Rohstoffindizes

Mit ETFs können Sie auch auf Rohstoffindizes setzen und so von einem Anstieg der Rohstoffmärkte profitieren. Lange Zeit wurden Rohstoffe vernachlässigt, und in den neunziger Jahren gab es kaum eine Bank, die eine größere Abteilung für die Rohstoffanalyse hatte. Seit der Jahrtausendwende finden Rohstoffe aber zunehmend Beachtung, und einige konnten eine rekordverdächtige Performance erreichen. Innerhalb eines Jahrzehnts konnte sich der Goldpreis beispielsweise mehr als vervierfachen. Einige Rohstoffe, die nicht an der Börse gehandelt werden wie Molybdän, das zur Stahlhärtung verwendet wird, konnte sogar um mehrere tausend Prozent zulegen.


Als Anleger haben Sie zwei Möglichkeiten auf Rohstoffe oder – wie der internationale Begriff lautet - »Commodities« setzen:

  • ETCs, ein spezielles Indexprodukt, erlauben es Ihnen, direkt in Rohstoffe zu investieren. ETCs sind ein stark wachsendes Segment der Indexinvestments.
  • Die andere Möglichkeit besteht darin, einen ETF zu kaufen, der sich auf einen Rohstoffindex bezieht.

ETFs auf Rohstoffindizes sind im Prinzip sicherer als ETCs, da ETCs rechtlich betrachtet keine Fonds, sondern Schuldverschreibungen sind, deren Sicherheit von der Bonität der Bank abhängt. Konservative Anleger sollten daher sehr genau zwischen ETFs und ETCs unterscheiden. Für sie kommen nur ETFs auf Rohstoffindizes in Frage.

 

Die Auswahl des jeweiligen Rohstoffindex erfordert jedoch einige Sorgfalt, denn in diesem Bereich gibt es keine standardisierten Indizes wie bei den Aktienmärkten. Um den für Sie geeigneten Index herauszusuchen, sollten Sie sich zuerst die einzelnen Kategorien des Rohstoffmarktes näher ansehen.

 

Man unterscheidet folgende Bereiche:

  • Edelmetalle (Gold, Silber, Platin, Palladium)
  • Energiewerte (Erdöl, Erdgas, Heizöl, Benzin)
  • Industriemetalle (Aluminium, Zink, Nickel, Kupfer)
  • Agrarrohstoffe (Mais, Zucker, Kaffee, Kakao, Weizen, Soja u.a.)
  • Vieh (Schweine, Rinder)

Einige Indizes fassen alle Sektoren des Rohstoffmarktes in einem Gesamtindex zusammen, während andere nur einzelne Bereiche herauspicken. Von großer Bedeutung ist auch die Gewichtung der einzelnen Sektoren. Einige Indizes heben einzelne Bereiche wie Edelmetalle oder Energie stärker hervor, während andere alle Sektoren nach einem Sachkriterium gewichten. Einige komplexe Indizes verhalten sich sogar dynamisch und akzentuieren in regelmäßigen Abständen jene Rohstoffe stärker, die den größten Wertzuwachs erreicht haben.

 

Der bekannteste Rohstoffindex ist der CRB-Index. Er wurde bereits 1957 vom Commodity Research Bureau (CRB) erstmals berechnet und umfasst 17 verschiedene Rohstoffbereiche, die vom Erdöl über Edel- und Industriemetalle bis zu Agrarrohstoffen wie Zucker und Orangensaft reichen. Bei der letzten Überarbeitung 17.6.2005 wurde der Reuters/Jefferies CRB Index (RJ/CRB) umbenannt und läuft jetzt unter Continuous Commodity Index (CCI).

 

Die Rohstoffe werden hier in vier Kategorien aufgefächert.

