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Warenterminbörsen - Handelsplätze

»Bundesbürger im Goldrausch« – so titelte die Tageszeitung Die Weltam 08. Oktober 2009 anlässlich der seit rund vier Jahren andauernden Ralley der Goldnotierungen, die den Preis des Edelmetalls auf immer neue Rekordhöhen trieb. Angezogen von der sich zuletzt immer schneller nach oben drehenden Preisspirale springen immer mehr Investoren auf den mit vollem Tempo fahrenden Goldexpress auf in der Hoffnung, dass der Preis auch weiterhin nur eine Richtung kennt – den nach oben.

 

Wieder einmal bewahrheitet sich somit eine Weisheit Goethes aus Faust I, diesem schier unerschöpflichen Quell an Lebensweisheiten und Zitaten für die unterschiedlichsten Lebenslagen - »Zum Golde drängt, am Golde hängt doch alles«. Am Rande sei gesagt, dass das gelbe Metall seine magische Anziehungskraft auch bei dem großen Dichterfürsten nicht eingebüßt hatte. Vielleicht lag das auch daran, dass er in seiner Eigenschaft als Geheimer Legationsrat im Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach die Aufgaben eines Finanzministers inne hatte und dabei auch die Verantwortung für den Silberabbau trug. Diese Verantwortung war es schließlich, die in dem damals noch jungen Goethe das Interesse für die Mineralogie erweckte. Aufgrund tiefer Einsichten in die Wirtschaftstheorie seiner Zeit und seiner finanzpolitischen Tätigkeit schaute der Dichter bei all seinem Wirken auch sehr auf den eigenen finanziellen Vorteil. Durch seinen Geschäftssinn und sein beharrliches Durchsetzungsvermögen brachte er es zeitlebens zu einem stetig steigenden Einkommen und schlussendlich zu einem beträchtlichen Vermögen. Kein Wunder also, dass er bereits im Faust I die aus seinem ökonomischen Wirken gewonnenen Erkenntnisse über die Geldschöpfung, die Gefahren der Inflation und das sich bereits zu seinen Lebzeiten am Horizont abzeichnende Zeitalter der Ökonomie so tiefgründig verarbeitete, dass die in seinem Werk angesprochenen Themen bis zum heutigen Tag immer noch so aktuell geblieben sind und nichts von ihrer Brisanz eingebüßt haben.

 

Doch nicht erst Goethe und seine Zeitgenossen waren fasziniert von der Schönheit und der Aura von Edelmetallen, nein, schon seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte wurden Rohstoffe, zu denen auch die mehr oder weniger häufig vorkommenden unterschiedlichsten Arten von Metallen gehören, gewonnen, gehandelt und intensiv genutzt. Die Wissenschaftler der Neuzeit haben gar ganze Epochen der Ur- und Frühgeschichte des Menschen nach dem Aufkommen oder der maßgeblichen Nutzung einzelner Rohstoffe benannt.

 

Die Anfänge des Rohstoffhandels

 

So waren es bis vor rund zehntausend Jahren vor allem Steine, die die Menschen in der passender weise »Steinzeit« genannten Frühstgeschichte der Menschheit, als Hauptwerkstoff einsetzten. Durch die schrittweise Entdeckung der vielfältigen Verwendbarkeit von Metallen und der ständigen Verbesserung der Abbau- und der Verarbeitungsmöglichkeiten konnte sich der Mensch nach der nur sehr langsamen Fortentwicklung in der sich über mehrere Millionen Jahre hinziehenden Steinzeit immer schneller weiterentwickeln. Die Entdeckung und Verwendung von Bronze und später von Eisen führte die Menschheit binnen weniger Jahrtausende aus der Steinzeit über die Bronze- und Eisenzeit in die Antike bis hin zu den ersten Hochkulturen.

