Volkswirtschaftliche Kennzahlen

Andererseits sorgen fallende Zinsen für per Saldo steigende Kurse. Denn mit der Rücknahme der Zinsen wird ein Aufschwung immer wahrscheinlicher. Auch wenn die Gewinne der Gesellschaften nicht sofort mit der ersten Zinssenkung anziehen: Die Börse nimmt die Entwicklungen vorweg, so dass die Aktienkurse bereits erheblich anziehen können, obwohl die Rezession noch nicht einmal vorbei ist.

In solchen Phasen besonders zu bevorzugen: Bankaktien. Steigende Rentenkurse lassen die Gewinne der Banken aus ihrem traditionell hohem, in Form von Rentenpapieren angelegtem Eigenkapital steigen, zudem verdienen die Institute am aufgrund der niedrigen Zinsen wieder steigenden Kreditvolumen.

Streiks und Lohnabschlüsse

Das Problem der Löhne ist eine für die Produktionskosten wichtige betriebswirtschaftliche Größe, die aber durch die flächendeckenden Tarifverträge auch auf Ebene einer ganzen Volkswirtschaft Bedeutung erhält. Denn:

Zu hohe Lohnsteigerungen erhöhen die Produktionskosten der Unternehmen. Wenn dies nicht durch Rationalisierungen (zumeist Entlassungen) aufgefangen werden kann, schmälern diese höheren Kosten logischerweise die Gewinne der Unternehmen - es sei denn, die Preise werden angehoben, was man sich in einer Aufschwungphase, wo solch höhere Löhne ja zumeist gefordert werden, auch durchaus erlauben kann.

Aber das bedeutet nun einmal Inflation!

Die oftmals im Zuge der Tarifauseinandersetzungen stattfindenden Streiks verschlimmern die Situation natürlich um so mehr. Denn für einen Produktionsausfall von nur wenigen Tagen hätte ein Unternehmen auch einen ganzen Prozentpunkt mehr Lohn zahlen können - die Kosten wären die selben.

Konsequenz für den Anleger:

Streiks und Tarifstreitigkeiten über Lohnerhöhungen belasten die Börse fast immer. Die typische Zeit hierfür ist das Frühjahr. Doch wenngleich mahnende Worte der Bundesbank in dieser Zeit nicht ausbleiben, echte Zinsängste führen hier nicht zu fallenden Notierungen. Vielmehr sind es die Werte aus den Branchen, wo der Streit am heftigsten tobt oder die gar bestreikt werden, deren Kurse zur deutlichen Schwäche neigen, weil man negative Auswirkungen auf die Gewinne befürchtet.

Der Anleger sollte hierbei aber nicht ängstlich aus solchen Werten aussteigen. Denn der alte Börsenspruch "Streiktage sind Kauftage" trifft (als einer der wenigen) zumeist zu. Die Auseinandersetzungen führen fast nie zu nachhaltigen Trendwechseln. Daher ist man meist gut beraten, einen Teil seines Kapitals für solche Gelegenheiten zurückzuhalten, um günstig nachkaufen zu können. Denn kaum ist ein Tarifvertrag abgeschlossen und die Unruhe damit bereinigt, pflegen die Notierungen wieder auf ihre alten Niveaus zurückzufinden.

Wechselkurseinflüsse

Eine weitere wichtige Rahmenbedingung für ein günstiges oder eben ungünstiges Börsenumfeld sind die Wechselkurse, oder anders ausgedrückt: Der Wert des Euro in Relation zu den wichtigsten anderen Währungen (Der Außenwert des Euro).

Der Grund ist klar ersichtlich. Fällt beispielsweise der Euro zum Dollar von 0,90 auf 0,80 Dollar, so erhält eine deutsche Firma, die in den USA eines ihrer Produkte für 10 Dollar verkauft, 12,50 anstatt vorher 11,11 Euro dafür. Und da die Produktionskosten dabei nicht gestiegen sind, erhöht sich der Gewinn beträchtlich. Die Firma kann aber auch die Preise senken. Damit steigt der Gewinn pro Stück zwar nicht an, aber sie kann damit billiger anbieten als Konkurrenten aus anderen Ländern, und erhöht dadurch die Umsätze.

Steigt der Euro jedoch, verringert sich der Gewinn genauso stark. Wenn die Herstellungskosten ohnehin 10 Euro betragen, ist der Anstieg des Euro auf 1,00 Dollar natürlich eine Katastrophe. Aus diesem Grund haben die Kursverläufe der exportorientierten Werte eine so enge Bindung an den Kurs des Euro. Wichtig:

Der Außenwert des Euro kann nur über das Zinsniveau oder die Regulierung der Geldmenge gesteuert werden. Denn bei hohen Zinsen in Euroland ist eine Anlage in Euro natürlich attraktiver als in Ländern mit niedrigeren Zinsen. Da die Euro-Währung für eine Anlage in Euroland benötigt wird, steigt die Nachfrage nach dem Euro immer weiter an. Die Folge: Der Euro-Kurs steigt an bzw. der Kurs der anderen Devisen sinkt.

Werden die Zinsen jedoch gesenkt, wird der Euro als Anlagewährung unattraktiv. Damit fällt sein Kurs im Verhältnis zu anderen Devisen zurück. Dollar, Pfund usw. steigen und erleichtern den Unternehmen die Exporte ins Ausland. Auch auf diesem Wege gibt also die EZB - im Zuge der Regulierung des Außenwertes des Euro - der Konjunktur und den Börsenkursen Schützenhilfe.

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