Märkte und ETFs

Um ETFs besser zu verstehen, sollten Sie die Beteiligten kennen, die ETFs entwickeln und mit ihnen handeln.

 

Als Erstes ist da die ETF-Investmentgesellschaft. Sie ist verantwortlich für den Entwurf und das Konzept eines ETF. Sie entwickelt neue Produktideen, die den Kunden interessieren könnten. Sie bringt auch den ETF auf den Markt und sorgt für die Börsennotierung.


Um die zugrundeliegenden Indizes nutzen zu können, muss sich die Investmentgesellschaft an einen Indexprovider wenden. Indexprovider wie beispielsweise MSCI oder Dow Jones entwickeln fortlaufend neue Indizes und übernehmen deren aktuelle Berechnung. Diese spezialisierten Dienstleister bringen eine Vielzahl von Indizes heraus. Zu den renommiertesten zählen beispielsweise Stoxx Ltd. und MSCI. Diese Indizes sind sehr bekannt und werden fast überall veröffentlicht. Um die Indizes für ETFs nutzen zu können, benötigen die ETFs eine Lizenz von den Indexprovidern.


Dann muss die Investmentgesellschaft für eine Börsennotierung sorgen. Darüber hinaus kooperiert sie mit Market Makern und Designated Sponsors. Wenn Sie an der Börse einen ETF kaufen oder verkaufen wollen, brauchen Sie jemanden, der auf der anderen Seite mit Ihnen das Geschäft abschließt. Bei vielen Wertpapieren gilt dies als selbstverständlich, da täglich Millionen von Akteuren an der Börse handeln.

 

Bei einigen Wertpapieren gibt es aber nicht genügend Handelspartner. Um sicherzustellen, dass Sie jederzeit Ihren ETF kaufen oder verkaufen können, werden professionelle Handelspartner gestellt, die vertraglich verpflichtet sind, ein Angebot zu stellen. Auch wenn sonst kein privater oder institutioneller Anleger im Augenblick Ihren ETF kaufen möchte, müssen die Market Maker einspringen. Dies hat den Vorteil, dass der Handel mit ETFs jederzeit möglich ist.

 

An der Deutschen Börse in Frankfurt am Main sind zwei Market Maker vorgeschrieben. Die ETF-Investmentgesellschaft gibt den Market Makern vor, wie groß der Unterschied zwischen dem Kauf- und Verkaufkurs sein darf. In der Fachsprache bezeichnet man diese Differenz als Spread. Der Kurs, zu dem Sie als Anleger einen ETF kaufen können, bezeichnet man als »Briefkurs« (Sie kaufen gleichsam den ETF als Wertpapier), und der Kurs, zu dem Sie Ihren ETF verkaufen (Sie möchten sozusagen »Bares«), wird Geldkurs genannt. Der Briefkurs ist immer etwas teurer als der Geldkurs. Diesen Unterschied nennt man Spread.


Für Sie als Anleger ist es am besten, wenn der Spread möglichst gering ist.

 

Gut informierte Anleger haben die Möglichkeit, den Spread völlig zu umgehen, denn bei vielen Direktbanken verzichten die ETF-Investmentgesellschaften vollständig auf den Preisaufschlag. Erkundigen Sie sich daher bei Ihrer Direktbank, ob Sie Ihnen ETFs ohne Spread verkauft. 


Die Market Maker müssen die festgelegte Geld-Brief-Spanne für eine bestimmte Auftragsgröße garantieren.

 

Das heißt:

Ein institutioneller Anleger, der viele Millionen in einen ETF investieren will, kann nicht auf diese garantierte Spanne hoffen. Das würde die Market Maker überfordern. Der garantierte Spread ist auf eine Höchstsumme, das so genannte maximale Quotierungsvolumen, begrenzt. Für Kleinanleger ist dies natürlich ein erheblicher Vorteil. Da es immer zwei Market Maker bei ETFs gibt, kommt der Auftrag bei dem Anbieter zustande, der den besseren Kurs vorweisen kann.


Nachdem diese Verträge abgeschlossen wurden, muss die ETF-Investmentgesellschaft noch bei der zuständigen Behörde die Zulassung des ETF zum Vertrieb und zum Börsenhandel beantragen. Anschließend fertigt die Investmentgesellschaft noch Broschüren und Werbematerial an, das an die Kunden verteilt wird.

 

Die zweite Hauptaufgabe nach der Auflegung des Fonds ist das eigentliche ETF-Management. Dabei muss der zugrundeliegende Index möglichst exakt abgebildet werden.

