- Hedger - Erklärung

Die Gruppe der »Hedger« ist zahlenmäßig die kleinste Gruppe der Marktteilnehmer an den weltweiten Rohstoffmärkten. Sie haben in der Regel ein vitales Interesse daran, die verschiedenen Möglichkeiten, die die Rohstoffbörsen ihnen zum Schutz vor unliebsamen Preisbewegungen bietet, nutzen zu können. Somit stellt der von den Hedgern bewegte Anteil am Börsenvolumen trotz der relativ geringen Größe dieser Gruppe einen großen Teil des gesamten Handels in Rohstoffkontrakten dar.

 

Was bedeutet "Hedge"?

 

Der englische Begriff »to hedge« bedeutet wörtlich übersetzt »mit einer Hecke umgeben«. Dieser bildliche Ausdruck ist in der modernen Finanzwelt aber gleichsam ein Synonym für »etwas schützen« oder »etwas absichern«, was den Nagel im Bezug auf Rohstoffe viel besser auf den Kopf trifft. So wie man sein Grundstück durch das Pflanzen einer Hecke vor Einflüssen von außerhalb schützen kann, so schützen Hedgetransaktionen vor schädlichen Preisentwicklungen an den Waren- oder Finanzmärkten. 

 

Die Gruppe der Hedger ist demzufolge bei ihren Aktivitäten an den Rohstoffbörsen darum bemüht, sich gegen gewisse Risiken abzusichern. Doch welche Arten von Risiken können dabei von Interesse sein? Nun, das hängt wiederum vom realwirtschaftlichen, also dem geschäftlichen Hintergrund des einzelnen Marktteilnehmers ab. Schauen wir uns die Mitglieder der Hedger-Gruppe und deren ökonomischen Aktivitäten deshalb zunächst etwas genauer an.

 

Ein Teil der Hedger, also der Marktteilnehmer, die an den Commoditymärkten Sicherheit suchen, sind die Produzenten oder Förderer von Rohstoffen. Dies sind beispielsweise Minenkonzerne und Ölgesellschaften, aber auch Landwirte gehören durchaus zu dieser Gruppe. Diese Produzenten haben seit vielen hundert Jahren ein natürliches Bedürfnis danach, ihre Waren zu möglichst hohen, zumindest aber zu kostendeckenden Preisen verkaufen zu können. Dabei sind zu stark schwankende Preisen bei der Kalkulation ihrer Geschäfte sehr hinderlich. Sie verfolgen daher das Ziel, den beim Verkauf ihrer Waren erzielbaren Preis möglichst frühzeitig abzusichern bzw. zu hedgen, wie der Fachmann sagt. Diese Absicherungsmöglichkeit ist für die Rohstoffhersteller von immenser Wichtigkeit, um langfristig planen und die Wirtschaftlichkeit ihres Betriebes aufrecht erhalten zu können.

 

Da die Produktion oder der Abbau von Rohstoffen in der Regel ein Prozess ist, der relativ lange dauert und somit zeitlich vom Verkaufszeitpunkt weit entfernt liegen kann, wäre es fatal für einen Produzenten, wenn zwischen Beginn der Produktion oder des Abbaus und der Auslieferung der erzielbare Preis für den Rohstoff stark rückläufig wäre. Denn die Kosten für die Erzeugung stehen bereits von Beginn des Herstellungsprozesses an fest und bewegen sich in der Regel nicht mit den Preisen des Endproduktes nach oben oder unten mit. Ein Preisverfall zur falschen Zeit wäre deshalb unter Umständen mit existenzbedrohenden Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage eines Produzenten verbunden. Die Konsequenzen einer Nichtabsicherung wurden bereits im Artikel »Kleine Geschichte des Rohstoffhandels»  an den negativen Begleiterscheinungen des Rohstoffhandels in Chicago vor Etablierung des Warenterminhandels beschrieben (Versenkung von Getreideüberschüssen im Lake Michigan zu Erntezeiten mit anschließender Hungersnot), die schließlich zur Gründung der ersten Warenterminbörse der Welt, des CBOT, führten.


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