  • In der ersten Kategorie, zu denen Energiewerte wie Erd- und Heizöl sowie Benzin zählen, erfolgt die Gewichtung nach dem Handelsvolumen.
  • In der zweiten Kategorie, der Erdgas, Gold, Rinder, Mais, Kupfer und andere zugeordnet wurden, ist die Gewichtung einheitlich bei 6 Prozent. Diese Rohstoffe werden als hochliquide eingestuft.
  • Weniger liquide Rohstoffe wie Zucker, Baumwolle und Kakao, werden der Kategorie III zugeschlagen, die einheitlich mit jeweils 4 Prozent am Index gewichtet werden.
  • In der Kategorie IV finden sich Rohstoffe wie Nickel, Schweine und Silber, die mit jeweils einem Prozent in den Index einfließen.


Ein ebenso verbreiteter Index ist S&P Goldman Sachs Commodity Index (GSCI), der 24 verschiedene Rohstoffe aus fünf Sektoren abbildet. Aufgrund der großen Bedeutung des Erdöls, das mit Abstand der wichtigste und bedeutsamste Rohstoff der Welt ist, machen Energierohstoffe am GSCI mehr als 70 Prozent aus. Für Anleger, die mehr auf Industrie- und Edelmetalle setzen möchten, ist der GSCI ungeeignet. 

 

Bei jedem Investment in Rohstoffe sollten Sie daher genau prüfen, welcher Index Ihren Anlageschwerpunkten gerecht wird.

 

Index  Erläuterung
CCI 17 Rohstoffe, in 4 Kategorien untergliedert
GSCI 24 Rohstoffe, Energie mit einem Anteil von über 70%
SPCI Standard & Poor's Commodity Index; Energiesektor fast 50%, Dollar-Basis
RICI Rogers International Commodities Index, 36 Rohstoffe, 4 Währungen
DJ-AIG 19 Rohstoffe, Gewichtung zwischen 2% und 15%, Rohstoffkategorie auf max. 33% begrenzt
CMCI Constant Maturity Commodity Index, 28 Rohstoffe, komplexe Gewichtung nach verschiedenen Faktoren

 

 

Welche Bedeutung Rohstoffe im letzten Jahrzehnt hatten, können Sie ermessen, wenn Sie den Chart für den RICI betrachten. Von 1998 bis zum Erfolgsjahr 2008 konnte sich der Index fast versechsfachen. Mit der Wirtschaftskrise kam es jedoch zu einem herben Rückschlag und zu einer Halbierung des Indexstandes.

 

 

Chart RICI

 

 

Wertentwicklung des RICI

 

 Als Anleger sollten Sie daher stets die Risiken beachten, die sich aus Rohstoffinvestments ergeben. Erhebliche Schwankungen sind durchaus möglich.
Während man früher Rohstofffutures an den Terminbörsen handeln musste, um von Rohstoffen profitieren, gibt es heute eine Vielzahl von Anlageinstrumenten, die sich als Privatanleger nutzen können. Neben Optionsscheinen und Zertifikaten bieten sich auch ETFs und ETCs an.

 

Bei ETFs können Sie auf einzelne Rohstoffindizes setzen. Beachten Sie dabei aber stets die Währungsabhängigkeit der Indizes und der Rohstoffe, da es international üblich ist, die wichtigsten Commodities in US-Dollar zu handeln. Der Höhenflug des Goldpreises war in Euro gerechnet wesentlich verhaltener als in US-Dollar.

 

 

Beispiele für ETFs auf Rohstoffindizes

 

Name  ISIN Erläuterung
Market Access Jim Rogers Commodity Index Fund LU0249326488 ETF auf den gesamten Rohstoffmarkt von Jim Rogers
Lyxor ETF Commodities CRB FR0010270033 ETF auf den CRB Index
Market Access RICI-Metals LU0259320728 Industrie- und Edelmetalle
RICI-Agriculture LU0259321452 Agrarrohstoffe
db x-trackers DBLCI - OY Balanced ETF LU0292106167 Dynamischer Index, der Rollverluste zu vermeiden versucht

 

 


 

 



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