 

Änderungen in der Zusammensetzung des ETF ergeben sich in den folgenden Fällen:

  • Eine neue Aktie rückt in den Index auf. Das ist vor allem dann der Fall, wenn der Gesamtwert eines Unternehmens an der Börse (die Börsenkapitalisierung) steigt. Die Aktiengesellschaft wird dann in den Index aufgenommen. Ein anderes Unternehmen fällt dafür aus dem Index heraus. Der ETF muss diese Indexänderungen genau nachvollziehen. 

  • Eine Aktiengesellschaft vollzieht einen Split. Manche Unternehmen möchten den Anlegern gerne Aktien mit einem niedrigen Preis anbieten. Aktien, die 1000 oder 10000 Euro kosten, schrecken viele Kleinanleger ab. Deshalb möchten viele Unternehmen lieber einen Preis der unter 100 oder 50 Euro liegt. Allein aus psychologischen Gründen fühlen sich viele Anleger besser, wenn sie 1000 Aktien zu 5 Euro besitzen als eine Aktie im Wert von 5000 Euro. Aktien, die zu stark gestiegen sind, werden deshalb einfach gesplittet, d.h. eine Aktie, die beispielsweise 1000 Euro wert ist, wird einfach durch 10 geteilt und hat dann einen Kurs von 100 Euro. Statt einer Aktie hat der Anleger dann 10 Aktien im Depot. Auf die Bewertung selbst hat dies keinen Einfluss. Das Ganze ist im Grunde ein Rechenspiel. Das ETF-Management muss aber genau überwachen, ob auch die richtige Aktienanzahl bei der Umstellung automatisch ins Depot gebucht wurde.

  • Eine weitere Aufgabe des Fondsmanagements besteht darin, Ausschüttungen zu bearbeiten. Die Dividenden-Ausschüttungen müssen entweder an die Anleger ausgezahlt werden (wenn dies der Fonds vorsieht) oder bei thesaurierenden (ansammelnden) Fonds wieder angelegt werden. Beim DAX werden Dividenden in die Wertentwicklung mit einbezogen; daher müsste ein DAX-ETF sofort alle Ausschüttungen wieder in die entsprechenden Aktien anlegen.

  • Darüber hinaus muss das Fondsmanagement aktiv werden, wenn zwei Aktiengesellschaften fusionieren oder ein Unternehmen übernommen wird. Dabei scheidet meist ein Unternehmen aus dem Index aus. 

  • Besonders intensiv ist die Managementtätigkeit bei ETFs, die auf Emerging Markets (Schwellenländer) setzen oder komplexe Strategien verfolgen. Sie müssen fortlaufend die Märkte beobachten.

 

Der Handel mit ETFs erfolgt an den Börsen in speziellen Segmenten – eine Art Fachabteilung an der Börse. Die Deutsche Börse in Frankfurt hat dafür das XTF-Segment eingerichtet. Anleger können dort von 9 Uhr bis 17.30 Uhr handeln.

 

Darüber hinaus können ETFs auch im außerbörslichen Direkthandel von den ETF-Investmentgesellschaften erworben werden. Viele Investmentgesellschaften haben einen Direkthandel, der von 8 Uhr bis 22 Uhr werktags möglich ist.

 

Jedoch gelten die Kurse während der Börsenzeit als zuverlässiger als jene nach Handelsschluss.

 

Das hat folgenden Grund:

Der an der Börse notierte Kurswert eines ETF kann geringfügig von dem Wert abweichen, der sich aus der Gesamtheit der Anlagen in dem ETF ergibt. Der Börsenkurs entspricht nicht immer exakt dem eigentlichen Wert des ETF. Diesen »eigentlichen« Wert nennt man in der Fachsprache Nettoinventarwert oder auf Englisch »Net Asset Value« (NAV).

 

Um den Anlegern größtmögliche Sicherheit zu bieten, berechnen die Börsen zum Vergleich diesen eigentlichen Wert des ETF, den indikativen NAV, regelmäßig innerhalb weniger Sekunden. Als Anleger können Sie durch den Vergleich schnell herausfinden, ob der ETF im Augenblick an der Börse etwas teurer oder billiger gehandelt wird als der eigentliche Wert.

 

Diese Unterschiede machen es sogar möglich, dass Sie zusätzlich profitieren

  • Als Privatanleger können Sie Ihren Kauf- oder Verkaufsauftrag so limitieren, dass der Preis dem Nettoinventarwert sehr nahe kommt.
  • Institutionelle Großanleger können gezielt mit diesen Abweichungen Gewinne machen. Denn über kurz oder lang nähert sich der Börsenkurs dem eigentlichen Wert des ETFs an. Diese Technik nennt man Arbitrage.

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