Professionelle Indexanbieter

Wer bietet einen Index an?

 

Einen Wertpapierindex zu konstruieren und ihn nach eigenen Gutdünken zu benennen, dazu wäre bereits Peter Meier, unser Sohn der Familie Meier, in der Lage – als WISO-Student im zweiten Semester hat er ja immerhin schon einführende Statistik-Vorlesungen gehört. Sein Konzept wird aber sicherlich nicht zum Renner werden, der etablierte Marken wie DAX & Co. vom Kapitalmarkt verdrängt. Dieses Kunststück gelingt schließlich häufig nicht einmal Top-Adressen der Finanzbranche, die mit von ihren Expertenstäben entworfenen Index-Konstruktionen auf den Markt drängen.


Es bleibt das große Geheimnis des Kapitalmarktes, warum sich einige Indizes seit über einem Jahrhundert unveränderter Popularität erfreuen und andere gar nicht wahrgenommen werden. Die einfachste Erklärung für dieses Phänomen ist, dass das Angebot an Index-Ideen viel größer ist als die Nachfrage und sich nur wenige neue Marken durchsetzen können. Es werden also schlicht mehr Indizes konstruiert als wirklich gebraucht.


Unter den Indexanbietern – alternativ wird von Indexgesellschaften gesprochen – lassen sich heute vier Kategorien unterscheiden:

Wenn ein Index vermarktet  werden soll, wird für ihn ein Schutzrecht angemeldet, und er bekommt eine WKN, eine internationale Wertpapiernummer  (auf englisch ISIN für intermational share identification number). Andere Nutzer können dann nur noch auf ihn zurückgreifen, wenn sie eine Lizenz erworben haben. Das Schutzrecht umfasst allerdings lediglich den Namen, nicht die schwer nachprüfbare inhaltliche Konstruktion, die unter anderem in der spezifischen Indexformel zum Ausdruck kommt.

 

Nach der Einführung eines Index ist der Indexanbieter leider nicht gezwungen, ihn zu pflegen, also stetig zu aktualisieren oder möglicherweise Indexmitglieder auszutauschen. Ebenso ist unklar, wann und unter welchen Bedingungen die Schutzrechte erlöschen. Es fällt jedenfalls auf, dass es in der globalen Indexwelt viele „tote“ Indizes gibt, die temporär wieder reaktiviert werden oder in neuen Marken des gleichen Betreibers aufgehen.


Ein Index-Dschungel ohne einheitlichen Standards

 

Anders als bei der Internationalen Rechnungslegung (IFRS), der Vereinheitlichung von Eigenkapitalvorschriften für Banken (Basel II) und Versicherungen (Solvency II) oder auch im Wertpapier-Research gibt es bei Indizes bislang keine internationalen Harmonisierungsanstrengungen. Die Folge dieses Mangels ist ein wahrer Indexdschungel ohne einheitliche Standards, was Vergleiche erschwert. Im Anhang am Ende dieses Menüpunktes finden Sie zumindest eine Liste der 42 wichtigsten Indexanbieter aller vier Kategorien.


Der Nutzen, den die Gesellschaften aus ihren Index-Angeboten ziehen, ist vielfältig und zum größten Teil selbsterklärend: In erster Linie geht es ihnen um Marketingmaßnahmen, die der weiteren Geschäftsanbahnung dienen sollen. So haben im Zertifikatsgeschäft tätige Emissionsbanken neue Indizes entworfen, um ihre eigenen Finanzprodukte besser verkaufen zu können. Da diese Indizes nur unregelmäßig veröffentlicht werden, bieten sie dem Anleger aber nicht die Möglichkeit einer permanenten Beobachtung.


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