Betriebswirtschaftliche Kennzahlen

Stärken und schwächen der betriebswirtschaftlichen Indikatoren

Wie Sie sicher schon beim Lesen der letzten Seiten bemerkt haben, ist auch die isolierte Betrachtung der betriebswirtschaftlichen Indikatoren nicht der direkte Weg zum Erfolg. Aber dennoch:

Natürlich macht die Analyse der volks- und betriebswirtschaftlichen Indikatoren im Vorfeld des Investments eine ganze Menge Arbeit. Doch wenn Sie beide Bereiche zusammen betrachten, gelingt es Ihnen:

1. den geeigneten Zeitpunkt für ein Investment in Aktien zu entdecken und

2. diejenigen Aktien herauszufinden, deren unternehmerische Kennzahlen die größten Chancen auf hohe Kursgewinne versprechen.

Wenn Sie die in diesem Abschnitt über den fundamentalen Ansatz vorgestellten Auswahlkriterien berücksichtigen, ist das allerdings noch lange kein Garant für ein profitables Investment. Insbesondere im Bereich der betriebswirtschaftlichen Indikatoren gibt es eine Vielzahl von Verzerrungen, die im Text bereits angerissen wurden.

Und dahinter steckt an erster Stelle das deutsche Bilanzierungsrecht.

Denn:
Alle betriebswirtschaftlichen Indikatoren gehen von der Prämisse aus, dass Gewinn und Vermögen eines Unternehmens bekannt sind. Und genau das, sollte man meinen, steht ja schließlich in der Bilanz schwarz auf weiß geschrieben. Doch das ist nicht ganz richtig.

Ein Unternehmen hat in Deutschland eine Unmenge legaler Möglichkeiten, Gewinne und Vermögenswerte durch die Maschen einer Bilanz fallen zu lassen. Das Wie und Warum ausführlich zu diskutieren macht dabei keinen Sinn, aber es ist wichtig, dies zu wissen.

Stille Beteiligungen sind zum Beispiel ein wichtiger Faktor. Eine Aktiengesellschaft kann sich an einer Vielzahl anderer Unternehmen beteiligen, indem es Anteile dieser Firmen erwirbt. Dadurch werden die Gewinne um den Preis derartiger Käufe gemindert, ohne dass die AG die Art und Höhe solcher Beteiligungen veröffentlichen muss (es sei denn, sie hält mehr als 10% eines Unternehmens). So verschwinden Gewinne, ohne dass der Aktionär überhaupt bemerkt, dass ihm da etwas vorenthalten wird. Weiterhin:

Eine AG kann Rücklagen bilden, die nicht zum Gewinn hinzugerechnet werden müssen, das Vermögen aber so lange mehren, wie diese Rücklagen nicht in schlechten Zeiten angetastet werden müssen. Da diese Rücklagen bei Bedarf auch wieder 'aktiviert', also aufgelöst und zum Gewinn zum Zeitpunkt der Aktivierung hinzugerechnet werden können, kann eine AG dem Aktionär so konstante Gewinnentwicklungen vorgaukeln, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt.

Sie sehen: Die betriebswirtschaftlichen Indikatoren sind nur ein Anhaltspunkt, aber keine Gewähr für absolute Sicherheit. Und außerdem vergessen Sie bitte nicht: Diese Indikatoren gehen von Zahlen aus, welche die Vergangenheit beleuchten, für die Zukunft existieren bestenfalls Prognosen - und die müssen nicht zutreffen!

Der fundamentale Ansatz bietet Ihnen gute Entscheidungshilfen für mittelfristige Investments. Aber das hilft Ihnen wenig, wenn Sie versuchen wollen, den Beginn einer Aufwärtsbewegung für den Einstieg und den Gipfel einer Hausse für den Ausstieg erwischen zu wollen. Für Fragen des optimalen Timings bietet sich eine völlig andere Analysemethode an: die Technische Analyse.

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