Quantitative Kriterien

In den folgenden Kapiteln werden einige mathematische Formeln benutzt. Um eine übersichtliche Gestaltung zu gewährleisten, werden folgende Abkürzungen vereinbart:

Kurs des Kauf-Optionsscheins (Call): KOC
Kurs des Verkauf-Optionsscheins (Put): KOP
Kurs des Basiswertes an der Börse: KBW
Bezugspreis / Basispreis: BP
Bezugsverhältnis: BV
Alle Beispielrechnungen beziehen sich auf die folgenden Optionsscheineckdaten:

KOC: 70 Euro
KOP: 35 Euro
KBW: 300 Euro
BP: 250 Euro
BV: 2:1 = 0,5

Für einen Kaufoptionsschein gelten die folgenden Überlegungen:

Der Wert eines Call-Optionsscheins ist, bei Gleichheit der übrigen aufgezählten Faktoren, umso höher,

je höher der Kurs des Basiswertes ist,
je niedriger der Ausübungskurs ist,
je länger die Restlaufzeit ist,
je höher der risikolose Zinssatz ist,
je niedriger die Dividendenrendite ist,
je höher die Ausschüttungsquote ist,
je größer die Volatilität (Schwankungsbreite) der Aktie ist und
je geringer die "optierbare Quote" oder "Verwässerungsquote" ist.

Der Zusammenhang zwischen den einzelnen Faktoren ist nicht linear und die Preisentwicklung des Calls in Abhängigkeit von einem einzelnen Faktor ist wiederum davon abhängig, welches Niveau die übrigen Faktoren haben. Wichtig bei der Betrachtung ist, dass einige der genannten Faktoren von vornherein bekannt und deshalb fixe Komponenten sind. Im einzelnen sind das der Ausübungskurs und die Restlaufzeit. Die meisten Komponenten können aber während der Laufzeit schwanken und sind deshalb variabel.

Für den beispielhaft aufgeführten Call-Optionsschein bedeuten die Faktoren:

Ein Anstieg des Kurses im Basiswert führt zum Kursanstieg des Call-Optionsscheins.

Statt des Basiswertes erwirbt der Anleger einen (preiswerteren) Optionsschein und spart dadurch Geld. Dieses ersparte Geld kann er risikolos anlegen. Die Zinsen aus der Ersparnis beim Optionsscheinkauf gegenüber dem Direkterwerb sind um so höher, je höher das entsprechende Zinsniveau ist. Deshalb ist ein Optionsschein in einer Hochzinsphase auch teurer als in einer Niedrigzinsphase. Wichtig ist, dass die Anlage risikolos geschieht.

Die Punkte Dividendenrendite und Ausschüttungspolitik sind in einem engen Zusammenhang zu sehen, denn bei einer aktiven Ausschüttungspolitik, d.h. wenn ein Großteil des Gewinns an die Aktionäre ausgeschüttet wird, steigt auch die Dividendenrendite an. Für den Optionsschein-Inhaber ist sein Wertpapier nicht dividendenberechtigt. Der Aktiengesellschaft wird durch die Ausschüttung Gewinn und somit letztendlich Substanz entzogen. Dadurch sinkt der Wert der einzelnen Aktie. Besonders deutlich wird dies am Tag der Ausschüttung, wenn die Aktie innerhalb eines Tages einen Kursabschlag in Höhe der Dividende erfährt.

Die Volatilität gibt an, um welchen Prozentsatz der Basiswert von seiner durchschnittlichen Kursänderung abweicht. Die Berechnung dieser Kennzahl ist mathematisch sehr aufwendig. Die Aussage der Volatilität ist jedoch eindeutig: Ein Basiswert, der häufig und in großem Maße schwankt, bringt den entsprechenden Optionsscheinen eher einmal in die Gewinnzone als ein schwankungsarmer Basiswert. Ein Optionsschein ist umso teurer, je höher die Schwankungsbreite des Basiswertes ist.

Die "optierbare Quote" oder auch "Verwässerungsquote" gibt Auskunft darüber, wie groß der Anteil am Grundkapital einer AG ist, der über Optionsscheine oder Wandelschuldverschreibungen im Rahmen einer bedingten Kapitalerhöhung noch geschaffen werden kann. Diese Information ist interessant, weil bei einer hohen Ausübungsquote eine Vielzahl junger Aktien geschaffen wird, die dann den erwirtschafteten Gewinn optisch "verwässern" und so dafür sorgen, dass der Kurs der einzelnen Aktie nicht so stark wie erwartet steigt, weil er sich jetzt auf mehr Aktien verteilt als zuvor.


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