 

So wundert es nicht, dass auch der Handel mit Rohstoffen fast ebenso alt ist, wie die Menschheit selbst. Und das gilt selbstverständlich nicht nur für Metalle sondern für alle Arten von Rohstoffen, angefangen von Lebensmitteln wie Getreide und Vieh bis hin zu den Edelmetallen Gold und Silber. Da nicht jede Region oder jedes Land über alle für die Produktion von Waren oder Rohwaren benötigten Rohstoffe verfügte, entwickelte sich recht rasch ein weitverzweigter und florierender Handel, der sich bereits in seinen Anfängen über teilweise erhebliche Entfernungen hinweg erstreckte. Bedingt durch die natürliche regionale Verteilung der unterschiedlichsten Arten von Rohstoffen kann die frühzeitliche Rohstoffgewinnung und der damalige Rohstoffhandel somit ruhigen Gewissens als Beginn der globalen Arbeitsteilung und dadurch auch des wirtschaftlichen Aufstieges einer Reihe von Ländern angesehen werden.

 

Eine erste Standardisierung im Handel wurde von den Sumerern bereits vor vielen Tausend Jahren etabliert, als diese ihr Vieh gegen bestimmte Muscheln eintauschten und somit eine frühe Form des Geldes einführten. Etliche Städte oder Regionen hatten im Laufe der Zeit ihren wirtschaftlichen Aufstieg der Produktion und dem Handel einzelner Güter wie Holz, Weizen, Feldfrüchten oder Pfeffer zu verdanken. Überhaupt haben Gewürze oder sonstige wichtige Agrarrohstoffe in der Antike einen wichtigen Anteil am gesamten Welthandel eingenommen. Das als Geschmacksverstärker oder Konservierungsstoff heißbegehrte Salz etwa wurde gar von den alten Griechen als eine göttliche Substanz verehrt und war dementsprechend in der ganzen damals bekannten Welt heiß begehrt.

 

Mit Beginn der Neuzeit und vor allem seit der aufkommenden Industrialisierung hat die Nachfrage nach Rohstoffen einen stetigen Anstieg erfahren. Das wachsende Weltwissen und die technologischen und wissenschaftlichen Fortschritte in der Geologie, Chemie und Werkstofftechnik haben dazu geführt, dass immer mehr Rohstoffe und Rohstoffvorkommen entdeckt und ausgebeutet werden konnten. Zudem haben neu entdeckte Nutzungsmöglichkeiten und eine ständig wachsende Weltbevölkerung, was gleichbedeutend mit einem Wachstum an potentiellen Nachfragern ist, dazu beigetragen, dass die Menge an benötigten und nachgefragten Rohstoffen aller Art in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch angestiegen ist. Dies blieb natürlich nicht ohne Auswirkungen auf Abbau, Produktion, Verteilung und schlussendlich auch Handel dieser immer begehrteren Waren. Um der ständig wachsenden Mengen an Rohstoffen sowie der unterschiedlichen Bedürfnisse der Marktteilnehmer an den Märkten gerecht zu werden, musste der Handel immer weiter standardisiert werden, um eine möglichst effiziente Verteilung im Wirtschaftskreislauf zu gewährleisten.

 

Die erste echte Terminbörse der Welt entsteht

 

Die Wiege des modernen Rohstoffhandels steht denn auch weit weg von den Ländern der Hochkulturen der Antike: Nämlich in den USA, genauer gesagt in Chicago. Dort etablierte sich im 19. Jahrhundert ein reger Handel mit landwirtschaftlichen Gütern wie Weizen oder Mais. Doch auch Lebendrinder oder Schweine wurden zu dieser Zeit in Chicago in großem Stil gehandelt. Warum ausgerechnet Chicago, mögen Sie sich nun fragen. Nun, die Stadt am Lake Michigan war und ist auch heute noch von großzügigen Weide- und Anbauflächen umgeben und lag auch für damalige Verhältnisse äußerst verkehrsgünstig, was den Transport der Waren wesentlich vereinfachte.

 

Aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften war der Handel mit Agrarrohstoffen jedoch zeitweise sehr problematisch. Vor allem die Saisonalität des Rohstoffangebots und die damit zusammenhängende Notwendigkeit der Einlagerung enormer Angebotsmengen innerhalb kurzer Zeit führte zu dramatischen Zuständen. In den Erntemonaten wurde der Markt seitens der Produzenten mit den jeweils abgeernteten Waren regelrecht überschwemmt – das plötzlich auftretende Überangebot fand keine Käufer und auch die in der Stadt vorhandenen Lagerkapazitäten reichten bei weitem nicht aus, die gesamten Getreideberge aufzunehmen.

