar dann fällig wurden, wenn der Fonds nicht besser als Vergleichsindex abschnitt, sondern nur irgendeine Rendite erbrachte.
    Um diese Selbstbedienung noch etwas schmackhafter zu machen, sprach man von »Total Return«. Im Klartext bedeutet dies: Der Fonds erbringt irgendeine Wertsteigerung, ohne sich an der Benchmark zu messen.

  •  

 

Um Ihnen die Höhe der Kosten zu veranschaulichen, berechnen wir ein fiktives Beispiel.

Ein Anleger kauft für 5000 Euro Fonds, die in Aktien des DAX anlegen.

Wir berechnen die Kosten für Investmentfonds und für ETFs.

 

  Investmentfonds ETF
Kosten des Fonds 5000 Euro 5000 Euro
Ausgabeaufschlag 250 Euro 0 Euro
Jährliche Managementgebühr 1% = 50 Euro 0,15% = 7,50 Euro
Kauf über Börse 5,90 Euro (Pauschale  Direktbank) 2 Euro (Börsenplatzgebühr)
Depotgebühr (Direktbank) 0 Euro 0 Euro
Gesamtkosten 300 Euro 15,40 Euro



Dieses Beispiel macht Ihnen deutlich, dass Sie bei der Geldanlage niemals die Kosten vernachlässigen dürfen. Investmentfonds sind wegen der hohen Kosten für die Altersvorsorge wenig geeignet. Es gibt kaum einen Fall, in dem die hohen Gebühren den Kauf eines solchen Fonds rechtfertigen. Noch problematischer ist es, wenn Sie eine fondsgebundene Rentenversicherung haben. Bei der privaten Rentenversicherung entstehen weitere Kosten, die die Rendite deutlich verringern. Transparenz und eine nachvollziehbare Kostenstruktur ist für jede Form der Altersvorsorge oberstes Gebot.

 

  • Versuchen Sie, den Ausgabeaufschlag möglichst zu reduzieren. Dies können Sie, indem Sie Investmentfonds über Direktbanken kaufen, die vollständig auf den Ausgabeaufschlag verzichten oder ihn zumindest um 50 Prozent reduzieren.

  • Bei besonders teuren Investmentfonds sollten Sie außerdem prüfen, ob sie ihn über die Börse kaufen können. Bei einigen bekannten Investmentfonds ist dies möglich. Wenn die Provision für den Kauf an der Börse gering ist, sparen Sie dadurch den Ausgabeaufschlag, denn dieser fällt beim Kauf über die Börse nicht an. Bei geringen Beträgen lohnt sich jedoch meist der Börsenhandel nicht, da die Bankprovisionen zu hoch sind, insbesondere wenn Sie Ihr Depot bei einer Filialbank haben.

  • Vergleichen Sie stets die Gesamtkostenquote (TER), und akzeptieren Sie nur Investmentfonds, die eine geringere jährliche Managementgebühr haben.

  • Kaufen Sie nie Investmentfonds, die zusätzlich eine Performancegebühr verlangen. Die Performance ist eine selbstverständliche Leistung, denn sonst können Sie gleich einen ETF kaufen, der den Marktdurchschnitt abbildet.

 

Fazit: Anleger sollten im Zweifelsfall um Investmentfonds einen großen Bogen machen. Die Gebühren sind beträchtlich und schmälern die Rendite. Auch für die langfristige Altersvorsorge eignen sich Investmentfonds nur sehr eingeschränkt.
Wer dennoch nicht auf Investmentfonds verzichten möchte, sollte zumindest alles versuchen, um die hohen Gebühren deutlich zu verringern: 


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