Währungsoptionsscheine (Currency Warrants)

Währungsoptionsscheine sind Optionsscheine, die den Inhaber berechtigen, eine ausgesuchte Währung während einer gewissen Zeit zu einem vorher vereinbarten Preis in einem bestimmten Verhältnis zu kaufen oder zu verkaufen. Sie funktionieren somit genau wie Aktienoptionsscheine oder CW, nur berechtigen sie zum Bezug von Währungen. In Deutschland beginnt die Geschichte der Währungsoptionsscheine erst in den späten 80er Jahren. Zuvor gab es diese Form der Optionsscheine nicht und somit hatte der Anleger keine Möglichkeit, mit kleinem Kapitaleinsatz an den z.T. heftigen Währungsschwankungen teilzunehmen.

Der Anleger, der Währungsoptionsscheine kauft, ist meistens Spekulant. Er glaubt eine temporäre Über- oder Unterbewertung einer Währung zu erkennen und hofft durch den entsprechenden Optionsscheinkauf mit kleinem Einsatz auf großen Gewinn. Doch es gibt durchaus auch andere Gründe für den Erwerb von Währungsoptionsscheinen.

Kleinunternehmen und mittelständische Betriebe mit ausländischen Geschäftspartnern haben manchmal ein Interesse daran, sich einen Devisenkurs für eine gewisse Zeit zu sichern, da das Geschäft bereits heute abgewickelt wird, die Bezahlung aber erst in einiger Zeit erfolgt.

Beispiel: Ein Schiffsmotorenhersteller liefert eine große Maschine an eine japanische Reederei. Er erhält dafür 100 Mio. Yen, aber erst dann, wenn der Motor in Osaka vom Schiff geladen worden ist. Um sich den heutigen Yen-Kurs gegen Euro zu sichern, kauft der Schiffsmotorenhersteller Verkaufsoptionsscheine auf den Yen. Damit sichert er sich das Recht, die 100 Mio. Yen zu einem heute festgelegten Kurs jederzeit während der Laufzeit des Optionsscheins verkaufen zu dürfen. Selbstverständlich muss er dafür den Optionsscheinpreis bezahlen. Er muss für sich selber entscheiden, ob er das Währungsrisiko tragen will oder ob er sich über den Optionsschein "versichert".

Privatleute, die im Ausland Urlaub machen wollen, können sich schon heute den evtl. gerade günstigen Kurs der entsprechenden Landeswährung, z.B. US-Dollar, sichern. Dies geschieht dann über den Kauf einer Kaufoption, die während der Laufzeit des Optionsscheins das Recht garantiert, die entsprechende Währung zum vorher vereinbarten Kurs zu kaufen. Dies wird man natürlich nur dann tun, wenn man von einem Kursanstieg der entsprechenden Währung bis zum Reisebeginn erwartet wird. Rechnet man dagegen mit gleichbleibenden oder fallenden Devisenkursen, wird der Urlauber nichts unternehmen.

Eine Beispielrechnung soll die Vorteilhaftigkeit des Optionsscheins verdeutlichen.

Ein Privatanleger möchte in seinen USA-Urlaub USD 10.000 Bargeld mitnehmen. Der Urlaubsbeginn ist in exakt sechs Monaten, der USD steht z.Z. bei Euro 1,14. Der Anleger hat zwei Möglichkeiten:

Variante A:
Er wartet das halbe Jahr ab und kauft dann die USD.

Variante B:
Er kauft heute Optionsscheine. Jeder Optionsschein berechtigt ihn zum Bezug von 100 USD. Der Bezugskurs liegt bei Euro 1,14 und die Laufzeit ist genau 6 Monate. Jeder Optionsschein kostet Euro 4. Er wendet insgesamt Euro 450 auf (Kurswert für 100 Optionsscheine = 400 Euro zzgl. 50 Euro Bankspesen / Provision).

Nach sechs Monaten gibt es drei denkbare Situationen:

1. Der USD steht deutlich unter Euro 1,14 (z.B. bei Euro 1,04).
2. Der USD steht bei ca. Euro 1,14.
3. Der USD steht deutlich über Euro 1,14 (=z.B. bei Euro 1,24).

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