 

Die Folge: Die Preise stürzten ins Bodenlose. Um den Markt wieder zu stabilisieren und um weitere Transport- und Lagerkosten für das Überangebot an Getreide einzusparen, wurden nun regelmäßig im Spätherbst große Mengen an Weizen, Mais und sonstigem Getreide im Lake Michigan versenkt, um so das Angebot wieder künstlich auf ein niedrigeres Niveau zu bringen.

 

Doch diese Vorgehensweise war sehr kurzfristig angelegt, wie sich ebenfalls regelmäßig wieder im darauffolgenden Frühjahr zeigte, wenn die für die Wintermonate angehäuften Vorräte aufgebraucht waren und dringend neues Getreide vonnöten war. Durch die Vernichtung der Überschüsse im vergangenen Herbst wurden so etliche Male eine ebenfalls künstliche Angebotsknappheit geschaffen und somit völlig überflüssigerweise Hungersnöte heraufbeschworen.

 

Diesen Missständen sowie praktischen Problemen beim Handel mit den Agrarrohstoffen war es schließlich zu verdanken, dass im Jahr 1848 in Chicago auch die erste Terminbörse der Welt gegründet wurde, das Chicago Board of Trade, besser bekannt unter dem Kürzel CBOT (nach der Fusionierung 2007 mit CME jetzt CME-Gruppe). Damit es Käufern und Verkäufern möglich wurde, Waren nicht nur mit sofortiger Lieferung gegen Bezahlung (Spot-Handel) zu handeln, sonder auch zu Terminen in der Zukunft ohne sofortige Belieferung, mussten sich die Gründerväter der CBOT etwas einfallen lassen. Im Jahr 1851 war es dann schließlich soweit: Der erste vollständig dokumentierte Forwardkontrakt der Börsengeschichte, der den Börsenhandel revolutionierte, wurde über die Menge von 3.000 Scheffel Mais abgeschlossen, was rund 72 Tonnen Getreide entspricht. Die erste echte Terminbörse der Welt war geboren!

 

CBOT 1899

© http://homicide.northwestern.edu/

 

Erstmals war es den Farmern aus dem Mittleren Westen möglich geworden, ihr gegebenenfalls noch gar nicht geerntetes Getreide zu einem festgelegten Preis zu einem späteren Termin zu verkaufen. Dabei konnte das verkaufte Gut sogar noch bis zum Ablauftag des Vertrages im heimischen Silo verbleiben und musste nicht teuer in einem Speicher in Chicago zwischengelagert werden.

 

Ähnliche Verträge über Reislieferungen wurden zwar bereits Anfang des 18 Jahrhunderts in Japan gehandelt, jedoch nicht an einer organisierten Börse sondern direkt zwischen den interessierten Reiskäufern und –verkäufern. In dieser Zeit wurden auch die heute noch bei den Anhänger der Chartanalyse sehr beliebten Candlestick-Charts entwickelt, mit deren Hilfe sich die besten Prognosen zur zukünftigen Entwicklung des Reispreises ableiten ließen.

 

Um eine ähnlich weitgehende Standardisierung der Rohstofftransaktionen wie im Wertpapiergeschäft zu erlangen, wurden schon relativ früh nach Gründung der Chicagoer Börse und der Aufnahme des Handels mit den noch nicht standardisierten Forwardtransaktionen die ersten echten Rohstoffkontrakte, wie sie auch heute noch gehandelt werden, entwickelt.

 

Ein solcher Kontrakt ist charakterisiert durch die Verpflichtung des Verkäufer zur Lieferung bzw. die Abnahmeverpflichtung des Käufers bezüglich

  • eines genau bestimmten Vertragsgegenstandes (des Basiswertes)
  • in einer bestimmten Menge (der Kontraktgröße) und Qualität
  • zu einem fixen Zeitpunkt in der Zukunft (dem Fälligkeitstermin) und 
  • zu einem festen, bereits bei Vertragsabschluss festgelegten Preis.

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Literaturverzeichnis   Berenberg Bank · HWWI (2005): »Strategie 2030 –...

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